Krimi im ZDF

"Ostfriesenagst": gefährliches Wattenmeer

von Hans Czerny

Bei einem Schulausflug, der wegen eines Unwetters vorzeitig endet, verschwindet der Lehrer. Stecken etwa Schüler dahinter? Die Antwort gibt es im fünften Ostfrieslandkrimi.

ZDF
Ostfriesenagst
Krimi • 20.03.2021 • 20:15 Uhr

Kaum hat der Ethiklehrer vor der versammelten Schulklasse beim Ostfriesland-Ausflug seine befeuernde Rede gehalten über die Menschheit, die es in Schafe und Wölfe einzuteilen gilt, da setzt ein stürmisches Unwetter vor Norddeich ein. Die Schulklasse, die eigentlich durchs Wattenmeer nach Norderney wandern wollte, kehrt fluchtartig ohne den Lehrer zurück. War der Mann so verhasst, dass man ihn loswerden wollte? – Das ist die Ausgangsfrage im fünften Ostfrieslandkrimi "Ostfriesenangst" nach einem Roman des Bestsellerautors Klaus-Peter Wolf (Regie: Hannu Salonen, Drehbuch: Christian Limmer). Doch der Tote, der dann geborgen wird, ist nicht der Lehrer, sondern der Bewacher eines aus der Haft entlassenen Sexualstraftäters.

Der Entlassene wurde entgegen aller Gesetze rund um die Uhr vom BKA überwacht. Kommissarin Ann Kathrin Klaasen (Julia Jentsch) ist bald klar, dass da etwas nicht stimmten kann.

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Klaasen beginnt, in allen Richtungen zu ermitteln. Besonders verdächtig haben sich allerdings zwei aus der wandernden Schulklasse gemacht. Laura (Elisa Schlott, "Unsere wunderbaren Jahre") wirkt auf die Kommissarin, als habe sie etwas zu verbergen. Tatsächlich trifft sie in der Ortskneipe auf ihren Freund Sascha (Anselm Bresgott), mit dem sie verabredet ist, um nach dem womöglich missglückten Anschlag auf den Lehrer zu fliehen.

Dass es auf dieser Flucht – es soll in Omas Häuschen gehen – den Verfolger, Kommissar Frank Weller (Christian Erdmann) schmerzhaft erwischt, ist des Guten fast schon zu viel. Frank muss im Krankenhaus leiden, er hat sich ein schweres Gehirntrauma zugezogen. Der Hergang des Unglücks wird von Frank selbst auf dem Krankenhausbett erzählt, so spart man sich die Action. Doch auch sonst haben die Krankenhausszenen ihr Gutes. Klaasens 16-jähriger Sohn Eike und die Kommissarin selbst dürfen so dem Schwerverletzten viel Zuneigung erweisen.

Das tut diesem Friesenkrimi gut, der sonst mit allerlei Klischees nicht zimperlich ist. Sind Serienmörder ohnehin in der Reihe nicht selten, so wird hier alsbald ein Mensch gezeigt, der auf Hannibal Lecters Spuren zu wandeln scheint. Bedrohlich klopft er an der Türe von Omas Häuschen und spielt ölig den Gutmenschen, der niemandem Böses will. Er macht sich im Haushalt nützlich und spielt den launigen Koch. Allerdings greift der inzwischen Gläubige auch nach einem Kreuz und nähert sich Laura beängstigend im Schlaf. Die Lust, so wird nahegelegt, ist für diesen von Harald Windisch gespielten gefallenen Gutmenschen nur schwer zu bewältigen.

Wird Kommissarin Klaasen die geflohenen Freunde aus den Fängen des Wüstlings rechtzeitig befreien? – Die Chancen stehen nicht schlecht, Klaasens Feindin, die es zu überführen gilt, ist ohnehin die wortkarge Chefin vom Trupp des BKA, die ohne Frage ihr ganz eigenes Süppchen kocht. Der Rest ist – ohne zu spoilern – brave Psycho-Haushistorie, näher an einem Märchen als an jeder Wirklichkeit. Umso erstaunlicher, wie geerdet Julia Jentsch, die ja Christiane Paul in der Ermittlerrolle nach drei Filmen abgelöst hat, in ihrem zweiten Ostfrieslandkrimi bleibt. Sie bringt viel Ruhe ins schaurige Psychospiel.

Ostfriesenagst – Sa. 20.03. – ZDF: 20.15 Uhr


Quelle: teleschau – der mediendienst GmbH
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