Harry-Potter-Star im Cast

Blutiges Actionfest: Filmkritik zu „They Will Kill You“

26.03.2026, 15.22 Uhr
Das Geschwisterpaar hinter dem Stephen-King-Horrorfilm „Es“ (2017) hat einen Horror-Slasher im Martial Arts Style produziert. Mit scharfem Schwert und feuriger Axt bahnt sich darin Zazie Beetz ihren Weg durch Horden von Gegnern.
Eine Frau schaut ängstlich auf ein blutiges Laken.
„They Will Kill You“ läuft seit dem 26. März 2026 in den deutschen Kinos.  Fotoquelle: picture alliance / ZUMAPRESS.com | Warner Bros. Pictures

Donnergrollen erfüllt die Nacht, in der Ferne zuckt ein Blitz über der düsteren Skyline New Yorks. Die Kamera senkt sich zielstrebig herab – Stück für Stück gibt sie den Blick preis auf die Frontseite eines gigantischen, hotelähnlichen Gebäudes. Ein geheimnisvolles, hellblaues Leuchten strömt aus den hohen Fenstern. Eine junge Frau kämpft sich durch den Regen hindurch über die Straße und klingelt schließlich an der massiven Tür, um ihren neuen Job anzutreten. Denn die Betreiber des historischen Wohnhauses „Virgil“ suchen eine Haushaltshilfe – und die Frau ist in Geldnot.

„They Will Kill You“: Ein blutiges Actionfest

Die Prämisse von „They Will Kill You“ erinnert an den Thriller „The Housemaid – Wenn sie wüsste“ (2026) mit Sydney Sweeney in der Hauptrolle. Aus der ähnlichen Ausgangslage entspinnt sich jedoch in Windeseile eine Geschichte, die nur wenig mit dem Sweeney-Film gemein hat. Die junge Frau hat es gar nicht auf die neue Stelle abgesehen. Stattdessen ist sie auf der Suche nach ihrer verschollenen Schwester, die in dem Gebäude festgehalten werden soll. Asia Reeves (Zazie Beetz), wie die Frau heißt, ist entschlossen, ihre kleine Schwester (Myha’la Herrold) zu finden – und sie schreckt nicht vor Gewalt zurück.

Es ist erfrischend, wie schnell die Handlung von „They Will Kill You“ zur Sache kommt. Auf einen kurzen Prolog folgt ein Zeitsprung zu besagter Szene vor dem „Virgil“. Von da an dauert es nur wenige Minuten, bis der im Trailer versprochene blutige Splatter-Action-Spaß beginnt. Die Gewaltdarstellungen sind sehr explizit, muten dabei allerdings eher comichaft und übertrieben an. Sie wirken also nicht allzu real, was das Schauen deutlich erträglicher macht, wenn man es eigentlich nicht so brutal mag.

Hochglanz-Trash mit wenig Horror

„They Will Kill You“ startet stark in seine Geschichte, auch weil mit Erwartungen gespielt und diese teils gebrochen werden. Dabei ist der Slasher-Film immer wieder absurd komisch und versprüht eine Art dynamische Leichtigkeit. Somit dürften vor allem diejenigen Spaß mit ihm haben, die es gerne etwas überdreht mögen und eine Schwäche für Trashfilme haben. Verantwortlich für den Trash-Faktor sind nicht zuletzt auch die zahlreichen schnellen Kamerazooms sowie eingespielte, künstliche Sounds. Im Zusammenspiel mit seinen stylischen Bildern und ästhetischen Kampf-Choreografien ergibt das quasi Hochglanz-Trash mit starken Martial-Arts-Einflüssen.

Auf der Strecke bleibt jedoch der Gruselfaktor. Als Horrorkomödie lässt sich „They Will Kill You“ kaum noch bezeichnen. Von dem unheimlichen Auftakt einmal abgesehen steht der Horror klar im Schatten anderer Genres wie Komödie und Actionfilm. Sofern man sich nicht auf Grusel eingestellt hat, ist das aber keineswegs negativ. Im Vergleich zu Slasher-Klassikern wie Halloween (1978) oder der „Scream“-Reihe (seit 1996) drehen Genrevertreter wie „They Will Kill You“ den Spieß um: Aus dem – oft weiblichen – Opfer wird eine schwertschwingende Kampfsportheldin, die den Tätern das Fürchten lehrt.

Praktische Effekte in „They Will Kill You“

Stilistisch weckt Asia Reeves damit auch Erinnerungen an Uma Thurmans Kult-Rolle der Braut in den beiden „Kill Bill“-Filmen (2003/2004) von Quentin Tarantino. Als Schwertmeisterin, die sich im „John Wick“-Stil durch Unmengen von Gegnern schlachtet, überzeugt Zazie Beetz auf ganzer Linie. Die Schauspielerin wirkt kampferprobt und in ihrer Rolle absolut authentisch, die Choreografien kommen schnell und wuchtig daher.

Regisseur Kirill Sokolow setzte zudem verstärkt auf praktische Effekte und wenig CGI. Das gilt zum Beispiel für die Axt, die Beetz in einer Szene schwingt – und die tatsächlich in Flammen steht, wie die Schauspielerin in einem Interview verriet. Die mordende Familie, die einen Pakt mit dem Teufen eingegangen ist, lässt zudem an die Horrorkomödie „Ready or Not – Auf die Plätze, fertig, tot“ (2019) denken, in der es allerdings weniger Blut und herumfliegende Körperteile zu sehen gab.

Von Harry Potter zu „They Will Kill You“

An der Spitze der dämonischen Familie steht passenderweise die abgebrühte Lilith, gespielt von Oscar-Preisträgerin Patricia Arquette (u.a. „Boyhood“ (2014) & „Severance“ (seit 2022)). Mit von der Partie ist unter anderem auch ein Darsteller aus den Harry-Potter-Filmen: Tom Felton, bekannt als Draco Malfoy, spielt Sohn Kevin. Er trägt in einigen Szenen zur Komik bei, bleibt insgesamt aber relativ austauschbar. Arquette, Felton und Co. bilden zusammen jedoch ein unterhaltsames Ensemble, das sich Asia Reeves in den Weg zu stellen versucht.

In Summe mangelt es „They Will Kill You“ leider aber an Abwechslung. Das gilt insbesondere für die Kämpfe, die zwar, wie beschrieben, gut gemacht sind, aber dann doch immer sehr ähnlich ablaufen und kaum Highlights bieten. Trotz der überschaubaren Laufzeit von 95 Minuten weist der Actionfilm ein paar Längen auf. Es gelingt ihm nicht, die unterhaltsame Energie aus dem ersten Drittel über die Ziellinie zu bringen.

Produziert von den „Es“-Geschwistern

Letztendlich fehlt „They Will Kill You“ ein Stück weit die eigene Identität. Beim Schauen drängen sich diverse Assoziationen mit anderen Filmen auf, frische Ideen sucht man aber eher vergeblich. Zuweilen fühlt sich der Actionfilm fast schon redundant an. Dank des munter aufspielenden Cast, der grundsätzlich gut gemachten Kämpfe und des spaßigen Soundtracks bietet „They Will Kill You“ dennoch ordentliche Unterhaltung. Lange im Gedächtnis bleibt er damit aber wohl eher bei den Wenigsten.

Für „Es“-Regisseur Andy Muschietti und seine Schwester Barbara Muschietti bedeutet „They Will Kill You“ der Anfang eines neuen Kapitels. Es handelt sich um den ersten Film der Produktionsfirma „Nocturna“, die das Geschwisterduo 2024 gegründet hatte. Nach gemeinsamen Projekten wie „Mama“ (2013), den „Es“-Filmen oder auch dem Serien-Spin-off „It: Welcome to Derry“ (2025) darf man auf die künftigen Produktionen des Duos gespannt sein.

„They Will Kill You“ läuft seit dem 26. März 2026 in den deutschen Kinos.

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