22.03.2021 Fritz Wepper im Interview

Der Himmel will es so

von Marcus Italiani
Kongeniales Team: Fritz Wepper und Janina Hartwig.
Kongeniales Team: Fritz Wepper und Janina Hartwig.   Fotoquelle: ARD / Barbara Bauriedl

Mit der letzten Staffel von "Um Himmels Willen" geht ein Stück Fernsehgeschichte zu Ende. Fritz Wepper, der als Bürgermeister Wöller von Beginn an dabei ist, sprach mit prisma über die Anfänge der Serie und ihre Langzeit-Wirkung.

Herr Wepper, was ging Ihnen durch den Kopf, als Sie vor 20 Jahren gefragt wurden, ob Sie die Rolle von Bürgermeister Wofgang Wöller übernehmen wollen?

Na ja, es gab ja Don Camillo und Peppone als Vorreiter dieses Formats. Das kannte und mochte ich. Es hatte seinerzeit aber auch einen politischen Anstrich, da es um die Konfrontation zwischen Kirche und Kommunisten ging. „Um Himmels Willen“ spielte aber in einer deutschen Kleinstadt im Hier und Jetzt. Als ich die ersten Bücher gelesen hatte, war das sehr spannend, auch weil wir gar nicht wussten, wie die Zuschauer reagieren würden. Ich war aber von dem Projekt sehr angetan. Dass es dann so ein Erfolg geworden ist, hat mich natürlich sehr gefreut.

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…die verfilmte Spannung zwischen Himmel und Erde.

Im Gegensatz zur älteren Vorlage war der geistliche Gegenpart des Bürgermeisters in "Um Himmels Willen" kein gewitzter Pfarrer, sondern eine nicht unerhebliche Zahl Nonnen.

Ja, das war für mich als Privatmann Fritz Wepper aber völlig in Ordnung und nachvollziehbar. Ich bin unter Frauen groß geworden, weil mein Vater im Krieg vermisst wurde, was nicht leicht zu ertragen war. Mir wurde die Welt von weiblichen Wesen erschlossen, weshalb ich mit Emanzipation nie Probleme hatte.

Welche Erinnerungen verbinden Sie mit dem mittlerweile verstorbenen Drehbuchautor Michael Baier, auf dessen Idee die Serie zurückgeht?

Wir haben einige Male telefoniert. Er hatte einen ganz strengen Arbeitsplan, arbeitete am Stehpult. Komischerweise hat er mich trotz der vielen Drehtage immer auf dem Golfplatz erwischt (lacht). Aber das waren tolle Bücher. Was viele nicht wissen: Er hat auch andere Autoren eingesetzt, die gewisse Stränge der Geschichte weiterentwickelt haben, was dem Ganzen eine ungeheure Dynamik verliehen und die Serie bereichert hat.

Viele jüngere Teammitglieder sind ja quasi am Set von "Um Himmels Willen" herangewachsen. Wie war das für einen erfahrenen Schauspieler wie Sie?

Wir hatten im Ensemble immer viel Spaß und haben gerne zusammengearbeitet. Das hat die Serie auch ausgemacht und sie so lange am Leben erhalten. Natürlich begegnet man in einer solch langen Zeit vielen jüngeren Kollegen, mit denen man auch eine Arbeitsgrundlage finden muss, was in den meisten Fällen sehr gut geklappt hat.

Und in den anderen?

Einmal habe ich einen Jungen erlebt, der partout nicht bei der Leseprobe mitmachen wollte, weil er der Meinung war, dass er seinen Text konnte. Sein Vater war ebenfalls Schauspieler – ein mittelmäßiger. Und er hat seinem Sohn offenbar das Mittelmaß mitgegeben, denn der Junge war völlig verkrampft. Der hat dann bei den Arbeiten wirklich gelitten. Ein anderer Kollege war ziemlich eigenartig. Er amüsierte sich gerne auf anderer Leute Kosten, lachte, wenn sich die Kollegen mal versprachen oder Fehler machten. So etwas tut man nicht. Eines Tages saß er plötzlich in meinem Wohnmobil am Set, ohne vorher gefragt zu haben, ob er da in meiner Abwesenheit rein darf. Seine Figur haben wir dann in der Serie sterben lassen.

Was hat die Serie insgesamt bewirken können?

Ich gebe Ihnen da gerne ein Beispiel: Wenn ich Brötchen gekauft habe, und am Vortag ist "Um Himmels Willen" gelaufen, dann gab es schon beim Bäcker immer positives Feedback. Diese Wahrnehmungen, vor allem in Verbindung mit Corona, sind mir sehr wichtig. Viele Zuschauer haben uns mitgeteilt, dass es für sie geradezu erleichternd ist, unsere Sendung nach den Nachrichten zu schauen, in denen ja meistens über steigende Infektionszahlen und andere negative Dinge berichtet wird. Bei unserer Sendung können sie sich hingegen entspannen, zurücklehnen und auf gute Weise unterhalten lassen.

Machen Ihre Rollen eigentlich etwas mit Ihnen?

Ja, und zwar auf vielerlei Art. Ich kann mich daran erinnern, dass ich 1952, in meiner ersten Rolle im Stück "Peter Pan", wo ich eins der verlorenen Kinder spielen sollte, tatsächlich großes Lampenfieber hatte, was eben auch zu der Rolle passte. 1956 inszenierte Trude Kolman, die Intendantin der „Kleinen Freiheit“ in der Münchener Maximilianstraße, ein Theaterstück namens "Eskapade". In diesem Stück haben mein Bruder Elmar und ich ein Brüderpaar gespielt. Für 25 Mark pro Abend – ich kam mir vor wie ein Millionär. Und wen treffen wir an der Tram-Haltestelle? Den großen Bernhard Wicki, der uns ein Lob aussprach. Als es 1959 darum ging, den Albert in seinem Film "Die Brücke" zu spielen, sagte er: "Ich will dich so oder so für die Rolle, aber wir müssen der Form halber dennoch Probeaufnahmen machen." Wenn ich darüber nachdenke, dass mein allererster Film "Die Brücke" war, von dem mir Liza Minelli mal erzählt hat, dass der bis heute noch in einem New Yorker Kino läuft, dann bin ich schon dankbar dafür, was meine Rollen bewirkt haben. Aber ich bin auf dem Boden geblieben, weil ich von frühester Kindheit an immer gearbeitet und Geld verdient habe. Das ist wichtig.

Was halten Sie von der Neuverfilmung von "Die Brücke" aus dem Jahre 2008?

Der ist nicht an unseren Film herangekommen.

TV-TIPP

  • "Um Himmels Willen"
  • Dienstag, 30. März
  • 20.15 Uhr
  • ARD

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