ZDF-Doku

"Terra X: Magie der Märchen" – auf den Spuren von Hänsel und Gretel

von Elisa Eberle

Die Geschichte von "Hänsel und Gretel" könnte auch Handlung für einen Thriller sein. "Terra X" begibt sich auf Spurensuche nach Wahrheit und Mythen rund um das Märchen.

ZDF
Terra X: Magie der Märchen
Dokumentation • 11.10.2020 • 19:30 Uhr

Es könnte auch ein Thriller sein: Zwei kleine Kinder werden von ihren eigenen Eltern im Wald ausgesetzt. Auf der Suche nach dem Heimweg treffen sie auf eine gruselige Einsiedlerin, die sie zunächst in ihr Haus einlädt. Nach kurzer Zeit jedoch entpuppt sich die Frau als Kannibalin und droht, eines der Kinder zu schlachten und zu verspeisen.

Kein Wunder, dass das Märchen "Hänsel und Gretel" immer wieder die Gemüter erregt. Heutzutage fragen sich besorgte Eltern: Kann man den Kleinen derartige Grausamkeiten wirklich zumuten? Ist die Geschichte am Ende nicht viel zu brutal? Nein – so lautet die schlichte Antwort aus der ZDF-Reihe "Terra X: Magie der Märchen". Für "Hänsel und Gretel auf der Spur" haben sich die Filmemacher Ingo Helm und Volker Schmidt-Sondermann mit der Wirkung des Märchens und dem Wahrheitsgehalt seiner Inhalte beschäftigt.

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"Märchen sind keine Ponyhof-Geschichten", meint die Märchen-Forscherin Sabine Wienker-Piepho, die neben anderen Experten in der Doku auftritt. Vielmehr, so erklärt die 73-Jährige, gehe es richtig zur Sache. "Aber – und das macht einen Großteil ihres Erfolges aus – in aller Regel finden sie ein gutes Ende." Auf diese Weise, so heißt es weiter, lernen Kinder nicht nur, Gefahren zu meistern, sondern sie gewinnen auch an Selbstvertrauen und an Sicherheit.

Doch es ist nicht nur die pädagogische Wirkung, die in der Doku beleuchtet wird. Vielmehr geht es um die im Text behandelten Themen und ihre geschichtlichen Hintergründe. Da wäre zum Beispiel die Hungersnot, welche das Holzhackerpaar zu Beginn zu ihrer drastischen Entscheidung zwingt. Tatsächlich kam es im Laufe der Jahrhunderte immer wieder zu derartigen Krisen. Sozial schwache Berufe wie der des Holzhackers litten besonders. Ein Aufstieg durch Bildung blieb auch der nachfolgenden Generation meist verwehrt.

Auch die Figur der Kinder essenden Hexe geht auf historische Tatsachen zurück: Nur zehn Jahre vor der Geburt des älteren Grimm-Bruders Jacob wurde in Deutschland die letzte Hexe verbrannt. Gut denkbar also, dass verdächtigte Frauen zum eigenen Schutz ein einsames Leben im Wald wählten. Archivierte Berichte über Kannibalismus aber seien schon damals oft nichts mehr als "Fake News" gewesen, heißt es. Sie wurden erfunden, um Angst vor Feinden, etwa jenen im Dreißigjährigen Krieg, zu schüren oder um auf das Elend der Bevölkerung aufmerksam zu machen.

Zu guter Letzt sind es die Symbole, die das Interesse der Filmemacher anzogen. Vor allem der Wald fasziniert durch seine ambivalente Bedeutung. Im Märchen ist er zumeist ein Ort des Bösen und der Bedrohung: Hänsel und Gretel treffen hier auf die Hexe, während Rotkäppchen ihre erste Unterhaltung mit dem bösen Wolf führt. Außerdem beheimatet das dichte Gehölz eine Vielzahl gefährlicher Tiere und anderweitiger Gefahren. Und dennoch ist der Wald mehr als das: Vor allem in der Epoche der Romantik, zu der auch die Grimm'schen Märchen zählen, ist er ein Zufluchtsort und das Reich für Fantasien.


Quelle: teleschau – der mediendienst GmbH
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