Liv Tyler wird in "The Ledge – Am Abgrund" von einem überzeugten Atheisten und einem christlichen Fundamentalisten umgarnt. Der Zuschauer braucht einen langen Atem, bevor das Finale für einiges entschädigt.

"Am Abgrund", wie Roger Chapmans Drama "The Ledge" (2011) im Titelzusatz heißt, steht zunächst der junge Hotelmanager und angebliche Lebemann Gavin Nichols (Charlie Hunnam, "Sons of Anarchy"). Punkt zwölf Uhr mittags will er sich vom Dach eines Hochhauses in die Tiefe stürzen. Dem eiligst herbeigeeilten Polizisten Hollis Lucetti (Terrence Howard) bleibt nur eine Stunde, um dies zu verhindern. Im Gespräch der beiden kommt heraus, dass Nichols sich gerade erst auf eine Liebesaffäre mit der Nachbarin Shana (Liv Tyler) eingelassen hatte.

Dass der gehörnte Ehemann Joe (Patrick Wilson) dies nicht einfach kampflos hinnehmen würde, ist nachvollziehbar. Wenn in anderen Filmen bei vergleichbarer Dreier-Konstellation wohl einiges Blut bei fiesen gegenseitigen Gemeinheiten fließen würde, rückt in Chapmans Drama der Diskurs in den Mittelpunkt.

Der Regisseur und Drehbuchautor konstruierte in Nichols und Joe zwei Charaktere, die unterschiedlicher kaum sein können. Der eine, Nichols, ist überzeugter Atheist, der andere, Joe, ein christlicher Fundamentalist. Ihr Streit um dieselbe Frau wird bei Chapman zu einem langatmigen Duell unterschiedlicher, sich gegenüberstehender Ansichten. Erst als dieses Glaubensduell endgültig einzuschläfern droht, zieht Chapman die Zügel an. Sein Finale auf dem Hausdach hätte durchaus schneller kommen dürfen. Zumal es im Ersten erst weit nach Mitternacht zu sehen ist.


Quelle: teleschau – der Mediendienst