Am Anfang steht ein Attentat auf einen Politiker! Ivica Strugar (Dominic Raacke), der mit fremdenfeindlichen Sprüchen und markigem Auftreten Bürgermeister von Split werden will, hat in Notwehr einen Angreifer erschossen, ein zweiter konnte entkommen. Auf den ersten Blick ist der Angriff auf den Politiker ein Werk der Drogenmafia, die der Rechtspopulist bekämpfen will. Kommissarin Branka Maric (Neda Rahmanian) findet jedoch eine andere Spur, die dem überdrehten Politiker weniger zupasskommen dürfte. Strugar hatte in alter sozialistischer Zeit eine Funktion, die ihm bis heute traumatisierte Feinde beschert. "Der Kroatien-Krimi: Messer am Hals" arbeitet wie Folge drei aus der Vorwoche mit politischen "Backstories", die zu den Wunden des alten Jugoslawien zurückführen.

Europa erlebt eine Rechtspopulistenschwemme – und das deutsche Fernsehen zieht mit. Nach Wotan Wilke Möhrings "Tatort: Dunkle Zeit", der Mitte Dezember ausgestrahlt wurde und in dem Anja Kling eine umstrittene Volksverführerin gab, spielt Dominic Raacke vor kroatischer Mittelmeerkulisse diesmal ein etwas gröberes Modell.

Mit einer Mischung aus Macho-Verwegenheit, Größenwahn und Presse-Geilheit ist die Raackes Figur der eigentliche Hauptdarsteller dieser Episode. Dass die eher leicht konsumierbar gedachte Krimireihe mit politischen Motiven und der Historie seines Handlungsortes spielt, ist im Prinzip zu loben. Der Krimi des Til Schweiger-"Tatort"-Autors Christoph Darnstädt und Michael Kreindl (Regie, "Lena Lorenz") erzählt seine Geschichte allerdings ein wenig hölzern und sehr dialoglastig.

Authentizität weiterhin fragwürdig

Auch die Tatsache, dass am ARD-Donnerstag deutsche Schauspieler mit nicht unbedingt zeitgemäßer Penetranz ausländische Ermittler geben, ist im Sinne der Authentizität weiterhin fragwürdig. So bleibt der "Kroatien-Krimi", der bisher sehr gut eingeschaltet war, ein solides Krimiprodukt für den deutschen Fernseh-Mainstream, das ein eher konservatives Krimipublikum und Freunde der dalmatinischen Küste begeistern wird.


Quelle: teleschau – der Mediendienst