Star-Philosoph

Markus Precht bei Lanz: "Möchte nicht zurück in die Normalität vor der Krise"

Bestseller-Autor und Philosoph Richard David Precht sprach sich in der ZDF-Talkshow "Markus Lanz" dafür aus, die Corona-Krise für einen nachhaltigen Umbau der Gesellschaft zu nutzen. Als Beispiele nannte er den Einzelhandel, das Gesundheitswesen – und den Fußball.

"Was ist wirklich wichtig im Leben?", fragte der Star-Philosoph und Bestseller-Autor Richard David Precht in die Corona-Talk-Runde bei "Markus Lanz" am Dienstagabend im ZDF. Seine Antwort fiel kontrovers aus: "Die breite Mehrheit der Menschen bekommt in diesen Tagen ein Gefühl dafür, dass das normale Leben gar nicht normal ist, dieses ganze 'Höher, Schneller, Weiter'! Plötzlich geht das Fenster auf, in Alternativen zu denken!"

Er forderte die Politiker eindringlich dazu auf, die Krise als Chance zu nutzen, die soziale in eine nachhaltige Marktwirtschaft umzubauen und einiges zu verändern. "Ich möchte nicht zurück in die Normalität aus der Zeit vor der Krise." Die Politiker sollten jetzt die Anregungen der Menschen aufgreifen, um konstruktive Vorschlage zu unterbreiten, wie es in Zukunft besser geht. "So lange wir die Chance dazu haben, sollten wir darauf bestehen!"

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Auch die Medizinethikerin Christiane Woopen forderte in der Sendung eine breit aufgestellte Task Force in den einzelnen Bundesländern, in der viele Gruppen und Disziplinen vertreten sein sollten – "plus Menschen aus dem Alltag", um "den Blick zu weiten und sich anzuschauen, was in der Gesellschaft alles passiert: Bildungsdefizit, Kindesmissbrauch, Vereinsamung".

In diese Richtung argumentierte auch Richard David Precht – und wurde konkret: "Wir müssen uns beispielsweise überlegen, wie wir den kleinen Einzelhändler gegenüber den Online-Giganten besser absichern können. Ich möchte auch nicht, dass die Krankenpfleger in diesem Land weiter so lausig bezahlt werden." Als weiteres Beispiel führte er schließlich den Profifußball an, der "eigentlich unwichtig, aber psychologisch wahnsinnig wichtig" sei. "Hier ist in den letzten Jahren alles schiefgelaufen, was nur schieflaufen kann. Der Fußball ist im Grunde kaputt. Lasst uns neu darüber nachdenken, wie wir mehr Chancengerechtigkeit im Fußball schaffen."


Quelle: teleschau – der mediendienst GmbH
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