In der sechsteiligen britischen Krimiserie "River", die nun bei ARTE in Erstausstrahlung läuft, sieht der sehr seltsam anmutende Londoner Ermittler DI John River (Stellan Skarsgård) Geister. Und das im wahrsten Sinne des Wortes. Dem Sonderling erscheinen die Toten seiner zahlreichen Mordfälle. Die meisten von ihnen konnte er aufklären, seine Erfolgsquote liegt bei 80 Prozent. Die langjährige Polizeiarbeit mit all ihrem Grauen zerstört aber auch das Seelenleben des melancholischen Mannes. Während der Arbeit darf River keinesfalls wegen möglicher psychischen Krankheiten auffallen. Das fällt ihm umso schwerer, da erst kürzlich seine kongeniale Partnerin Jackie "Stevie" Stevenson (Nicola Walker) erschossen wurde.

Der alternde Inspektor John River und seine jüngere Kollegin "Stevie" wirken zunächst wie so viele Ermittlerpaare, die dem Zuschauer in Krimiserien gerne präsentiert werden: so total unterschiedlich und doch aufeinander eingespielt. River gibt den altmodischen Zweifler. Die vielen Morde, bei denen er das schlimmste Grauen gesehen hat, haben ihn mürbe gemacht. "Stevie" hingegen schmettert bei einer gemeinsamen Autofahrt durch das nächtliche London einen Hit, der gerade im Radio läuft: Tina Charles' Klassiker "I Love To Love".

Dass die sechsteilige britische Mini-Serie aus der Feder von Abi Morgan (unter anderem "Die Eiserne Lady", "The Hour", "Suffragette – Taten statt Worte") jedoch nicht einfach nur eine nächste Verbrecherjagd ist, wird schnell klar. Bei einer Verfolgungsjagd Rivers verunglückt der vermeintliche Kriminelle tödlich. Der Inspektor erhält wegen seines eigenständigen Einsatzes einen mächtigen Rüffel von seiner Vorgesetzten. "Was weiß denn die schon?", witzelt "Stevie" noch. Als sie neben River das Polizeipräsidium verlässt, klafft in ihrem Hinterkopf ein riesengroßes Loch. Rivers Partnerin ist längst tot. "I Love To Love" hatte sie zuvor niemals gesungen.

Leiden im Jenseits und Freuden im Leben

Der düster-melancholischen Reihe gelingt fortan ein klug durchdachter Spagat zwischen einem Leiden im Jenseits und möglichen Freuden im Leben. In der Person des John River, der vermeintlich mit den Toten sprechen kann, auch wenn er weiß, dass seine "Einbildungen" wohl doch nur sein zerrissenes Seelenleben widerspiegeln, erscheinen die Vorzeichen jedoch genau umgekehrt. Die starke schauspielerische Leistung Skarsgård stellt einen Mann dar, der eher im Leben seine Pein findet. Nur wenn ihm mal wieder seine Partnerin erscheint, wirkt er gelöst. Manchmal lächelt er dann sogar bei einem Dialog mit "Stevie". Und die Kollegen bei der Polizei wundern sich darüber, warum River sich erneut mal wieder seltsam verhält.

ARTE zeigt die BBC-Miniserie zunächst in drei aufeinanderfolgenden Episoden am Donnerstag, 1. Februar, die weiteren drei folgen am Donnerstag, 8. Februar, 20.15 Uhr.


Quelle: teleschau – der Mediendienst