Katastrophen, Mord und Totschlag: Oft hat man den Eindruck, dass die deutschen Nachrichten ein ziemlich negatives Bild von der Welt vermitteln – eine Studie hat geprüft, ob das nur die gefühlte oder die tatsächliche Wahrheit ist.

Wer heutzutage die Nachrichten einschaltet, sieht vermeintlich nur Katastrophen, Mord und Totschlag – heißt es jedenfalls immer. Doch scheinbar steckt in der saloppen Aussage mehr als nur ein Fünkchen Wahrheit. Der Medien- und Kommukiationswissenschaftler Prof. Dr. Alfred-Joachim Hermanni und die Studentin Tatjana Schiller von der SRH Fernhochschule haben dies jetzt in Schillers Master-Abschlussarbeit mit Hilfe einer quantitativen Medieninhaltsanalyse sogar belegen können.

Eine Woche lang wurden demnach die Inhalte folgender News-Formate analysiert: "Tagesschau" (ARD), "heute" (ZDF), "RTL Aktuell" sowie "SAT.1 Nachrichten". Die Studentin und ihr Dozent erfassten dabei, inwiefern die Beiträge neutraler, negativer oder positiver Natur waren – auch die Themenkategorien spielte eine Rolle bei der Studie.

Das Ergebnis lautete am Ende wie folgt: "In der analysierten Woche waren 146 Beiträge geprägt von Negativismus, 123 waren neutral gehalten und neun waren positiv", so Schiller. Insbesondere bei gesellschafts- und außenpolitischen Fragen sei eine erhöhte negative Tendenz deutlich erkennbar gewesen. In Sachen Innenpolitik seien die Beiträge jedoch unterm Strich eher neutraler Natur gewesen.

Hermanni erklärt diesen Umstand wie folgt: "Der öffentlich-rechtliche Rundfunk ist zur Ausgewogenheit verpflichtet und diesem Auftrag kommt er insbesondere bei innenpolitischen Themen nach." Nicht unkritisch fügt er hinzu: "Kein Wunder, denn Parteienvertreter sitzen in den Aufsichtsgremien und kontrollieren die Berichterstattung im eigenen Interesse."

Interessant ist zudem die Gewichtung der Beiträge innerhalb der einzelnen Formate: So weise die "Tagesschau" ein Gleichgewicht bei negativen und neutralen Beiträgen auf, bei "heute" und den "SAT.1 Nachrichten" sei der Ausschlag hingegen minimal in Richtung negative Berichterstattung erfolgt. Bei "RTL Aktuell" sei der Anteil an negativen News allerdings signifikant höher als bei den Konkurrenz-Sendungen gewesen (50 negative, 36 neutrale, sechs positive Beiträge). Dies sei laut Schiller auf eine dortige Dominanz der Gesellschaftsthemen zurückzuführen. Insgesamt sei dieser Themenbereich nämlich das Genre, das "bei allen Sendungen eine eindeutig negative Ausprägung" aufweise, wie die Absolventin erklärt.

Der Dozent fasst zusammen, die Studie habe "gezeigt, dass die Berichterstattung in den Fernsehnachrichten zur Prime-Time deutlich negativ geprägt ist". Weil das eine Auswirkung "auf die Wahrnehmung der Zuschauer, auf die eigenen Denkweisen und Lebensansichten sowie auf die Weltgeschehnisse" habe, müsse man sich jedoch die Frage stellen, "warum die Fernsehnachrichten nicht positive Ereignisse in stärkerem Maße abbilden." Schließlich treten diese auch tagtäglich rund um die Welt auf.


Quelle: teleschau – der Mediendienst