Krimi bei 3sat

"Laim und die Zeichen des Todes": Vergangenheitsbewältigung

von Wilfried Geldner

Kommissar Laim leidet unter der Nazi-Vergangenheit seines Großvaters. In seinem zweiten Fall hat er es mit einer Leiche zu tun, auf deren Brust das hebräische Wort für "Vergeltung" steht.

3sat
Laim und die Zeichen des Todes
Kriminalfilm • 23.03.2021 • 20:16 Uhr

Er ist der Kommissar, "auf den die Frauen fliegen". Lukas Laim (Max Simonischek) greift beim Kopulieren auf akrobatische Weise zum Telefon und bezahlt seine Partnerinnen gerne mit der Scheckkarte. Sein ganz besonderes Kennzeichen aber ist die Vergangenheit. Der Großvater war schwer in Nazimachenschaften verstrickt und wurde bei der Umverteilung jüdischen Raubguts reich. Der Münchner Laim leidet daran, die Familiengeschichte hat aus ihm einen zornigen Mann gemacht, der die damaligen Verbrechen rückhaltlos sühnen will. Diese Vita lastet schwer auf dem Serienkommissar, wie auch "Laim und die Zeichen des Todes" beweist, dem zweiten Film der bisher dreiteitligen Reihe, der nun auf 3sat wiederholt wird.

Dafür kehrt nun die Vergangenheit mit voller Power wieder. Ein Toter hängt unter der Brücke bei der Praterinsel, mit hebräischen Schriftzeichen auf der Brust. "Wenn des Arabisch is' ...", sagt der Kollege Simhandl gleich dreimal hintereinander, den Gerhard Wittmann sehr bodenständig spielt, und sieht offensichtlich den IS mitten in München angekommen.

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Doch Johanna Fischer (Lavinia Wilson), die neue Kollegin vom K2 kann zum Glück übersetzen. "Vergeltung" bedeuten die auf die Brust des Toten gekritzelten hebräischen Zeichen. Vergeltung wofür? – Der Vater des Toten war Notar im Dritten Reich und unterzeichnete damals zahlreiche Knebelverträge, mit denen jüdische Mitbürger Hab und Gut verloren. Die Beute ging nahtlos an die Nachkommen über. Jetzt ist offenbar ein jüdischer Nachfahre gekommen, der sich rächen will.

An dieser Stelle haben die Drehbuchschreiber Lisa van Brakel und Jörg von Schlebrügge ("Kommissar Stolberg", "Kommissarin Lucas") eine feine Finte eingebaut. Der Tote war Mäzen der Münchner "Gallery for Jewish Art". Deren Direktorin (Bibiana Beglau mit gewohnter Strenge) nahm das Geld des NS-Nutznießers ohne Skrupel an, ganz nach dem Motto: Es kehrt ja nur zurück, was uns gehört hat.

Mehrere Erpresserbriefe

Doch warum wollte sich der Mörder mit der Freigiebigkeit des Toten nicht abfinden? Und vor allem: Warum tauchen darüber hinaus gleich mehrere Erpresserbriefe auf, die in gleichlautenden Worten hohe Summen einfordern? Auch Laims Mutter (Gisela Schneeberger) ist unter den Betroffenen und versucht den Brief zu verheimlichen, damit nur ja nichts an die Öffentlichkeit gerät. Die Dokumente und Fotos von damals hat sie längst in der untersten Schublade versenkt.

Leider lassen es die Autoren bei diesem saftigen Restitutionskrimi nicht bewenden. Fritz Karl muss als Historiker an der Uni pathetische Reden über den Holocaust halten und gibt dabei den Zwielichtigen. Und dann sind da ja auch noch die vier Jungs, die im November 1938 einem fluchtwilligen jüdischen Mitbürger dessen Berghütte abluchsten, nur um ihn anschließend auch noch hinterrücks zu erschießen. Als wär's ein Stück von Ganghofer, schleicht sich da ein alles erklärendes Melodram nachträglich ein. Laim aber trägt wieder schwer an seiner deutschen Familienvergangenheit. Er muss sich als Figur leider immerfort etwas beweisen, statt sich mit seinen sehr brauchbaren Kollegen vom Kommissariat der gründlichen Gegenwartsrecherche hinzugeben.

Laim und die Zeichen des Todes – Di. 23.03. – 3sat: 20.15 Uhr


Quelle: teleschau – der mediendienst GmbH
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