Rafi ist in der vierten Bachelorette-Folge freiwillig nach Hause geflogen. Weil er auf Korfu keinen Kosmetiker gefunden hat, der ihm die Augenbrauen schön machen kann. Und schon hat die Berufsschulfahrt der angehenden Trash-TV-C-Promis vollkommen ihr Konfliktpotenzial eingebüßt.

Und dann ist auch noch Stefan freiwillig nach Hause gefahren, weil ihm aufgefallen ist, dass er gar nicht auf Brünette steht und die Bachelorette ihm nicht zierlich genug ist. Nadine will irgendwie mit ihm auch immer nur ein Gruppendate und niemals ein Einzeldate und irgendwie ist auch alles doof und es ist viel zu warm. Wenig später sitzt Nadine in der Nacht der Rosen auf einer Rattancouch, vor ihr stehen zehn Männer und singen ein Lied von den Backstreet Boys. Und Nadine denkt: "Hätte ich nur mal den Stefan zu einem verdammten Einzeldate eingeladen."

Andererseits zieht sie mit diesen ganzen Gruppendates nur konsequent durch, was sie in Berlin bei Tinder etwas weniger offensichtlich gemacht hat. Der Unterschied ist, dass sich bei der Bachelorette die Männer, die sie sich gleichzeitig so lange warmhält, bis sie das Multitasking nicht mehr schafft, gegenseitig kennenlernen. Frau hat zwischen Arbeit, Studium und Freunden aber schließlich auch nicht so viele freie Abende in der Woche übrig. In welchen Heini, der auf dem Foto gut aussieht und im echten Leben eklatant abbaut, soll sie dann ihren kostbaren Samstagabend investieren? Vielleicht ist RTL ja Vorreiter und bald laden alle Frauen gleich mehrere Männer zu einem Tinder-Date ein, um die Chancen zu erhöhen, dass wenigstens einer dabei ist, der ihren Geschmack trifft.

Filip wird am Ende mit Steffen Hallaschka die Show analysieren

Das sollte man mal testen. Vielleicht ist es die Lösung für unsere bindungsscheue Generation. Kandidat Filip wird das am Ende der Staffel mit einem finster dreinblickenden Steffen Hallaschka bei Stern TV ausdiskutieren. Filip ist nämlich in Wirklichkeit Oliver Pocher, der sich in bestern Günter Wallraff-Manier eine neue Nase aufgesetzt und reingeschmuggelt hat, um zu schauen, wie man sich beim Real Live-Tinder als Kandidat fühlt. Im Moment sehen die Ergebnisse nicht so gut aus, denn in dieser Folge saß er in Hawaii-Shorts und Unterhemd frustriert auf dem Sofa und hat Bier aus einer Kaffeetasse getrunken.

Die Bachelorette nimmt nämlich immer nur die Großen, Dunkelblonden mit zum Date, diesmal Daniel und Chris. Daniel hat in seinem kurzen Leben schon echt viel erlebt und war zum Beispiel schon einmal in Australien und hat sich dort selbst gefunden. Chris war schon einmal auf einem Britney Spears-Konzert. Dafür hat er "La vida loca" auf seine Brust tätowiert. Das bringt dem verrückten Kerl direkt ein Einzeldate mit der Bachelorette ein, bei dem er tiefsinnige Lebensweisheiten mit ihr austauschen kann: "Ich freu mich auch über Kleinigkeiten."

Chris sagt der Bachelorette, dass er gerne nackt am Strand heiraten würde. Ob das wohl ein Freudscher Versprecher war? Für so viel Intimität bekommt er von der Bachelorette direkt eine Rose. Die anderen müssen zum nächsten Gruppendate antanzen. Diesmal geht es in eine Brauerei, so langsam gehen den Regisseuren auf Korfu die Ideen aus. Eigentlich ist das hier ein Gruppenbesäufnis vor laufenden Kameras, nur diesmal variieren sie, und es gibt weniger rosa Sekt und mehr Bier.

Maxim darf sich mit der Go Pro aus allen Winkeln filmen

Später trifft sich die Bachelorette mit dem Model Maxim und versucht, ihn dazu zu bringen, mal nicht so zu gucken, als würde er gleich fotografiert werden. Die beiden setzen sich zum Picknicken ins Gras und dann sagt Nadine: "Oh, warum liegt hier ein Paragliding-Schirm?" Model Maxim darf mit einem wildfremden Mann vom Berg herunter-paragliden. Damit er sich wohler fühlt, bekommt er eine Go Pro mit Selfie-Stick in die Hand gedrückt, und darf sich selbst beim Abflug aus allen Winkeln filmen.

Wenig später entspinnt sich im Pool zwischen Maxim und Nadine die süßeste Szene der ganzen Staffel. Er kommt ihr am Poolrand langsam näher, und flüstert ihr sanft ins Ohr: "Willst du mich küssen?" Und sie so: "Neeee."

Manche von den Kandidaten haben noch nie vor der Kamera den Mund aufgemacht, und dann tun sie es auf einmal doch und man erschrickt, was da heraus kommt. Kevin zum Beispiel: "Ich bin ein Ferrari." Hat ihm nicht geholfen, er wurde als einziger an diesem Abend, der nicht freiwillig geflüchtet ist, gnadenlos aussortiert. Nächstes Mal gibt es allerdings am Ende der Folge einen Plot Twist: Die Bachelorette wird mal nicht mit einem mulmigen Gefühl in die Nacht der Rosen gehen. Außerdem sollte sie am Ende Stefan zurückholen. Oder Stefan sollte seine eigene Bachelor-Show bekommen, bei der nur Kandidatinnen mitmachen, die einen richtigen Beruf haben, wie zum Beispiel Steuerberaterinnen oder kleine, zierliche blonde Beamtinnen.