Pünktlich zum deutschen Kinostart des Spielfilms "Bombshell – Das Ende des Schweigens" über den Fox-News-Missbrauchsfall erklärt eine packende ZDF-Doku die Hintergründe zum ehemaligen Sender-Chef Roger Ailes.

Roger Ailes war einer der einflussreichsten Männer der US-amerikanischen Medienwelt. Er war nicht nur der langjährige Chef des Nachrichtensenders Fox News, er half als Medienberater auch mehreren republikanischen US-Präsidenten in ihrem Wahlkampf. Ohne Zweifel hat er es weit gebracht, ist am Ende allerdings ebenso tief gefallen: Im Jahr 2016 beschuldigte ihn die Moderatorin Gretchen Carlson der sexuellen Diskriminierung. Und obwohl Ailes alles dagegen tat, wurde der damals 76-Jährige am Ende von Fox News gefeuert. Doch wie hatte es der Sohn eines Fabrikaufsehers überhaupt so weit gebracht? Mit welchen Strategien hat er sich seinen Erfolg erkämpft? Und welche Ideologien trieben ihn zu seinen Taten an? All das versucht die Dokumentation "Sex, Trump & Fox News – Aufstieg und Fall des Roger Ailes" zu klären. ZDFinfo sendet ihn am Montag, 24. Februar, um 21.45 Uhr erstmals im TV. In der Mediathek ist der Beitrag schon abrufbar.

Die Regisseurin Alexis Bloom begibt sich in der 100-minütigen Sendung auf die Suche nach Antworten. Schritt für Schritt zeichnet sie den Werdegang des Mediengiganten nach. Neben zahlreichen Zeitgenossen kommt auch Roger Ailes persönlich oft zu Wort: Seine teils erschreckend offenen Aussagen werden per Voice-Over von einem Sprecher zitiert: "Ich hatte Angst, aber ich liebte meinen Vater", erfährt der Zuschauer da gleich zu Beginn. Der Fabrikaufseher habe ihn mit einem Gürtel geschlagen und ihm früh beigebracht, niemandem zu vertrauen – nicht einmal ihm selbst, seinem Vater.

Von da an geht es chronologisch weiter: Zahlreiche Archivaufnahmen der TV-Sender, bei denen Ailes beschäftigt waren, skizzieren den rasanten Aufstieg seiner Karriere: Vom Produktionsassistenten und späterem -leiter der "Mike Douglas Show" über den Posten als Medienberater des 37. US-Präsidenten Richard Nixon bis hin zum Chef des Nachrichtensenders Fox News analysieren Journalisten und ehemalige Kollegen jede seiner Schritte und Strategien.

Fox News und Donald Trump

Schnell wird dem Zuschauer klar: Ailes arbeitete vor allem mit Bedrohungen und dem Schüren von Ängsten. "Roger verstand, dass die Leute am Fernseher kleben bleiben, wenn man ihnen Angst macht", erklärt die ehemalige Produzentin von "Ailes Communications", Felycia Sugarman.

Diese "negative Werbung", die Ailes in seinen Wahlkämpfen, nicht zuletzt für den amtierenden US-Präsidenten Donald Trump, benutzte, schockiert Zuschauer, die hiesige Medienberichterstattungen gewohnt sind. Dass er damit am Ende sogar Erfolg hatte, ist umso unbegreiflicher: "Trump passt so gut zu Fox. Wenn es ihn nicht schon geben würde, hätte Roger Ailes ihn erfunden", scherzt Joe Muto, der einst für die Fox-Sendung "The O'Reilly Factor" gearbeitet hatte.

Wie auch Roger Ailes wurde besagter Bill O'Reilly wegen sexueller Belästigung angeklagt. Wie genau diese aussah, schildern zahlreiche weibliche Opfer – teils unter Tränen. So habe es sogar ganze Internetseiten gegeben, auf denen Besucher bestimmte Körperregionen der Fox-Moderatorinnen, wie die nackten Beine unter den immer engen und kurzen Kleidern, begutachten konnten. Gretchen Carlson, die letztendlich für Ailes' Entlassung gesorgt hat, kommt in der Dokumentation zwar nicht Wort, ihr Fall wird aber dennoch im letzten zwanzig Minuten ausführlich behandelt.

Am Ende schafft es der Film so zwar durchaus, ein mehrschichtiges Bild des ehemaligen Fox-Chefs zu zeichnen, sympathisch wirkt er auf den Zuschauer aber dennoch nicht, denn er bleibt als patriotischer, Angst schürender, paranoider und cholerischer Mann im Gedächtnis. Der legendäre Fernsehproduzent, der 20 Jahre lang CEO des konservativen Fernsehsenders Fox News war, verstarb am 18. Mai 2017. Seine Geschichte wurde auch in der Politthriller-Serie "The Loudest Voice" (hierzulande bei Sky) ausführlich thematisiert. Russell Crowe brilliert in der Rolle des umstrittenen Fox-News-Gründers.


Quelle: teleschau – der mediendienst GmbH