Film im ZDF

"Requiem für einen Freund": ein komplex erzählter Thriller

von Maximilian Haase

Als Rechtsanwalt Joachim Vernau nimmt Jan Josef Liefers die Recherchen zu einem Immobilienskandal selbst in die Hand – und gerät in große Gefahr.

ZDF
Requiem für einen Freund
Drama • 11.01.2021 • 20:15 Uhr

"Requiem für einen Freund" ist ein besonderer Film. Nicht, weil ein deutscher Thriller im ZDF noch immer ein wenig Seltenheitswert besitzt. Nicht, weil Jan Josef Liefers darin mit der Figur des Anwalts Vernau zum sechsten Mal eine Art Zwilling seiner Münsteraner "Tatort"-Figur Boerne verkörpert. Sondern, weil der Film nach dem gleichnamigen Roman von Elisabeth Herrmann eine der ersten hiesigen Produktionen darstellt, die nach dem ersten Lockdown im Frühjahr unter Corona-Bedingungen entstanden. Bis auf kleinere Anspielungen merkt man das der Produktion nicht an – entstanden ist ein komplex erzählter Kriminalthriller mit politischer Schlagseite, gelungenem Spannungsaufbau und einigen humorvollen Momenten.

Liefers verkörpert abermals den Rechtsanwalt Joachim Vernau, der in Attitüde und Süffisanz durchaus dem Münsteraner Gerichtsmediziner Boerne ähnelt – der Zuschauer findet sich jedenfalls gleich zurecht. Im Gegensatz zum Eigenbrötler Boerne hat Vernau jedoch an vielen Fronten zu kämpfen: Vor Gericht vertritt er seine Mutter Hildegard (Elisabeth Schwarz) und deren als Witz-Sidekick eingebaute Freundin Hüthchen (Carmen-Maja Antoni), die Opfer der Räumungsklage eines Immobilienhais geworden sind. Doch in die Verstrickungen der Berliner Immobilienbranche dringt der als Anwalt der Guten inszenierte Vernau bald noch weiter vor.

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Die Gegenseite verkörpert Reichen-Anwalt Sebastian Marquardt (August Zirner), ein alter Freund von Vernau, der anders als jener aber durchaus auch korrpupte Baulöwen und bestechliche Politiker berät. Dass er dadurch um einiges mehr verdient als sein alter Kumpel, gehört zu den Misständen, die der Thriller unter Regie von Josef Rusnak durchaus sehenswert anprangert. Aber es wird noch schlimmer: Vernau gerät plötzlich in eine unappetitliche Melange aus Betrug, Gier und Mafiamethoden.

Der Schlamassel beginnt damit, dass ein Steuerprüfer Vernau in tiefster Nacht anruft – und von einer brisanten Restaurantrechnung berichtet, die dem Rechtsanwalt zum Verhängnis werden könnte. Damals – vier Jahre zuvor – war Vernau mit ebenjenem Freund Marquardt in einem Edel-Restaurant essen. Was könnte wohl dahinterstecken? Nichts Gutes jedenfalls: Als Vernau in die Kanzlei des Steuerprüfers fährt, findet er letzteren dort tot vor – ermordet mit einer Waffe. Als wäre das nicht genug, verschwindet plötzlich auch noch Marquardt, der Vernau vorher immerhin noch verraten konnte, dass er verschuldet ist und eine Ehekrise samt neuer Geliebter hat.

Vernau nimmt die Dinge selbst in die Hand: Gemeinsam seiner Kollegin Marie-Luise Hoffmann (Stefanie Stappenbeck) recherchiert er – und findet heraus, dass der Steuerprüfer offenbar drauf und dran war, einen großen Immobilien-Korruptionsfall aufzudecken. In diesem Zusammenhang erfährt das inoffizielle Ermittlerduo auch, dass eine Staatsanwältin am Tag des Restaurantbesuchs Suizid beging – und das Marquardts Geliebte und Mitarbeiterin Tatjana Wolgast (Irina Potapenko) irgendwie involviert ist. Und was wäre eine filmische Abhandlung über die Tiefen der Berliner Immobilienbranche ohne clanähnliche Strukturen – selbstverständlich angeführt von "4 Blocks"-Star Kida Khodr Ramadan alias Adil Kalaman.

Vernau gerät in einen Korruptionsskandal voller gefährlicher Typen – und bald auch in Lebensgefahr. Das ist bisweilen etwas chaotisch inszeniert, erhält seinen Charme aber durch viel Humor, der sich besonders in den Seitenhieben auf die Coronakrise zeigt: "Das ist mein Homeoffice. Schwierige Zeiten, aber ich versuch das beste draus zu machen." – "Das versuchen wir alle", heißt es andeutungsvoll an einer Stelle. "Wir nehmen kein Bargeld. Die Dinger sind echte Virenschleudern", an einer anderen. Auch die Inszenierung stimmt – getragen vom Schauplatz Berlin, gewohnt ambivalent dargestellt zwischen abgeranzten Ecken am Kottbusser Tor, vornehmen Edelläden und potenziellem Bauland auf dem Tempelhofer Feld.

"Berlin verändert sich, vielleicht schneller als andere deutsche Städte, und hat schon mehr als einen Skandal hinter sich, von dem man nicht gedacht hätte, dass so was überhaupt möglich ist", so Hautdarsteller Jan Josef Liefers über die Berliner Problematik zwischen Wohnungsnot, Bauspekulanten und korrumpierbarer Politik, die wohl dennoch mehr oder minder auf fast jede deutsche Großstadt zutrifft – und in "Requiem für einen Freund" unerwartet komplex aufgearbeitet wird.

Und der Dreh unter Corona-Bedingungen? Dazu kann Liefers ebenfalls persönlich berichten: "Masken, ständige Tests, täglich zweimal Fiebermessen. Und alle haben ständig gefragt 'Wie bitte??' Weil jeder mit Maske geredet hat, als hätte man keine an, und man das Gesagte durch das Läppchen im Gesicht einfach schlechter versteht und dazu auch den Mund nicht sieht."


Quelle: teleschau – der mediendienst GmbH
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