Animationsfilm bei SAT.1

"Peter Hase": supermodern, lustig und gar nicht zimperlich

von Jasmin Herzog

Eine renitente Hasenbande liefert sich einen Kleinkrieg mit einem Gartenbesitzer. "Peter Hase" ist zauberhaft animierte, moderner Familienfilm mit viel schwarzem Humor.

SAT.1
Peter Hase
Familie • 27.06.2020 • 20:15 Uhr

Mit Humor in Familienfilmen ist es so eine Sache. Will Glucks ("Annie") streckenweise ziemlich schwarzhumoriger Animationsfilm "Peter Hase" (2018) bekam das bereits im Vorfeld seines Kinostarts zu spüren: Der Allergie-Verband rief dazu auf, den Streifen zu boykottieren, setzen die renitenten Hasen doch tatsächlich gegen einen nicht minder zimperlichen Gartenbesitzer Brombeeren als Waffe ein, auf die er allergisch reagiert. Der Film, der nun als Free-TV-Premiere auf SAT.1 zu sehen ist, ist also eher für Familien mit älteren Kindern geeignet, zumal es keine eindeutigen Schurken und Helden, sondern nur ambivalente Charaktere gibt.

Solchen Familien sei dieses brüllend komische, atemberaubend animierte Filmabenteuer jedoch wärmstens ans Herz gelegt. Auch die erwachsenen Zuschauer werden ihren Spaß an den Kapriolen der unkonventionellen Hasenbande haben, deren zweites Abenteuer, "Peter Hase 2 – Ein Hase macht sich vom Acker", planmäßig am 10. Dezember 2020 in die Kinos kommt.

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Langohr Peter Hase (im Deutschen perfekt synchronisiert von "Stromberg"-Darsteller Christoph Maria Herbst) lebt mit seinen drei Schwestern Mopsi (deutsche Stimme: Jessica Schwarz), Flopsi (deutsche Stimme: Heike Makatsch) und Wuschelpuschel (deutsche Stimme: Anja Kling) sowie seinem molligen Cousin Benjamin im idyllisch in Szene gesetzten, ländlichen England. Doch friedlich geht es dort mitnichten zu: Peter Hase, von der Kinderbuchvorlage sichtlich emanzipiert, führt einen erbitterten Kleinkrieg mit dem alten McGregor (Sam Neill), der Peters Vater einst zu Hasenpastete verarbeitet hat. Der cholerische Besitzer eines schmackhaften Gemüsegartens gibt jedoch schon bald den Löffel ab. Stattdessen taucht sein Großneffe Thomas (grandios: "Star Wars"-General Domhnall Gleeson) aus London auf, der das Anwesen geerbt hat und eigentlich sofort verscherbeln will.

Der kontrollsüchtige Erbe hasst das Landleben und grenzüberschreitende Hasen gleichermaßen und verliebt sich zum Überfluss in die herzensgute Nachbarin und Malerin Bea (Rose Byrne), auf deren Liebe jedoch Peter Hase alleinigen Anspruch erhebt. Sie verguckt sich ebenfalls in den schrägen Städter, und die Funken fliegen spürbar. Dazu muss man sich immer wieder vergegenwärtigen, dass die beiden großartigen Schauspieler beim Dreh außer einander kein Gegenüber hatten, mit dem sie agieren konnten. Im Kampf um Bea schrecken Thomas und Peter, die sowohl ihre guten als auch ihre dunklen Seiten haben, weder vor Elektrozäunen noch vor umfunktionierten Tierfallen, Dynamit oder eben davor zurück, bei dem verhassten Gegner einen Allergieschock auszulösen.

Der Zuschauer kommt in den Genuss von perfekt getimten, einfallsreichen Slapstick-Einlagen, tollen Gags und Action-Sequenzen, die ihm die Nackenhaare zu Berge stehen lassen und gleichzeitig sein Zwerchfell malträtieren. Rappende Spatzen, von Autoscheinwerfern hypnotisierte Hirsche und desillusionierte Hähne sorgen zwischendurch für ein paar ungewöhnliche Atempausen.

Und die Moral von der Geschicht'? Ist gar nicht so einfach zu entschlüsseln, genauso wie es in unserer komplexen Realität nicht immer einfach ist, Gut und Böse auseinander zu halten. Auch dies macht den Animationsfilm zu einem unbedingt sehenswerten und supermodernen Märchen.


Quelle: teleschau – der mediendienst GmbH
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