Klare Worte zur Pandemie

Rostocks OB beeindruckt bei Lanz

Seit Monaten liegt der Inzidenzwert in Rostock unter 50. Davon können die meisten anderen Städte und Kreise in Deutschland nur träumen. Am Mittwoch war Oberbürgermeister Claus Ruhe Madsen bei Markus Lanz zu Gast – und überzeugte mit Pragmatismus und klaren Aussagen.

Auf der tiefroten Deutschlandkarte, welche die Inzidenzwerte der jeweiligen Landkreise abbildet, musste man gelbe Flecken mit Werten unter 50 lange mit der Lupe suchen. Dass es durchaus funktionieren kann, diesen Wert konstant unter der 50er-Marke zu halten, bewies die Stadt Rostock. Offenbar ist auch der Redaktion des ZDF-Talks "Markus Lanz" aufgefallen, dass in der Hansestadt im Kampf gegen die Corona-Pandemie viel richtig gemacht wird, weshalb am Mittwoch erstmals Rostocks Oberbürgermeister Claus Ruhe Madsen in der Talkrunde saß – und einen bemerkenswerten Auftritt hinlegte.

Der gebürtige Däne hatte unter anderem eine verblüffend einfache Metapher parat, als es darum ging, die Gefahr einer Ansteckung im Alltag darzustellen – unabhängig davon, ob es sich um die Ursprungsvariante oder eine Mutation des Coronavirus handelt: "Wenn ich erklären würde, in Rostock ist vorm Rathaus ein Löwe entlaufen, würde sich niemand auf die Straße bewegen." In diesem Szenario ist der Löwe das Virus, den man schließlich auch nicht an der Leine in den Supermarkt ausführen oder gar in ein Altenheim mitnehmen würde. Der parteilose Politiker beklagte die ständig neuen Anweisungen aus der Politik in Bezug auf Mutationen: "Wenn es immer neue Unbekannte gibt, kriegen wir niemanden eingefangen."

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Oberbürgermeister Madsen kam zunehmend in Fahrt – und fand auch zum Thema Datenerfassung klare Worte. "Gefühlt erfassen wir viel zu viele Daten." Stattdessen laute die Frage, ob man diese auch ernst nehme. So wisse man nichts über erhöhte Ansteckungsgefahr in Schuhgeschäften, habe keine Erkenntnisse beim Kinder- und Jugendsport sowie zu mit Abstand aufgestellten Strandkörben oder Hygienekonzepten in Restaurants. Dennoch wurde alles geschlossen, obwohl es gelte, den Unternehmen einen Weg aufzuzeigen.

"Sind super unehrlich gewesen"

Als Gastgeber Lanz dann mit den Worten "Eine Pandemie bekämpft man mit Ehrlichkeit" auch noch Camus' die Pest zitierte, war dies das Stichwort für Madsen, der klarstellte: "Wir sind super unehrlich gewesen." Als Beispiel nannte er zum einen, dass man den Pendelverkehr aus Risikogebieten nicht gestoppt habe, um den nötigen Bedarf an Pflegekräften zu erfüllen. Auch am Prinzip von Leiharbeitern in Fachbetrieben habe man festgehalten. In Restaurants wäre laut Claus Ruhe Madsen Datenerfassung per QR-Code sinnvoll gewesen, anstatt Gästelisten zu führen, auf denen "Micky Maus war hier" zu lesen sei.

Neben dem Auftritt des Talkshow-Debütanten war mit Virologe Hendrik Streeck auch ein alter Bekannter zu Gast, um über Wege aus der Pandemie zu sprechen. In Sachen Mutationen hatte Streeck keine guten Nachrichten zu vermelden: "Wir werden die Mutationen, wenn wir sie nicht ganz am Anfang gefunden und eingedämmt haben – was wir nicht haben -, nicht aufhalten." Stattdessen müsse man mit dem Coronavirus leben.

Der Virologe hält es für möglich, dass es mit dem neuen Coronavirus ähnlich wie mit bereits heimischen Coronaviren laufen könnte: Eine Dauerwelle mit ausgeprägten saisonalen Effekten. Es gelte nun, auch Pläne B bis D zu entwickeln, etwa für den Fall, dass Impfstoffe nicht geliefert werden können, oder gegen künftige Mutationen bedeutend schlechter wirken.


Quelle: teleschau – der mediendienst GmbH
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