Krimikomödie in der ARD

"Steirerwut": Von Alpakas und Selbstgebranntem

von Wilfried Geldner

Eine Alpaka-Züchterin findet ihren toten Nachbarn in seinem Schuppen. Es sieht nach Selbstmord aus, doch die Ermittler wissen es bald besser. Gelungene Krimi-Komödie aus Österreich.

ARD
Steirerwut
Krimi • 11.03.2021 • 20:15 Uhr

Lotte, die Alpaka-Züchterin (Brigitte Hobmeier) erschrickt nicht schlecht, als sie auf dem Nebenhof den reichen Bauern Johann Hödlgruber erhängt entdeckt. Was soll das anderes als ein Selbstmord sein, denkt sich der Grazer LKA-Inspektor Sascha Bergmann (Harry Prinz) und sieht einem gemütlichen Ermittlungswochenende entgegen, zumal ihn die Spurensicherin Eva Merz (Eva Herzig) zu einem entspannten Aufenthalt im Wellness-Hotel begleitet. Doch Bergmanns Kollegin Sandra Mohr (Miriam Stein) glaubt nach ersten polizeilichen Ermittlungen eher an ein Gewaltverberchen und reist hinterher.

Im vierten Steirerkrimi, "Steirerwut" aus der erfolgreichen "Landkrimi"-Reihe von ORF und ARD entwickelt sich eine rundum gelungene Kriminalkomödie, die ihren Reiz aus den deftigen Klischees eines Heimatkrimis und den ironischen Dialogen der steirischen Ermittler bezieht.

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Es kommen ja viele infrage, wie das bei einem Dorfkrimi so ist, die schuld sein könnten am Tod des betagteren Hödlgruber-Bauern (Helmut Berger): Er wollte einfach seinen Acker nicht hergeben für den Golfplatz, den der örtliche Hotelier bauen möchte – die Zusage des Bürgermeisters hat der schon in der Tasche. Mit dem Nachbarbauern lag Hödlgruber seit langem im Dauerstreit, Grenzsteine wurden ausgegraben und verschoben. Sein schlimmster Feind aber ist bis weit über den Tod hinaus sein Bruder Ernst geblieben. Ein Wüterich, der dem brüderlichen "Erbschleicher" nicht verzeihen will, dass er ihn einst ums Erbe brachte. Er selbst musste sich mit dem mütterlichen Pflichtteil ("a Ochdl") begnügen.

Wiedersehen im Krankenhaus

Der unverwüstliche Burgschauspieler Branko Samarovski, mittlerweile 81, macht aus diesem Zukurzgekommenen eine Bravournummer aus rücksichtsloser Wut und verletzter Herzlichkeit. Immerhin wird er beim Verhörversuch von der Inspektorin Sandra angeschossen. Aber auch er hat zu seiner Verteidigung die Flinte angelegt. Beide sehen sich daraufhin im Krankenhaus wieder. Ernst, der zuvor noch auf der Bahre gegen die Staatsmacht gewütet hat, bittet Sandra um Verzeihung – allerdings erst, nachdem sie ihn zu einem ordentlichen verbalen Reuebekenntnis gezwungen hat.

Sie habe immer gedacht, nur die Liebe gehe über den Tod hinaus, wird am Ende die Polizistin sagen, die im Übrigen per Laptop vom Bett aus weiterermittelt. Aber es sei wohl die Wut, die noch dauerhafter sei. Wie gut ist es jedoch, dass es in der Steiermark Wirtschaften gibt, in denen sich gut über den "Selbstgebrannten" als österreichisches Unesco-Kulturerbe sinnieren lässt, während im Hintergrund ein Zahnjähriger auf der Quetsche spielt. Gut ist die Wirtschaft aber auch, weil die Nachbarschaftsgeschichten wie nix auf die offenen Ohren der Grazer LKAler treffen.

Der Regisseur Wolfgang Murnberger ("Der Knochenmann", "Komm, süßer Tod"), der zusammen mit Maria Murnberger auch das Drehbuch schrieb, wechselt gekonnt zwischen Lust- und Mordspiel die Szenerie. Die Folklore bleibt außen vor, Liebesbeziehungen werden ganz nebenbei in allen möglichen Varianten durchgespielt. Die "Freundschaft plus" zwischen Bergmann und seiner Spusi-Kollegin Eva erweist sich dabei als so komisch wie dauerhaft. Im Wellness-Hotel gibt's gar eine Schrittbedeckung für die Sauna. Masken für den Unterleib – eine seltsame Ironie aus heutiger Sicht. Der Film wurde bereits im Frühjahr 2019 gedreht.

Schade, dass das eifersüchtige Geplänkel um Liebe und Job zwischen Sascha Bergmann und Sandra Mohr mit der folgenden fünften Folge leider zu Ende geht. Miriam Stein will die Reihe verlassen. Die Begründung klingt so stereotyp wie bei dieser Gelegenheit: "Das Schönste an meinem Beruf ist die Abwechslung", sagt die Schauspielerin, "auf die hab' ich wieder Lust gehabt. Wobei der Idealzustand wäre, neue Rollen mit diesem Team." Die Folgen fünf und sechs sind übrigens bereits im Kasten. Doch es dauert halt immer etwas lang, bis die "Landkrimis" als hoch besetzte Tatort-Varianten aus neun Provinzen, die rot-weiß-rote Grenze überschreiten. Ist vielleicht auch hier Eifersucht im Spiel?


Quelle: teleschau – der mediendienst GmbH
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