Im Porträt

Andrea Kiewel: Karriere, Privatleben, Skandale – Die "Fernsehgarten"-Moderatorin

27.04.2026, 11.48 Uhr
Andrea Kiewel, einst DDR-Leistungsschwimmerin, wurde als Moderatorin des ZDF-Fernsehgartens berühmt. Ihre Karriere ist geprägt von Erfolgen, Skandalen und einem bewegten Privatleben.
Andrea Kiewel
Andrea Kiewel  Fotoquelle: © Marcus Höhn/ZDF

Andrea 'Kiwi' Kiewel (60) wurde 1965 in Ost-Berlin als Andrea Mathyssek geboren. Ihre Biografie beginnt nicht vor der Kamera, sondern im Schwimmbecken. Als Jugendliche gehörte sie der Jugend-Schwimmnationalmannschaft der DDR an und besuchte die Kinder- und Jugendsportschule Werner Seelenbinder. Sie trainierte beim SC Dynamo Berlin und galt als talentierte Leistungsschwimmerin.

1979 gewann sie mit der 4×100-Meter-Lagenstaffel die Spartakiade. Es folgten Podestplätze bei DDR-Meisterschaften: 1980 Platz drei mit der Freistilstaffel, 1981 jeweils Platz zwei mit Freistil- und Lagenstaffel, 1982 schließlich der DDR-Meistertitel mit der Freistilstaffel. Im Einzel war Platz sechs über 50 Meter Freistil ihr bestes Ergebnis.

Später schilderte Kiewel den enormen Druck im DDR-Leistungssport. Sie sprach von hartem Trainingsalltag, Anschreien durch Trainer und davon, dass junge Sportlerinnen „Vitaminpillen“ erhielten, ohne deren Inhalt zu kennen – eine rückblickend systemkritische Perspektive auf das DDR-Schwimmsystem.

Warum Andrea Kiewel ihre Schwimmkarriere beendete

Es war kein abruptes Karriereende. Das Jahr 1982 markierte vielmehr den Übergang von der Leistungssportphase in einen neuen Lebensabschnitt. Ohne Verletzung oder öffentlichen Bruch verlagerte Kiewel ihren Fokus auf Ausbildung und Studium. Der hohe Druck, die Erfahrungen im System und der Wunsch nach einem eigenständigen Leben außerhalb des Leistungssports spielten dabei eine entscheidende Rolle.

Sie studierte in Berlin Sport und Deutsch auf Lehramt und arbeitete von 1988 bis 1991 als Unterstufenlehrerin. Dieser pädagogische Hintergrund kennzeichnet bis heute ihre Art zu moderieren: strukturiert, präsent, erklärend.

Der Weg ins Fernsehen: Vom Lehrerpult zum DDR-Fernsehen

Ihr Einstieg ins Fernsehen begann 1990 parallel zur Lehrtätigkeit beim Deutschen Fernsehfunk. Nach der Wende moderierte sie beim Berliner Sender FAB die Sendung „Fenster aus Berlin“ und fungierte dort zugleich als Redakteurin und Moderatorin – ihr erster eigenständiger TV-Auftritt.

1993 wechselte sie ins Privatfernsehen und prägte bis 2000 das SAT.1-Frühstücksfernsehen maßgeblich. So wurde sie einem bundesweiten Publikum bekannt.

Der große Durchbruch: Andrea Kiewel und der ZDF-„Fernsehgarten“

Seit dem Jahr 2000 ist Kiewel das Gesicht des ZDF-„Fernsehgarten“. Die Live-Sendung vom Mainzer Lerchenberg machte sie zu einer der bekanntesten Moderatorinnen Deutschlands. Ihre energiegeladene und direkte wurde zum Markenzeichen der Sendung.

Der „Fernsehgarten“ ist nicht nur ein Job, sondern der Kern ihrer öffentlichen Identität. Hier verbindet sich ihre Sportler-Disziplin mit ihrer pädagogischen Klarheit und ihren Entertainer-Qualitäten.

Der Schleichwerbe-Skandal: Der größte Karriereknick 2007/2008

Ende 2007 geriet Kiewel massiv in die Kritik. Ihr wurde vorgeworfen, eine geschäftliche Beziehung zu Weight Watchers nicht offengelegt zu haben. Der Vorwurf der Schleichwerbung führte zu einem erheblichen Reputationsschaden.

Das ZDF beendete die Zusammenarbeit, sie verlor auch ihre Rolle beim MDR-Format „Riverboat“. Erst nach rund zwei Jahren Pause kehrte sie 2009 zum „Fernsehgarten“ zurück. Dieser Einschnitt gilt als die größte Kontroverse ihrer Karriere.

Weitere öffentliche Reibungspunkte und TV-Momente

2019 sorgte sie für Schlagzeilen, als sie im „Fernsehgarten“ einen Auftritt von Luke Mockridge (37) abbrach und ihn von der Sendung ausschloss. Dieser Moment festigte ihr Image als Moderatorin mit klarer Linie.

In den Jahren 2023 und 2024 entstanden zudem Debatten rund um ihre öffentliche Positionierung zum Staat Israel und um eine Kette mit Israel-Karte, die sie in der Sendung trug und die intern beim ZDF für Diskussionen sorgte.

Privatleben: Drei Ehen, zwei Söhne und ein schwerer Verlust

Andrea Kiewel ist Mutter von zwei Söhnen. Ihr erster Sohn Maximilian wurde 1986 geboren und stammt aus ihrer ersten Ehe, die sie im Alter von 19 Jahren einging. Ihre zweite Ehe schloss Kiewel 1999 mit Gerrit Brinkhaus, der heute bei der „Immobilien Zeitung“ tätig ist. Beide sollen zuvor schon seit acht Jahren ein Paar gewesen sein – die Ehe hielt dagegen lediglich ein Jahr. 2000 lernte sie den Regisseur Theo Naumann (†50) kennen, 2001 kam Sohn Johnny zur Welt. 2004 heirateten Kiewel und Naumann, die Ehe scheiterte 2007.

2012 starb Theo Naumann bei einem Motorradunfall – ein schwerer Einschnitt für Kiewel und ihren jüngsten Sohn, die auch nach der Trennung ein freundschaftliches Verhältnis aufrechterhielten. Über Johnny ist öffentlich kaum etwas bekannt, was Kiewels konsequenten Schutz seiner Privatsphäre unterstreicht.

Liebe in Israel: Der „Astronaut“ und ein Leben zwischen Berlin und Tel Aviv

Seit etwa 2015 ist Kiewel mit einem israelischen Ingenieur und Elitesoldaten liiert, den sie öffentlich nur ihren „Astronauten“ nennt. Öffentliche Auftritte gibt es nicht, Fotos ebenso wenig. 2025 machte sie im „Fernsehgarten“ ihre Verlobung publik.

Sie besitzt eine Wohnung in Tel Aviv, pendelt zwischen Deutschland und Israel und lernte Hebräisch, um die Sprache ihres Partners zu verstehen. Diese Beziehung und ihr Leben zwischen zwei Ländern haben einen großen Einfluss auf ihr heutiges Privatleben.

Andrea Kiewel als Mutter: Nähe, Humor und Abschirmung

Kiewel beschreibt sich selbst als eine fürsorgliche Mutter. Über ihren älteren Sohn spricht sie gelegentlich humorvoll in der Sendung, während sie den jüngeren bewusst aus der Öffentlichkeit heraushält. Medienberichte beschreiben das Verhältnis als eng, liebevoll und von einem starken Schutzbedürfnis geprägt – besonders nach dem Tod des Vaters.

Wie ihr Job das Familienleben beeinflusst

Die Sommermonate bedeuten für Kiewel Hochbetrieb: Wochenend-Livesendungen, Reisen, Proben. Familienzeit fällt oft genau in diese arbeitsintensiven Phasen. Dem begegnet sie mit strikter Trennung: Die Öffentlichkeit gehört dem „Fernsehgarten“, das Private bleibt privat. Ihr Pendeln zwischen Mainz und Tel Aviv unterstreicht diese Haltung zusätzlich.

Öffentliche Wirkung: Warum Andrea Kiewel polarisiert und fasziniert

Die Mischung aus DDR-Spitzensport, Lehrerin, TV-Aufstieg, Skandalen, Comeback und privater Zurückhaltung macht Andrea Kiewel zu einer außergewöhnlichen Fernsehpersönlichkeit. Sie steht für Disziplin, Energie, Direktheit – und für eine Biografie, die viele gesellschaftliche Umbrüche widerspiegelt. Diese Gegensätze machten sie im Laufe der Jahre zu einer der interessantesten Moderatorinnen im deutschen Fernsehen.

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