Im neuen Film mit Max Mauff "Safari – Match me if you can" geht es um eine Dating-App und Liebe in Zeiten von Social Media. Der Hauptdarsteller selbst kann damit privat gar nichts anfangen, wie er im Interview erzählt.

Max Mauff ("Die Welle", "Victoria") ist kein Schönling, das nicht. Er ist zunächst einfach er selbst: ein schlanker, etwas blasser Typ mit einer dominanten Nase und einem großen Mund, der 1987 in der DDR geboren und nach dem Mauerfall in Berlin aufgewachsen ist. Als freier Geist mit einer großen Passion für die Schauspielerei, mit der er schon im Kindesalter begann. Inzwischen hat er mit berühmten Regisseuren wie Tom Tykwer ("Sense8") und Steven Spielberg ("Bridge of Spies") gedreht. In der Beziehungskomödie "Safari – Match me if you can" spielt er einen mit Komplexen behafteten Typen, dessen sexuelles Leben eine Katastrophe ist. Beim Interview in München sitzt einem ein sehr aufmerksamer Gesprächspartner gegenüber, lässig gekleidet mit gemustertem Hemd und Hut. Und anders als seine Filmfigur zückt er nicht ein einziges Mal sein Handy.

prisma: Dank "Safari – Match me if you can" ist für Sie mal wieder roter Teppich angesagt – haben Sie sich damit inzwischen angefreundet?

Max Mauff: Nein, immer noch nicht. Aber ich versuche, auch diesen Teil meines Berufs gut zu machen und dem gerecht zu werden, denn ich mag meine Arbeit sehr. Aber ich habe da immer sehr gemischte Gefühle: Einerseits gibt es in mir etwas, das sich gern darstellen möchte und daran Genuss findet, aber es gibt auch eine zurückgezogene Seite, die nicht unbedingt im Rampenlicht stehen will.

prisma: Im Mittelpunkt von "Safari" steht eine Dating-App. Hat sich Ihrer Meinung nach das Flirten durch solche Apps verändert?

Mauff: Ich bin ein Überbleibsel aus der halbanalogen Zeit und ich befürchte, es hat sich ganz viel verändert, auch beim Flirten und Kennenlernen. Über Tinder und Grinder kann ich nichts sagen, ich sehe das als eine weitere Digitalisierung unserer Lebenswelt. Ich selbst habe auch nie eine Dating-App verwendet, das hat mich nicht interessiert. Ich stelle allerdings fest, dass es sich noch mehr um Oberflächlichkeiten dreht, als es das heute ohnehin schon tut.

prisma: Darum geht es auch im Film – auf der einen Seite die perfekte Selbstdarstellung, auf der anderen Seite ist man total verletzlich. Schein und Sein.

Mauff: Genau! Und das ist etwas, worüber man sich unbedingt unterhalten muss. Die Effekte, die sich daraus soziologisch ergeben, sind ja spürbar, indem es immer mehr Leute mit Depressionen gibt. Das ist ja auch eine logische Entwicklung, wenn man morgens nach dem Aufstehen erst mal seinen Instagram-Account checkt und sieht, wie erfolgreich und toll alle sind. Das hat sich in den letzten Jahren potenziert und das gibt einem das Gefühl, ganz klein und unbedeutend zu sein. Und das führt zu einem Mechanismus, bei man schnell unter die Räder kommt. So erlebe ich das zumindest in meinem Umfeld, da gibt es immer mehr, die mit Depressionen zu tun haben. Und ich kann nicht anders, als da Parallelen zu ziehen.

prisma: Sie meinen also, viele Depressionen rühren daher, dass viele mehr sein wollen, als sie sind?

Mauff: Das hat wahrscheinlich mit vielen Aspekten zu tun, auch mit dem Wandel der Zeit und damit, dass sich alles sehr beschleunigt – was für uns Menschen auch nicht einfach ist. Aber Selbstdarstellung und Selbstoptimierung sind sicher Aspekte, die eine große Rolle spielen.

prisma: Ein Problem ist auch, dass jeder auf den Dating-Apps ein Profil von sich erstellen muss. Und wenn man sich dann im echten Leben begegnet, hat man ganz bestimmte Erwartungen ...

Mauff: Genau! Erwartungen! Das ist ein sehr wichtiger Punkt, es gibt einfach Erwartungen, die nicht geklärt sind. Geht es zum Beispiel um Sex oder darum, jemanden zu finden, dem man sein Herz ausschütten kann? Und diese Erwartungshaltungen werden bei diesen Apps nicht geklärt, außer vielleicht bei Grinder, bei der Schwulen-App, wo es explizit um Sex geht und kein Rumgerede gibt.

prisma: Kann man durch eine App die große Liebe finden?

Mauff: Natürlich, wie überall im Leben. Aber ich glaube, das Tempo ist ein anderes. Wenn man sich früher eine Klatsche gefangen hat, weil einen eine Frau abserviert hat, kann man sich nun an einem Wochenende gleich zehn Klatschen einfangen.

prisma: Wie lernen Sie jemanden kennen?

Mauff: Wie früher halt: Sich in die Augen gucken und miteinander reden. Ich bin in einer sehr glücklichen Beziehung, aber es ist eigentlich ganz einfach: Wenn ich eine Frau treffe, die ich interessant finde, dann kann ich davon ausgehen, dass sie es auch tut. Das ist sozusagen Instinkt oder Intuition. Dadurch habe ich gelernt, mich sicher zu fühlen.

prisma: Warum wäre eine Dating-App nichts für Sie?

Mauff: Für mich ist es letztlich eine Lebenshaltung. Ich bin 1987 in Berlin geboren, ich habe zwei Jahre vor dem Mauerfall erlebt und ich sage bewusst, es gibt einen Standpunkt, ehrlich mit sich zu sein. Ich kann zum Beispiel kein Instagram verwenden, weil ich merke, dass ich in die Versuchung gerate, mich zu verstellen. Aber ich möchte mich in meinem eigenen Leben nicht verstellen müssen, sondern meinem inneren Kern näherkommen. Und ich habe das Gefühl, das hilft mir dabei alles absolut nicht. Deswegen würde ich auch keine App benutzen. Außerdem meine ich, das Leben ist sehr reichhaltig, wenn man mit offenen Augen durch die Welt geht, und wen man alles treffen kann, ist unglaublich. Es gibt nichts, was besser wäre als die echten Begegnungen, die ich so mache. Da brauche ich keine Verbesserung.

prisma: Aber Sie haben ja einen Instagram-Account, der allerdings nicht besonders gepflegt ist.

Mauff: Ich habe nur einen mit falschem Namen, Moritz Mauff, weil ich dachte, ich könnte damit steuern, dass ich eine Wahrhaftigkeit in dem Ganzen finde. Dass ich Bilder poste, die ich mit der Welt teilen will. Aber letztlich will ich das nicht, ich teile schon genug von mir.

prisma: Im Film postet Ihre Figur erstmal heimlich ein Bett-Selfie, dabei war der Sex ziemlich kläglich. War das eine Rolle, auf die Sie Lust hatten?

Mauff: Eigentlich nicht. Ich war mir lange nicht sicher, ob ich diese Rolle spielen sollte. Aber dann habe ich Regisseur Rudi Gaul kennengelernt, und wusste, mit dem habe ich Lust, das zu machen. Außerdem wollte ich versuchen, der Figur eine Würde zu verleihen.


Quelle: teleschau – der Mediendienst