Das ZDF zeigt die zweite von drei geplanten Film-Trilogien über die deutsch-deutsche Teilung. Diesmal spielt die Handlung in den Jahren von 1960 bis 1968 im Grenzort "Tannbach".

Um die sechseinhalb Millionen Zuschauer verfolgten Anfang 2015 die ersten drei Filme über ein deutsches Dorf, das mit dem Ende des Zweiten Weltkriegs zwischen russischen und amerikanischen Besatzern in der Mitte geteilt wird. Jetzt setzt eine neue Filmtrilogie "Tannbach – Geschichte eines Dorfes" die Geschichte fort. An erneut drei Abenden (Forsetzungen am Mittwoch, 10.1., und am Donnerstag, 11.1., jeweils 20.15 Uhr) erzählen bereits bekannte und ein paar neue Figuren von den west- und ostdeutschen Jahren 1960 bis 1968. Die beiden konkurrierenden Gesellschaftssystem stehen sich zunehmend feindlich gegenüber. Im August 1961 wird die Mauer gebaut. Mit dem Prager Frühling 1968 endet die zweite "Tannbach"-Erzählung – vorerst.

Beim Spielen im Wald finden die Kinder von Heinrich (Florian Brückner) und Theresa Schober (Eli Wasserscheid) eine Granate. Ihr ältester Sohn kommt ums Leben. Für das Unglück ist ein verstecktes Waffenlager einer Geheimarmee der NATO verantwortlich. Der gehört auch Georg von Striesow (Heiner Lauterbach) an. Mit der Teilung des Dorfes Tannbach verlor dieser nicht nur sein Gut, sondern auch Tochter Anna an den Kommunismus. Mit ihrem Mann Friedrich (Jonas Nay) organisiert sie die sozialistische Landwirtschaft auf der Ostseite der Grenze.

Auch hier läuft nicht alles rund. Altbauern wie Otto Mader (stark: Alexander Grimm) wehren sich gegen die sozialistische Vereinnahmung. Soll man sie in eine Produktionsgemeinschaft zwingen? Währenddessen nähert sich Georg von Striesow auf Geschäftsreise in den Westen Berlin der aus dem Osten stammenden Rosemarie (Anna Loos) an. Eine moderne, unabhängige Frau, die für den Grafen in dessen konservativ-ländliches BRD-Idyll zieht – das vom autoritären Wirtschaftswundergeist umweht wird. Derweil leidet die Ost-Beziehung Annas und Friedrichs unter der Frage, wie man sozialistische Visionen auf humane Art in Realität umsetzt. Als der neue Pfarrer Wolfgang Herder (Clemens Schick) in Ost-Tannbach auftaucht, gerät Anna in einen weiteren Konflikt zwischen Doktrin und Gefühl.

Detailreich, ambitioniert – aber nur bedingt fesselnd

"Tannbach" gibt es wirklich. Das Dorf Mödlareuth liegt nördlich von Hof, zwischen 1945 und 1989 war es in der Mitte geteilt. Eine Hälfte gehörte zu Bayern, die andere zu Thüringen. Auch ein Flüsschen fließt hier, das tatsächlich auf den Namen Tannbach hört. Nach dem überragenden Erfolg der ersten drei Filme, die sich im Januar 2015 von 6,35 über 6,55 auf 6,59 Millionen Zuschauer steigerten, war klar, dass die von Produzentin Gabriele Sperl ("Mitten in Deutschland: NSU") intendierte Fortsetzung kommen würde. Wie beim ersten Mal führte Alexander Dierbach ("Helen Dorn") Regie, das Drehbuch stammt diesmal von Silke Zertz (Deutscher Fernsehpreis 2009 für "Wir sind das Volk – Liebe kennt keine Grenzen").

Schon an den "Tannbach"-Filmen, die 2015 gesendet wurden, konnte man kritisieren, dass die an sich ambitionierte Geschichtserzählung ein wenig holzschnittartig und exemplarisch geraten war. Die Entwicklungen des deutschen Ost-Westkonflikts während der 60-er erzählt das neue "Tannbach" über 270 Sendeminuten wiederum so detailreich wie inhaltlich ambitioniert. Trotzdem fesselt das Ganze nur bedingt, weil hinter Plot und Figuren immer ein wenig das historisch-pädagogisches Kalkül hindurch schimmert. Gefallen dem ZDF-Publikum die Fortsetzungen ähnlich gut wie die ersten Filme, dürfte einer Wiedervereinigung "Tannbachs" nichts mehr im Wege stehen. Drei letzte Filme, so der Plan der Macher, würden 1989 mit dem Mauerfall enden.


Quelle: teleschau – der Mediendienst