1974: Deutschland gegen Holland. Der deutsche Fußballer Bernd Hölzenbein stürzt, Paul Breitner verwandelt den Foulelfmeter. Seit damals kennen die Niederländer das Wort "Schwalbe" nur zu gut. Die Oranjes verloren, Deutschland wurde Weltmeister. Ein Trauma, das im Nachbarland tief sitzt, wenn man dem nun wiederholten Freitagsfilm "Verliebt in Amsterdam" (2017) Glauben schenken mag. Doch nach ein paar Tassen Kaffee und guten Gesprächen können unüberwindbare Gräben bezwungen werden. Oder doch nicht?

Die Holländer – vor allem die der älteren Generation – haben mit den Deutschen noch eine Rechnung offen. Doch was macht man, wenn sich die geliebte Tochter ausgerechnet in einen pingeligen Deutschen verliebt? Das fragt sich Johan de Jong (Reinout Bussemaker). Die Lösung: Sie warnen! Auf das Länderspiel von damals verweisen. Betonen, dass Deutsche Fehler niemals zugeben. Doch manchmal hilft alles nichts, das muss auch bald Johan feststellen.

Johans Tochter Sophie (Bracha van Doesburgh) hat nämlich ihren eigenen Kopf, und ein Länderspiel von vor über 40 Jahren ist ihr herzlich egal. Das hat schließlich nichts mit ihrem Max (Vladimir Burlakov) zu tun. Die beiden haben sich zwar erst vor ein paar Tagen kennengelernt, doch bald ist ihnen klar: Das ist sie, die große Liebe, von der alle immer reden. Ganz so einfach ist es dann aber doch nicht. Denn nicht nur Sophies Vater hat ein komisches Verhältnis zu Deutschen. Auch Max' Vater Herbert Baumann (Hans-Joachim Heist, bekannt als "Gernot Hassknecht" aus der ZDF-"heute-show") hat so seine Probleme mit den Holländern, die andauernd durch die Gegend radeln und ihm vor seinen schönen Mercedes fahren.

Eigentlich haben sich Max' Vater und seine Mutter Dorothea Baumann (Rita Russek) ihren Besuch bei ihrem Sohn anlässlich seines bevorstehenden 30. Geburtstags anders vorgestellt. Denn Max ist etwas überstürzt aus dem heimischen Kassel geflohen, genauer gesagt, er hat seine Verlobte vor dem Traualtar stehen lassen. Laut seinen Eltern ein großer Fehler, und sie wollen ihn überreden, doch endlich wieder mit nach Hause zu kommen. Der denkt gar nicht daran, erst recht nicht, seit er Sophie hat. Doch auch Max und Sophie merken, dass sie in manchen Sachen sehr unterschiedlich sind ...

"Die unordentlichste Frau Hollands und der Deutsche mit dem Handstaubsauger", witzelt Sophies Schwester. Ja, das beschreibt die beiden Hauptfiguren schon recht treffend. Denn, auch wenn Max ausbrechen möchte – so ganz kann er nicht aus seiner Haut. Das Schöne an diesem Film ist, man kauft das Vladimir Burlakov tatsächlich ab. Als er Sophie kennenlernt und sie in einer Bar anspricht, spiegelt sich alles in seinem Gesicht wider, was man aus dem echten Leben kennt: die Unsicherheit beim ersten Gespräch, der Drang etwas Lustiges zu sagen, die Enttäuschung, wenn das so gar nicht klappt, die Nervosität beim ersten Kuss.

Burlakov und van Doesburgh geben das deutsch-niederländische Pärchen wirklich zum Verlieben. Ihre Schauspielleistung täuscht über so manche Drehbuchschwäche hinweg. Am Ende hat man dank ihnen das Gefühl, dass tatsächlich alles möglich ist, wenn die Leute nur etwas über ihren Schatten springen. Vielleicht sogar, dass die Niederländer den Deutschen irgendwann die Schwalbe Hölzenbeins 1974 vergeben.


Quelle: teleschau – der Mediendienst