Filme über den seit 2011 währenden Syrienkrieg hat es immer wieder gegeben. Und natürlich waren da Dokumentationen immer informativer und damit "wertvoller" als die Fiktionen. Ausnahmen bestätigen diese Regel, besonders dann, wenn sie sich um das Innenleben der Protagonisten drehten, wie etwa das deutsche Salafistendrama "Brüder" mit Edin Hasanovic (2017), das mit dem Deutschen Fernsehpreis ausgezeichnet wurde. Wie dort geht es auch in dem etwas waghalsigen Kriegsmelodram "Für meine Tochter" um die Rettung einer Familie in Syrien. Ein Vater (Dietmar Bär) erhält in Deutschland aus heiterem Himmel die Nachricht, dass der Reisepass seiner Tochter (Anna Herrmann) an der syrischen Grenze gefunden worden sei. Hals über Kopf macht sich Benno Winkler auf die gefährliche Suche nach seiner Tochter.

Um es gleich zu sagen: Wäre da nicht Dietmar Bär, sonst meist "Tatort"-Kommissar in Diensten der Kripo Köln, der in diesem ZDF-Film 90 Minuten lang Empathie erzeugt, man würde wahrscheinlich den Kopf schütteln müssen über die Chuzpe, mit der die Autoren Sarah Schnier und Michael Helfrich von Flucht und Elend erzählen. Es wirkt, als müsste nun auch der Letzte noch vom Krieg in Syrien erfahren und von der Hilfsbedürftigkeit der vor dem Krieg Geflüchteten.

Ein Film also für diejenigen, die womöglich nur noch an die Schließung von nahen wie fernen Grenzen denken und an die Not wohlgemerkt der Opfer so gar nicht glauben mögen. Aus heiterem Himmel erfährt denn auch der Apotheker Benno Winkler, der schwer am Tod seiner vor kurzem verstorbenen Ehefrau trägt und sich deshalb schon längere Zeit nicht mehr um die in Berlin studierende Tochter gekümmert hat, dass der Reisepass seiner Tochter bei einer erschossenenen Frau an der syrischen Grenze gefunden worden sei. Die Tochter selbst ist offenbar verschollen.

Eilige Recherchen in Berlin setzen Benno auf die Fährte eines im Hungerstreik befindlichen Syrers, der Vater und Sohn im Bombenhagel verloren hat und nach der Flucht die Überlebenden der Familie nach Deutschland holen wollte. Emma, Bennos Tochter, hatte der Familie des Syrers helfen wollen, der Fluchtversuch war aber offenbar gescheitert. Später wird Benno Emmas Vertrauten Max (Merlin Rose) traumatisiert in einem Lager an der syrischen Grenze finden, als Opfer eines IS-Übergriffs.

Immer wieder gibt es hilfreiche Hinweise auf Emmas Verbleib – im Krimi würde man sagen, Kommissar Zufall habe mitgespielt. Die Konstruktion der Story knirscht jedenfalls mitunter stark im Wüstensand. Dietmar Bär lässt das alles aber als verzweifelter Vater fast vergessen: Graubärtig und mit blind gewordener Brille liefert er sich zunächst freundlichen Helfern, später aber geldgierigen Schergen aus. Der Deutsche ist jetzt Opfer, ein Flüchtling im fremden Land, der gar noch die deutsche Telefon-Vorwahl vergessen hat. Ausgeraubt und frierend bleibt er liegen im Wüstensand, umgleißt vom fahlen Licht des Kameramanns Moritz Schultheiß. Starke, eindringliche Bilder, die für das allzu Wohlfeile der Gesamtstory entschädigen.

Emma wird nämlich, nachdem der Vater fast von einem Islamisten hingerichtet wurde, auf wundersame Weise aufgefunden. Max, ihr Freund, aber hat das gefährliche Abenteuer dann zuletzt doch nicht überlebt. Ein dramaturgisch recht holpriger Versuch, aus dem syrischen Geschehen einigermaßen familienfreundlich herauszukommen. Insgesamt könnte man den Versuch, noch einmal in gemäßigter fiktiver Form auf die Schrecken des unbegreiflichen Gemetzels in Syrien aufmerksam zu machen, als blauäugig verwerfen. Ein Rest von Achtung bleibt dann für das gewagte Vater-Tochter-Melodram aber doch.


Quelle: teleschau – der Mediendienst