"Mord mit Aussicht" war eine der lustigsten deutschen Serien. 2015 gab es ein Special in Spielfilmlänge, danach war Schluss. Mittlerweile deutet nichts mehr auf ein Comeback der beliebten Krimiserie hin. Schon im Film – die ARD zeigt im Sommerprogramm eine Wiederholung – deutet sich an, dass "Mord mit Aussicht" einfach auserzählt war.

Die Bewerbung der strafversetzten Eifel-Kommissarin Sophie Haas (Caroline Peters), die endlich nach Köln zurückkehren möchte, wurde in "Ein Mord mit Aussicht" mal wieder abgelehnt. Im Traum schlägt sie den dafür verantwortlichen Entscheider, den korrupten Beamten Jogereit (Matthias Mattschke), gar k.o. Bald darauf hat Sophie jedoch persönlich mit jenem Herrn Jogereit zu tun. In dessen Ferienhaus in der Nachbarschaft von Hengasch wurde eingebrochen. Kurze Zeit später ist Jogereit tot. Sandra Holm (Nina Proll), die zuständige Kommissarin aus dem Nachbarort, findet Sophie Haas mit rauchender Schusswaffe neben der Leiche. Da bekannt ist, dass Sophie zum Opfer ein miserables Verhältnis hatte, ist sie logischerweise Haupttatverdächtige. Nach drei Staffeln und 39 Folgen "Mord mit Aussicht" beendete ein Spielfilm im Dezember 2015 eine der lustigsten und erfolgreichsten Serien in der jüngeren ARD-Geschichte. Nun läuft der Streifen im Sommerprogramm des Ersten noch einmal (.

Um den Mord aufzuklären, verhört Kommissarin Holm das Umfeld Sophies. Dabei verhält sich die Stammbesetzung der Serie ähnlich wie die Augenzeugen aus Akira Kurosawas Filmmeisterwerk "Rashomon". Jeder der Hengascher – die Polizeikollegen Dietmar (Bjarne Mädel), Bärbel (Meike Droste) sowie Dietmars Frau Heike (Petra Kleinert) – erzählt eine andere Geschichte, die sich gegenseitig ausschließen. Kommissarin Holm erfährt auf diese Weise: Die Hengascher sind ein liebenswerter Haufen mit einer Menge Schwächen. Aber so sind die Menschen eben.

Regisseur Jan Schomburg ("Über uns das All", "Vergiss mein Ich"), ein Neuling im "Mord mit Aussicht"-Universum, inszenierte dieses Special nach einem Drehbuch von Benjamin Hessler ("Rammbock"). Der erdachte neben anderen "Mord mit Aussicht"-Folgen auch "Tod eines Roadies", jene legendäre Episode mit der Band Fraktus. Die beiden Kreativen erschufen gemeinsam mit dem gewohnt hochklassigen Ensemble einen kurzweiligen, aber bisweilen etwas überdrehten Hengasch-Abendfüller.

Nachdem die Anfang 2008 gestartete Serie "Mord mit Aussicht" zuerst Schwierigkeiten hatte, beim Publikum anzukommen, entwickelte sich die lakonische Erzählung über Landleben, Langsamkeit und Langeweile immer mehr zum TV-Hit. So musste das Leiden der Sophie Haas, die eigentlich ja möglichst schnell wegwollte, immer wieder verlängert werden. Zwischen Januar 2008 und Dezember 2014 kamen so drei Staffeln "Mord mit Aussicht" zusammen.

Gerne hätten die Programm-Verantwortlichen weitergemacht, doch so langsam sieht es danach aus, dass die Serie wohl nicht fortgeführt wird. Vor allem Hauptdarsteller Bjarne Mädel äußerte sich immer wieder kritisch zu Produktionsbedingungen und fehlender kreativer Weiterentwicklung. Ungewöhnlich kreativ und komisch war die Serie tatsächlich nur in ihrer ersten Staffel.

Im Film "Ein Mord mit Aussicht" spürt man hingegen, dass der Stoff auserzählt sein könnte. So mancher Gag wirkt wiederholt, das Schauspielergesicht dazu situativ recycelt. Ein Beleg dafür, dass man Serien auch bei großem Erfolg – aus kreativen Gründen – dann beenden sollte, wenn es nichts Aufregendes mehr zu sagen gibt. Das gilt auch für eine Serie über Langeweile.


Quelle: teleschau – der Mediendienst