22.01.2021 Ruhestand mit 60 Jahren

Fußball-Reporterin Sabine Töpperwien hört auf

Sabine Töpperwien an ihrem Arbeitsplatz im Stadion.
Sabine Töpperwien an ihrem Arbeitsplatz im Stadion.  Fotoquelle: WDR/Dirk Borm

In den 80er Jahren wollten ihre Sportchefs, dass sie über rhythmische Sportgymnastik berichtet. Doch Sabine Töpperwien wollte Fußball-Spiele kommentieren. Nun beendet sie ihre Karriere und geht aus gesundheitlichen Gründen in den Ruhestand. Töpperwien hat insgesamt mehr als 700 Fußballspiele kommentiert – knapp 600 davon in der Bundesliga. Ihre Stimme kennen Fußball-Fans vor allem aus dem Radio.

1989 kam Töpperwien zum WDR. Sie kommentierte das erste Live-Spiel einer deutschen Frauenfußball-Nationalmannschaft bei der EURO 1989 im Ersten - eine Premiere im deutschen Fernsehen. Und sie war die erste Frau in Deutschland, die live aus einem Fußballstadion berichtet hat. Heute normal, damals eine Sensation – mit zahlreichen Reaktionen männlicher Hörer. "Aber mein Bruder Rolf hatte mich auf das Experiment im Haifischbecken gut vorbereitet. Jedes Wort werde auf die Goldwaage gelegt, hat er gewarnt", sagt Töpperwien. Ihr Bruder Rolf Töpperwien arbeitete lange als Fußball-Reporter für das ZDF.

Nicht nur Fußball-Fans waren gegenüber Töpperwien besonders kritisch, auch die Profis selbst machten es der Reporterin nicht leicht. "Otto Rehhagel entgegnete mir mal, ich hätte doch noch nie den Schweiß einer Kabine gerochen. Und Christoph Daum riet mir, lieber mal meinen Bruder zu schicken. Frauen hatten es lange Zeit viel, viel schwerer im Reportergeschäft. Es war ein steiniger Weg, das zu ändern", erinnert sich Töpperwien. 

Sabine Töpperwien war über 30 Jahre lang Sport-Reporterin, Leiterin der Sportredaktion im Hörfunk, zuletzt Campuschefin im crossmedialen Sportressort im WDR. Zu ihren beruflichen Highlights gehören Spiele wie das Hin- und Rückspiel im UEFA-Cup-Finale 1997 zwischen Schalke 04 und Inter Mailand sowie das Champions-League-Finale zwischen Borussia Dortmund und Bayern München aus dem Londoner Wembley-Stadion. Beide Spiele kommentierte sie live für den WDR. Neben Fußball berichtete sie über zwölf Olympische Spiele, mit großer Leidenschaft auch über Eiskunstlauf und Tischtennis. 

Dass dieser Weg nun endet, hat gesundheitliche Gründe. "Ich bin nun 60 und habe seit knapp einem Jahr chronische Schmerzen in den Nerven und Sehnen beider Arme. Das ist eine Folge der immer mehr gewordenen Computerarbeit, die mittlerweile 80 Prozent des Tagesgeschäfts ausmacht und nicht mehr von mir zu leisten ist. Mit halbem Dampf arbeiten – das will ich nicht", sagt sie. Töpperwien "sei einfach dankbar, dass ich mein Hobby zum Beruf machen konnte. Und ich bin sehr glücklich, dass ich 31 Jahre meinen Traum beim WDR leben durfte."

WDR-Intendant Tom Buhrow lobte Töpperwien zum Abschied in den höchsten Tönen. "Sabine Töpperwien ist eine Pionierin und eine lebende Legende der deutschen Sportberichterstattung. Ich werde ihre markante Stimme, ihre leidenschaftlichen Fußball-Kommentare und ihre ausgezeichnete Sport-Kompetenz sehr vermissen. Ich wünsche ihr von ganzem Herzen alles Gute."

Dem Fußball bleibt Töpperwien als interessierte Beobachterin natürlich weiterhin erhalten. Im WDR2-Interview mit Sabine Heinrich kündigte sie an, samstags weiterhin die Bundesliga-Konferenz im Radio zu hören. Allerdings, so Töpperwien, werde sie dabei parallel den Fernseher ohne Ton laufen lassen ...

 


Quelle: areh
Das könnte Sie auch interessieren