Man könnte sich fragen, warum der Originaltitel des Katastrophenfilms "Into the Storm" fürs deutsche Kino in das ebenso englische "Storm Hunters" abgeändert wurde. Immerhin wäre das eine geeignete Beschäftigung, um die ersten paar einfallslosen Minuten dieses Films zu überbrücken. Doch dann sollte man sich lieber auf das Geschehen in diesem Streifen konzentrieren, denn der Katastrophenfilm (2014), der im ZDF erneut ausgestrahlt wird, ist dann doch viel packender als es der Titel und der fade Einstieg vermuten lassen.

Die Ausgangssituation ist eine typische für Found-Footage-Filme à la "The Blair Witch Project", "REC" oder "Cloverfield": Teenager Donnie (Max Deacon) ist Chef der Videogruppe an seiner High School und will mit seinem Bruder Trey (Nathan Kress) in einem Film die anstehende Abschlussfeier dokumentieren, die ihr alleinerziehender Vater Gary ("Der Hobbit"-Zwergenkönig Richard Armitage) als stellvertretender Rektor zufällig leitet. Zur selben Zeit ist das mit professionellem Equipment und einem retrofuturistischen Panzerwagen ausgestattete, bisher erfolglose Filmteam um Dokumentarfilmer Pete (Matt Walsh) und Meteorologin Allison ("Walking Dead"-Star Sarah Wayne Callies) auf der Suche nach filmenswerten Tornados.

Es zieht ein gewaltiges Unwetter auf, das im Laufe des Films absurde Ausmaße annehmen wird. Von den Protagonisten wird alles säuberlich dokumentiert – die Kamera bleibt auch in der Hand, wenn es so richtig ans Eingemachte geht. Während die erste Tornado-Welle die Graduation-Feier samt Schule und Rektor hinwegfegt, steckt Donnie mit seiner Flamme in einer zusammengestürzten Mühle fest und dreht mal eben noch ein herziges Abschiedsvideo.

Glücklicherweise sind Papa und Bruder längst auf dem Weg, die beiden zu retten. Zwischendurch weichen sie umherfliegenden Häusern aus, verlieren ihren Jeep und schließen sich mit den Dokumentarfilmern zusammen.

Eigentlich hat "Storm Hunters" alles was ein wirklich einschläfernder Hollywoodfilm braucht: sinnlose oberflächliche Diskussionen um Schuld und Fehler; Frauenrollen, die entweder mit Rettungsbedürftigkeit oder Helfersyndrom verknüpft sind; lahme vorhersehbare Collegestorys und übertrieben pathetische Musikuntermalung.

Über den überflüssigen Emo-Talk und die inkonsequente Found-Footage-Handlung zwischen der Desaster-Action kann man jedoch beruhigt hinwegsehen. Denn "Storm Hunters" ist perfekte Katastrophen-Unterhaltung mit beeindruckenden Effekten: Da reißt es alles gewaltvoll und grandios animiert in die Lüfte, da wirbeln Menschen, Autos und Flugzeuge um die Wette, da schlägt vom Baum und Strommast bis zur Autobahnbrücke alles wuchtig und möglichst knapp irgendwo ein – es ist ein einziges Vergnügen. Der Spaß, den man naturgemäß an Zerstörung und Desaster hat, wird hier vollends ausgelebt, Naturgewalten fetzen eben. Vor allem, wenn sie technisch so bravourös umgesetzt sind wie in "Storm Hunters".


Quelle: teleschau – der Mediendienst