"Brokeback Mountain" (2005) ist eine Gratwanderung: Der Cowboy, das uramerikanische Wesen, wird entweiht. Der harte Viehtreiber verliebt sich in seinen Mitstreiter. Eine tieftraurige, zum Scheitern verurteilte Geschichte, die ARTE nun zur sonntäglichen Primetime wiederholt.

"Brokeback Mountain" war der dramatischste Film 2005, sicher auch der mutigste, weil er Grenzen überschritt. Achtmal war "Brokeback Mountain" für den Oscar nominiert, drei Auszeichnungen (für Regie, Drehbuch und Musik) wurden es am Ende. Heath Ledger wurde durch den Film weltberühmt, konnte den Erfolg aber nur kurz auskosten: Er starb 2008 an einer Medikamentenüberdosis. Cowboy-Kollege Jake Gyllenhaal sitzt heute hingegen fest im Sattel des Mainstream-Kinos.

13 Jahre ist es her, da waren diese beiden überaus begabten Jungschauspieler auf außergewöhnliche Weise auf der Leinwand vereint: Der junge Farmer Ennis del Mar (Ledger) und Rodeoreiter Jack Twist (Gyllenhaal) bewerben sich um einen Saisonjob, und ohne viel Worte werden sie zum Team.

Ennis bedeutet Insel, und eine bessere Charakterisierung gibt es für den Mann nicht, der da oben auf dem Brokeback Mountain den Sommer über Schafe hütet, um weiter an seiner Autarkie zu arbeiten. Er möchte eine Ranch kaufen und heiraten. Für eine solche Menge an Information über sich benötigt Ennis Tage. Dennoch herrscht in den Bergen keine eisige Stille, sondern ein trockener Humor, abgeklärt, aber Vertrauen fördernd. So wird das Eis gebrochen, dann das Herz.

Ein sensibles Meisterwerk

Für einen Schwulen-Film ist "Brokeback Mountain" zu universell. Ang Lee huldigt der Liebe, wenngleich er auch keinen Ausweg findet. 20 Jahre lang treffen sich die beiden Männer heimlich auf diesem Berg und leben unten in der Stadt ihr "anständiges" Leben. Weil den Film auch der Schmerz anderer Leute – schließlich lebt keiner von beiden isoliert – interessiert, bleibt er unkitschig.

Lee schuf ein sensibles Meisterwerk, in dem Heath Ledger Aggression in besonderer Weise spürbar macht. Er richtet sie vorwiegend gegen sich selbst, auf verstörende, berührende Weise, während der scheinbar naivere Jack Twist der sanfte Rebell ist, mutiger, jederzeit bereit, sich vom Rücken der Gesellschaft abwerfen zu lassen und sich das Genick zu brechen.

Warum das alles so groß ist? Weil man keinen Einwand anbringen kann, wie doch alles hätte anders ausgehen können. Den Satz von Ennis für die Ewigkeit vergisst man nie mehr: "Wenn du es nicht ändern kannst, musst du es aushalten."


Quelle: teleschau – der Mediendienst