Dokumentation bei ARTE

"The Bomb": Nach grellem Licht bleibt nur ein Schatten

von Christopher Schmitt

Am 9. August 1945 rettete eine Wolkendecke tausende von Menschenleben. Ein amerikanischer Bomber war bereits in der Luft, um seine tödliche Fracht auf die japanische Stadt Kokura abzuwerfen, aber aufgrund des Wetters wurde sie verschont – und Nagasaki angeflogen.

ARTE
The Bomb
Dokumentarfilm • 28.07.2020 • 20:15 Uhr

Die verheerenden Folgen der Atombombe wurden dort ebenso sichtbar wie kurz zuvor in Hiroshima. Von den Menschen bleibt lediglich ein Schatten, der vier Kilometer breite Feuerball ist 10.000 Grad heiß – alles was erfasst wird, verdampft. Die ARTE-Dokumentation "The Bomb" zeigt in restaurierten Originalaufnahmen nicht nur die unfassbaren Konsequenzen, die ein Einsatz dieser Super-Waffe nach sich zieht, sondern behandelt auch deren Entstehungsprozess und das sogenannte atomare Zeitalter.

Die zynisch-liebevoll "Little Boy" und "Fat Man" getauften Bomben, die auf Hiroshima und Nagasaki abgeworfen wurden, blieben glücklicherweise die einzigen in einem Krieg eingesetzten Atombomben. Wie heiß der Kalte Krieg allerdings rund um die Kuba-Krise hätte werden können, wird ebenfalls in der Doku von Rushmore Denooyer, die beeindruckende Bilder präsentiert, offenbar: Die Welt stand kurz vor der atomaren Endzeit. Wie irrwitzig das Wettrüsten zwischen USA und Sowjetunion geworden war, zeigte der Test einer Wasserstoffbombe im Oktober 1961. Die Sowjets sorgten mit einer Sprengkraft von über 50 Millionen Tonnen TNT für die größte menschengemachte Explosion.

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Bis dahin war es ein langer Weg der Forschung, die durch den amerikanischen Wettstreit mit den Nazis angetrieben wurde, wer schneller über die kriegsentscheidende Bombe verfügt. Am Ende triumphierte das Team um ein umstrittenes Genie, den berühmten US-Physiker J. Robert Oppenheimer. "Zum ersten Mal in der Menschheitsgeschichte waren wir in der Lage, unsere Spezies auszulöschen", sagt der Historiker Richard Rhodes. Auch die Chemikerin Lilli Hornig war Teil des "Manhattan-Projekts" in Los Alamos – und weist jede Schuld von sich. "Wenn nicht wir, dann hätte es ein anderer getan. Wir hätten die Bombe so oder so", ist sie sich sicher.

In der anschließenden Dokumentation "Unser Freund, das Atom", die ARTE ab 21.55 Uhr als Erstausstrahlung zeigt, geht es dann um Radioaktivität. Unter anderem kommen US-Soldaten und Kinder in Fukushima zu Wort.


Quelle: teleschau – der mediendienst GmbH
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