Asterix-Darsteller Christian Clavier ist in der französischen Multikulti-Komödie "Monsieur Claude und seine Töchter" als konservativer Notar gar nicht einverstanden mit der Wahl der Ehemänner seiner Töchter. Der Film war nicht nur in Frankreich ein großer Kinoerfolg.

Meist bewahrt Monsieur Claude Verneuil (Christian Clavier) ganz gut die Fassung. Aber das Geschenk des jüdischen Schwiegersohns David (Ary Abittan) ist für den erzkonservativen, reichen, in Ehren ergrauten Notar aus der Provinz doch starker Tobak: die Vorhaut seines beschnittenen Enkelsohns. Murrend schickt er sich an, gemäß dem Ritus das gute Stück in seinem Garten zu begraben. Nur ist der Hund schneller. Erst als Monsieur Claude einen ihm sehr passend erscheinenden Ersatz findet, kehrt sein Humor zurück. Selten geht es in der Multikulti-Komödie "Monsieur Claude und seine Töchter" (2014) so drastisch, grimmig und turbulent zu, immer aber schonungslos. Kein Klischee über Hautfarbe oder Konfession wird ausgelassen, alle bekommen – jetzt im "SommerKino im Ersten" – ihr Fett weg.

In den Zeiten der Globalisierung fällt die Liebe ihrer Töchter dorthin, wo der gut situierte Gaullist Monsieur Claude und seine nicht weniger distinguierte Gattin Marie (Chantal Lauby) sie nicht so gerne keimen sehen. Odile (Julia Piaton) verheiratet sich mit dem Juden David, Ségolène (Emilie Caen) wählte den chinesisch-stämmigen Chao (Frédéric Chau) und Isabelle (Frédérique Bel) den Muslim Rachid (Medi Sadoun). Alles Franzosen – nur für Monsieur Claude nicht ganz die richtigen, auch wenn sie die Marseillaise zu schmettern wissen.

Wenigstens Laure (Elodie Fontan), die vierte Tochter, soll einen Katholiken heiraten. Dazu ist Laure durchaus bereit. Nur eben nicht den Schnösel, den ihre Eltern ausgeguckt haben, sondern einen Schauspieler – den Schwarzen Charles Koffi (Noom Diawara). Vater Claude und Mutter Marie stehen unter Schock, und auch die schon etablierten Schwiegersöhne fragen sich, ob mit der anstehenden neuen Verbindung der ethnisch-religiöse Regenbogen nicht überspannt wird.

Über das Glück von Laure und Charles entscheiden letztlich Monsieur Claude und sein afrikanisches Alter Ego, Charles' Vater André (Pascal N'Zonzi). So offensiv "Monsieur Claude und seine Töchter" mit allen Kulturkreisen umgeht, so festgefügt ist die Hierarchie zwischen Alt und Jung.

Über zwölf Millionen Menschen gingen in Frankreich ins Kino, um "Monsieur Claude und seine Töchter" zu sehen. In Deutschland sahen knapp vier Millionen Zuschauer die unterhaltsame Komödie. Die Strategie systematischer Abnutzung der Stereotypen, bis der Mensch hervorkommt und die Liebe siegt, ging auf. Verantwortlich dafür war vor allem auch Hauptdarsteller Christian Clavier. Großartig nuanciert gibt er den Traditionalisten, der liberal sein will, aber es nie ganz schafft, der sarkastisch provoziert und gleichzeitig erstklassiger Streitschlichter sein kann.


Quelle: teleschau – der Mediendienst