11.01.2021 Katharina Lorenz

Starke Frau im Gruselhaus

Anwältin Mia Burgstaller (Katharina Lorenz, r.) spricht im Beisein von Thomas Komlatschek (Hary Prinz, M.) mit ihrem Mandanten Jakob Stocking (Robert Finster, l.).
Anwältin Mia Burgstaller (Katharina Lorenz, r.) spricht im Beisein von Thomas Komlatschek (Hary Prinz, M.) mit ihrem Mandanten Jakob Stocking (Robert Finster, l.).  Fotoquelle: ZDF / Patrick Pfeiffer

Eine scheinbar verwunschene alte Villa. Zwei Jungs werden im Inneren Zeugen eines unglaublichen Verbrechens. Der Täter entkommt. Nur kurze Zeit später taucht er am Tatort in Begleitung seiner Anwältin Mia Burgstaller (Katharina Lorenz) wieder auf. Die Juristin allerdings hat eine eigene Rechnung mit dem Anwesen offen, in dessen Garten ihre Tochter vor Kurzem ohne Vorwarnung versucht hatte, sich das Leben zu nehmen.

Im neuesten Teil "Wegspuk“ der Mystery-Serie "Die Toten vom Bodensee" wird es gruselig. Katharina Lorenz verrät uns im Gespräch, warum die Rolle der Anwältin Mia Burgstaller so reizvoll war und warum sie früher auch von Freunden für eine "Tatort"-Kommissarin gehalten wurde.

Frau Lorenz, sind Sie ein Fan von alten Spukgeschichten, die sich um verwunschene Häuser drehen?

So genau habe ich darüber noch gar nicht nachgedacht. Aber ja, als Kind habe ich mich gerne gegruselt. Und später vor allem die Geschichten von Edgar Allen Poe gerne gelesen. Aber die Geschichte muss eben gut sein.

Was hat Ihnen an der Figur der Mia Burgstaller besonders gut gefallen?

Sie ist eine starke Persönlichkeit, eine Anwältin, die mit beiden Beinen im Leben steht, und der plötzlich etwas wegbricht durch das, was mit ihrer Tochter passiert. Ab da folgt sie ihrem Instinkt, gegen alle Vernunft. Vieles in ihren Motiven kann man nicht richtig ergründen, auch wenn ihr Ziel immer sehr klar ist. Das hat mich ungemein gereizt.

Mia Burgstaller macht eine erstaunliche Entwicklung durch. Wie haben Sie es geschafft, dies glaubhaft in der doch recht kurzen Zeitspanne der Handlung umzusetzen?

Naja, einerseits dreht man die Szenen ja nicht chronologisch, sodass ich mich immer wieder neu auf den aktuellen Zustand der Figur einlassen konnte. Dann hängt vieles ja auch von der Regie und den Gesprächen im Vorfeld ab. Zudem war das Buch entscheidend. Ich versuche immer so viel wie möglich im Vorfeld über meine Figur herauszubekommen und mich auf sie einzulassen. Je besser das Drehbuch ist, umso leichter fällt mir das. Und dieses Mal war das Buch besonders gut.

Sie sind ja bekannt für diese besonders akribische Arbeit im Vorfeld. Für Ihre Rolle im Tel-Aviv-Krimi haben Sie sogar an der Abendschule Hebräisch gelernt. Wie viele Semester Jura mussten Sie durchpauken, um Mia Burgstaller zu verkörpern?

(Lacht) Zum Glück musste ich für diese Rolle gar nicht so sehr die berufliche Seite der Anwältin nach vorne kehren. Aber ich war schon ziemlich aufgeregt. Daher überlege ich mir vorher eben schon relativ genau, wie die Figur sich verhält. Manchmal klappt das, manchmal aber auch nicht.

Wie war das Verhältnis zu den beiden Hauptdarstellern Nora Waldstätten und Matthias Koeberlin am Set?

Ich muss sagen, dass ich da ganz herzlich aufgenommen worden bin. Es ist ja oft schwierig, wenn man neu an einen Set kommt und sofort bei der Arbeit mit jedermann vertraut sein soll. Aber die beiden und auch das gesamte Team pflegen einen so familiären und uneitlen Umgang mit den Kollegen, dass das wirklich eine sehr schöne Erfahrung gewesen ist.

Mit dem Mystery-Format "Die Toten vom Bodensee" wird versucht, sich ein wenig vom klassischen deutschen Krimi wegzubewegen. Welche Ansätze wären Ihrer Meinung nach für die Zukunft des deutschen Films bereichernd?

Ich glaube, dass wir oftmals viel zu komplizierte Geschichten erzählen. Ich habe nicht selten das Problem, dass ich ein Drehbuch zigmal lesen muss, um zu verstehen, worauf die Geschichte hinauslaufen soll. Wie muss es da erst dem Zuschauer gehen? Das wäre etwas, was ich auf jeden Fall verändern würde: Wir brauchen einfachere Geschichten, die durch gutes Schauspiel ihre Tiefe erlangen. So wie in den alten Filmen.

Wie zum Beispiel einem Klassiker wie "Es geschah am helllichten Tag", in dem sich Heinz Rühmann und Gerd Fröbe die Bälle zuwerfen und den Zuschauer durch die Geschichte führen.

Und das ist einfach spannend. In der Hinsicht sollte man sich mehr trauen, anstatt zu versuchen, amerikanische Serien zu kopieren. Ein guter Regisseur besetzt zudem auch mal Schauspieler mit Rollen, die nicht unbedingt in ein bestimmtes Muster fallen. Es passiert einem Schauspieler leider sehr schnell, dass er in einer bestimmten Schublade landet.

Etwas, das Ihnen wohl nicht passieren wird, da Ihre berufliche Biographie von einer großen Vielfalt geprägt ist. Zurzeit sind Sie am Burgtheater Wien tätig. Wie nehmen Sie den Unterschied zwischen der intensiven Darbietung am Theater und der doch mit viel Warten und Geduld verbundenen Arbeit vor der Kamera wahr?

Ich kann nur für mich sprechen, aber ich bin bei Dreharbeiten auch in den Pausen unglaublich konzentriert und gehe völlig in meiner Rolle auf. Am Theater hingegen hat man ja meist acht Wochen, in denen die Proben stattfinden und man zwischendurch auch mal ein wenig abschaltet. Dann allerdings kommt die Premiere mit Publikum, die einen nochmal in einen gewissen Rausch versetzt, in dem man sich völlig verlieren kann. Das ist dann von der Intensität her wieder etwas Eigenes. Aber beides hat seinen Reiz. Manchmal hat man in Filmszenen klare Regieangaben, bis wohin man gehen kann oder wie genau man welches Detail umsetzen muss, sodass man sich dabei nicht so verlieren kann wie beim Theaterspielen. Dennoch gibt es in beiden Genres Möglichkeiten, einzutauchen. Und das ist wichtig.

Vieles hängt wie erwähnt auch an der Wahrnehmung des Regisseurs. Für den "Wegspuk" haben sie mit Michael Schneider zusammengearbeitet, der vor allem im Action-Genre beheimatet ist. Wie geht er auf die charakterlichen Details einer Figur ein?

Ich kannte Michael Schneider zuvor nicht und wusste eben auch nur, dass er "Alarm für Cobra 11" und solche Action-Sendungen gemacht hat. Daher hatte ich mich im Vorfeld gefragt, ob ich da vieles selbst machen muss. Aber in der Hinsicht wurde ich sehr positiv überrascht. Michael Schneider ist ein ganz toller Regisseur, der ein sehr feines Gespür für die kleinsten Details und Zwischentöne hat. Wir haben während der Dreharbeiten sehr viel gesprochen. Er hatte tolle Ideen und mich richtig begeistert. Wir werden auf jeden Fall noch ein weiteres Projekt gemeinsam umsetzen.

Das wohl kein "Tatort" werden wird, denn in dieser Hinsicht sind Sie natürlich "vorbelastet". Und damit ist nicht Ihre Rolle im "Ballauf & Schenk"-Tatort "Familienbande" gemeint. Wie oft werden Sie eigentlich noch mit der gleichnamigen "Tatort"-Kommissarin aus dem Hamburger Ermittlerteam verwechselt?

Am Anfang dachte ich: Das kann ja wohl nicht wahr sein. Warum musste man sich ausgerechnet diesen Namen ausdenken? Mir haben damals viele Freunde und Bekannte gratuliert, weil sie tatsächlich annahmen, das sei ich. Aber mittlerweile hat das gottlob wieder nachgelassen. Ich fand das schon eigenartig, habe das aber schon mit Humor genommen.

Den sollten Sie als gebürtige Rheinländerin auch besitzen.

Ja, das stimmt. Dass ich mit meiner rheinischen Mentalität vielleicht etwas direkter und positiver herüberkomme, hilft auch im Job oft weiter. Ich falle in schwierigen Situationen nicht so schnell in ein tiefes Loch.

Sie sind die Enkelin des großen Leverkusener Künstlers Kurt Lorenz. Was hat er Ihnen mit auf den Weg gegeben?

Viel Humor auf jeden Fall. Ich habe ihn ja noch richtig gut kennengelernt, weil ich als Kind viel Zeit mit ihm verbringen konnte und einiges dabei gelernt habe. Ich erinnere mich, wie er mich als Kind portraitiert hat. Ich musste ihm immer die Farben bringen – Kobaltblau, Rubinrot und so weiter. Daneben haben wir unglaublich viel Quatsch gemacht. Er hat meine Großmutter immer mit neuen Streichen veräppelt. Gleichzeitig konnte er aber auch sehr ernst und manchmal cholerisch sein. Aber er war eben immer eine große Persönlichkeit. Jemand, der Theater gespielt, Karikaturen gezeichnet, Karnevalswagen entworfen und noch sehr viel mehr unglaubliche Dinge getan hat.

TV-TIPP

  • "Die Toten vom Bodensee: Wegspuk"
  • Montag, 18. Januar, 20.15 Uhr
  • ZDF
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