"The Pembrokeshire Murders"

True-Crime-Serie ist spannender als jeder "Tatort"

von Andreas Fischer

In einer walisischen Kleinstadt will ein Kommissar einen alten Fall aufklären. Möglichst unspektakulär, aber präzise. Alles beginnt mit einem mikroskopisch kleinen Blutfleck auf einer gestohlenen Hose.

Man weiß, wer es war. Man weiß, wie es ausgeht, und dann spielt "The Pembrokeshire Murders" auch noch die meiste Zeit in einer unscheinbaren Lagerhalle in einer walisischen Kleinstadt. Das soll spannend sein? Und wie! Denn die wirklich fesselnden Krimis, die schreibt das Leben, die kann sich kein Drehbuchautor ausdenken. Sorry, "Tatort".

Mit der vom britischen Sender ITV produzierten True-Crime-Miniserie hat sich MagentaTV ein echtes Juwel geangelt: In drei einstündigen Episoden auf den Punkt inszeniert, entwickelt "The Pembrokeshire Murders" ab 11. März seine Faszination aus der alltäglichen Arbeit, aus dem unermüdliche Suchen nach der Nadel im Heuhaufen – oder in dem Fall, dem mikroskopisch kleinen Blutfleck auf einer gestohlenen Hose.

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Ruhm und Ehre jedenfalls kann Steve Wilkins (Luke Evans, "Der Hobbit", "Fast & Furious") in seiner kleinen Heimatstadt an der walisischen Küste nicht erwarten. Das will der aus London zurückgekehrte Kommissar aber auch gar nicht, sondern einfach nur seinen Job machen – möglichst unspektakulär, aber präzise. Der Mann, das zeigt schon die erste Szene, mag es akkurat.

Weil es gerade nicht allzu viel zu tun gibt, nimmt sich Wilkins eines alten Falles an: ein Doppelmord auf einem Küstenwanderweg knapp 20 Jahre zuvor. Schnell findet er Verbindungen zu weiteren Morden und einem Überfall mit Vergewaltigung. Auch der Tatverdächtige ist bald ausgemacht. Alle Indizien sprechen dafür, dass John Cooper (Keith Allen) der gesuchte Serienmörder und Vergewaltiger ist – nur die Beweise fehlen. Die liegen irgendwo in alten Kartons, die eine Sondereinheit aus der Asservatenkammer birgt und fortan in eingangs erwähnter Lagerhalle durchwühlt.

Wie soll man daraus drei fesselnde TV-Stunden machen? Ganz einfach, indem man der Polizei bei der realen Arbeit zuschaut, indem man die zermürbende Suche nach dem einen Detail, dieses tägliche Ein-Schritt-vor-zwei-Schritte-zurück, mit gebotener Ausführlichkeit beobachtet. Polizeiarbeit, so sagt es Wilkins einmal, besteht zu 99 Prozent daraus, Forensikern zuzuarbeiten – und das tun er und seine Kolleginnen und Kollegen mit Hingabe.

Auch wenn der düstere Dreiteiler einen wahren Fall minutiös schildert, eine rein technische Dokumentation ist "The Pembrokeshire Murders" freilich nicht. Drehbuchautor Nick Stevens und Regisseur Marc Evans nehmen sich Zeit für die Betroffenen: Im Mittepunkt stehen die Opfer, die Cooper zwar überlebt haben, aber bis an ihr Lebensende leiden werden. Und man bekommt eine ziemlich gute Vorstellung davon, was so ein Mensch mit seiner Familie macht – einer Familie, die aus Angst lügt und daran stirbt oder sich aus Abscheu abwendet und der von der Vergangenheit mehr gebrochen wird als der Rücken.


Quelle: teleschau – der mediendienst GmbH
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