Sabine Heinrich ist ein Kind des Ruhrgebiets. Sie blickt in prisma auf eine Zeit mit Smog-Alarm und Otto Rehhagel als Held zurück.

Moderatorin Sabine Heinrich weckt NRW morgens auf WDR 2, moderiert im Fernsehen im Wechsel mit Lisa Ortgies "Frau tv" und erzählt in der Doku-Reihe "Unser Land in den 70ern" die Geschichte des Jahrgangs 1976 ("Das Jahr der Helden – 1976", 22. September um 20.15 Uhr, WDR). In prisma spricht die 40-Jährige über dicke Luft in der Kindheit und ihre Liebe zum Radio.

Normalerweise stellen Sie die Fragen. Wie ist das Gefühl, gleichzeitig Moderatorin zu sein und diejenige, über die in den Medien berichtet wird?

In dem von mir gesteckten Rahmen ist das ganz okay. Ich kann immer noch tun und lassen, was ich will, ohne in den Boulevard-Medien aufzutauchen. Außerdem bin ich nicht bekannter als meine Mutter. Die ist Friseurin – aber die kennen viel mehr.

Moderatorin oder Journalistin?

Es geht vor allem um Inhalte. Mein Handwerk ist ganz klar journalistisch.

Lieber Radio oder TV?

Ich finde beides gut und für mich ist es kein Problem, das Medium zu wechseln. Eben morgens die WDR-2-Frühschicht, abends dann "Frau tv". Das sind ja keine unterschiedlichen Berufe. Nur eine Show zu präsentieren, das können andere besser.

Die Stärke des Hörfunks?

Hörfunk ist unmittelbar, sofort und schnell. Und fast immer live. Hier habe ich eine Nähe zu den Hörern, die ich im Fernsehen nicht bekommen kann.

Bei Ihnen daheim läuft in jedem Raum ein anderer Sender, also zeitgleich ...

Das stimmt. In der Küche läuft WDR 2, im Bad morgens WDR 5, im Wohnzimmer 1Live. Und am Wochenende höre ich mich quer durch die Welt. Da läuft dann Radio aus Norwegen oder "Good Hope" aus Südafrika. Die Sprache verstehe ich nicht. Es geht mir um Stimmungen, die auf diesen Wellen transportiert werden. Sehr inspirierend.

Für die WDR-Doku "Unser Land in den 70ern" sind Sie Sprecherin für das Jahr 1976. Was machte 1976 zum "Jahr der Helden"?

Für mich als Kind des Ruhrgebiets: Otto Rehhagel rettete den BVB in der Relegation gegen Nürnberg. Sehr berührt hat mich die Geschichte von Harro Remmert. Als Jockey hatte er weit über 500 Rennen gewonnen, ehe er im April 1976 auf der Galopprennbahn in Krefeld schwer stürzte und seither querschnittsgelähmt ist. Er machte als Trainer schon ein Jahr später weiter und fügte seinen Siegen als Jockey noch über 1000 Siege als Trainer hinzu.

Sie selbst sind ja eher ein Kind der späten 1980er Jahre. Die größten Unterschiede zu den 1970ern? Was hat, auch musikalisch, überlebt?

Die 70er Jahre waren nicht nur modisch unwahrscheinlich cool. Abba hat musikalisch überlebt. Zeitgemäß produziert wären sie auch heute noch eine große Nummer.

Woran können Sie sich aus Ihrer Kindheit erinnern?

An verdammt viel dicke Luft im Ruhrgebiet. Damals gab es noch Smog-Alarm. Wir durften nicht in die Schule. Natürlich sieht man die Dinge mit 40 etwas verklärt und ich möchte auch niemanden überzeugen: Aber ich empfinde Glück, wenn ich auf einer Halde stehe, habe immer den Drang, die Orte meiner Kindheit im Ruhrgebiet zu beschützen.

Interview: Matthias M. Machan