08.03.2021 Tanja Wedhorn im Interview

Starke Frau in allen Lebenslagen

von Deniz Karius
Nora Kaminski (Tanja Wedhorn) genießt das Leben auf Rügen
Nora Kaminski (Tanja Wedhorn) genießt das Leben auf Rügen  Fotoquelle: ARD Degeto/Boris Laewen

Seit 2017 steht Tanja Wedhorn als Inselärztin Nora Kaminski in der ARD-Filmreihe "Praxis mit Meerblick" vor der Kamera. Ab dem 19. März zeigt das Erste drei weitere Teile um die starke Frau. prisma sprach mit der 49-jährigen Schauspielerin über ihre Rolle, die aktuelle Situation beim Dreh und ihre Lieblingsszene in den neuen Teilen.

Wie sehen Sie Nora Kaminski?

Nora ist humorvoll, zupackend, klar. Sie ist ausgesprochen autark und will das auch bleiben. Schließlich hat sie, nachdem ihr Mann Peer sie und ihren damals zweijährigen Sohn verlassen hat, viel erlebt und erreicht: Sie hat Medizin studiert und gleichzeitig ihren Sohn Kai großgezogen, sich durchgeboxt, Dinge weggesteckt. Und jetzt findet sie sich in der Situation wieder, ausgerechnet mit dem Mann, der ihr das Herz gebrochen hat, eine Affäre zu haben. Dass sie das nicht offiziell, also auch emotional, in den Status einer Beziehung heben will, ist in Noras Welt nur zu verständlich. Schließlich muss sie befürchten, dass es wieder passiert, dass er sie wieder sitzenlässt – und wie stünde sie dann vor den anderen – vor allem aber vor sich selbst – da?

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Was mögen Sie an Nora?

Ich mag die Figur insgesamt wirklich sehr: Ihr trockener, aber sehr mitmenschlicher Humor ist toll. Nora ist aber auch unverblümt, filtert nicht, was sie sagt, auch wenn sie damit Leute vor den Kopf stößt. Ich selbst traue mich oft nicht, so direkt zu sein – aber das ist ja auch nicht immer gut (lacht). Es ist sehr interessant, sie zu spielen.

Sie spielen eine Ärztin. Woher nehmen Sie das Fachwissen?

Wir haben eine medizinische Fachberatung bei den Dreharbeiten, Sanitäter eben, die zeigen, wie die einzelnen Handgriffe funktionieren, wobei es dabei interessanterweise unterschiedliche Lehrmeinungen gibt. Ich muss mich darauf verlassen, dass man tatsächlich eine Spritze so setzt, wie es mir gezeigt wird, auch wenn es natürlich immer nur eine "Fake-Spritze" ist (lacht).

Als Nora Kaminski fahren Sie viel Fahrrad. Wie halten Sie sich persönlich fit?

Ich liebe Radfahren, auch in Berlin bin ich ständig mit dem Fahrrad unterwegs, eigentlich fast ausschließlich, auch lange Strecken. Mit dem Fahrrad ist Berlin eine tolle Stadt, mit dem Auto nicht. Das nutzen wir nur, wenn es nicht anders geht. Außerdem jogge und schwimme ich sehr gerne.

Wie haben Sie die Dreharbeiten in diesen besonderen Zeiten erlebt?

Die Dreharbeiten zu den ersten beiden Folgen "Herzklopfen" und "Vatertag auf Rügen" konnten erst Mitte Mai starten. Das war eine Zeit großer Unsicherheit. Wir alle mussten uns erst einmal herantasten, wie man mit der Situation umgeht. Etwa bei der Frage, ob man Kuss-Szenen drehen kann. Da musste viel umgeschrieben werden. Aber wir alle waren sehr dankbar dafür, arbeiten zu dürfen und dass ein Umfeld geschaffen wurde, in dem das gefahrlos möglich war. Natürlich war auch das Maskentragen in der ersten Zeit befremdlich, aber bei den Dreharbeiten für den dritten Teil dann im September schon selbstverständlich – es braucht dafür nur ein bisschen Disziplin.

War die Pendelei zwischen Ihrem Wohnort Berlin und dem Dreh auf Rügen nicht sehr anstrengend?

Nun, ich bin nur an den Wochenenden zu meiner Familie gefahren. Natürlich ist das anstrengend, aber das ist es für alle anderen auch. Genauso wie das Thema Homeschooling. Aber das bekommen wir ganz gut hin. Während wir hier sprechen, machen Theo und Joscha Hausaufgaben und mein Mann erledigt nebenan seine Arbeit. Auch wenn es furchtbar ist, was zurzeit passiert, und mein Mann und ich wahnsinnig gerne reisen würden, entschleunigt diese Zeit doch auch und ermöglicht es, sich auf seine Kernfamilie zu konzentrieren.

Mögen Sie Rügen?

Ich bin wahnsinnig gerne dort, die Ostsee ist herrlich, es ist ein Geschenk, dort drehen zu dürfen. Und dabei hat es bei unserem ersten Dreh dort vor fünf Jahren vier Wochen lang durchgeregnet. Damals waren wir nicht so sicher, ob es eine gute Idee war, die Insel als Schauplatz gewählt zu haben (lacht).

Welche Szene der neuen Teile hat Sie am meisten berührt?

Das ist eindeutig die Szene zum Schluss des dritten Teils. Es ist so viel schiefgelaufen, es gab so viele Verletzungen, aber Nora und Peer sind im Krankenhaus, als Kai Vater wird. Es macht Hoffnung, dass, auch wenn vieles schwer ist, das Leben weitergeht, man Wege findet, die es auch in dieser Situation sehr lebenswert machen.

TV-TIPP

  • "Praxis mit Meerblick"
  • ab Freitag, 19. März (3 Folgen)
  • 20.15 Uhr
  • Das Erste

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