Hollywoods Außenseiter John Cusack: Das macht der Schauspieler heute
Kaum ein Schauspieler verkörpert die romantischen, leicht verloren wirkenden Außenseiter der 1990er- und frühen 2000er-Jahre so sehr wie John Cusack. Filme wie "High Fidelity", "Being John Malkovich" oder "Weil es dich gibt" machten ihn zum Publikumsliebling. Doch während viele seiner Weggefährten bis heute regelmäßig in den größten Hollywood-Produktionen auftauchen, ist es um Cusack deutlich ruhiger geworden.
Ganz verschwunden ist der Schauspieler allerdings nicht. Im Gegenteil: Pünktlich zu seinem 60. Geburtstag am 28. Juni ist Cusack in Amerika unterwegs: Zum 25-jährigen Jubiläum vom "High Fidelity" spricht er bei Screenings mit Fans über den Kultfilm und blickt auf eine Karriere zurück, die von großen Erfolgen, schwierigen Phasen und klaren politischen Positionen geprägt war.
Vom Teenie-Liebling zum Normalo-Star
Cusack wuchs in Evanston, Illinois, als Sohn eines Schauspielers und Dokumentarfilmers auf, begann mit 16 Jahren zu schauspielern und machte nie etwas anderes. "Abgesehen von kleinen Schülerjobs", sagte er 2020 im "Spiegel". "Da erinnere ich mich nur noch daran, wie ich Zeitungen im Krankenhaus verteilt habe. Das fand ich furchtbar, weil es mir so unangenehm war, all diese kranken Menschen um 25 Cent bitten zu müssen."
Hollywood hatte damals noch eine andere Atmosphäre, wie Cusack selbst beschreibt: "weniger ausschließlich am Profit ausgerichtet, noch nicht ganz so kommerziell." Regisseur Rob Reiner, der ihn in "Der Volltreffer" (1985) und "Stand By Me" (1986) besetzte, half dem Teenager, sich in der Branche zu behaupten: "Er lud einen zu sich nach Hause ein, kümmerte sich um einen – es war überhaupt nicht diese ausbeuterische Atmosphäre", erinnerte sich Cusack 2020 im "Guardian". Den Durchbruch schaffte er als Lloyd Dobler in "Teen Lover" (1989) – ein Typ, der mit einem Kassettenrekorder über dem Kopf unter dem Fenster seiner Angebeteten steht. Eine Szene, die zur Ikone wurde.
Nach ersten Erfolgen folgte Anfang der 1990er-Jahre eine wechselhafte Phase. Der große Aufschwung kam erst später. Mit der schwarzen Komödie "Ein Mann – ein Mord" (1997) und dem Action-Hit "Con Air" etablierte sich Cusack endgültig als vielseitiger Charakterdarsteller. Es folgten seine Karrierehöhepunkte: 1999 "Being John Malkovich", 2000 "High Fidelity", für den er auch am Drehbuch mitschrieb, und 2001 "Weil es dich gibt". Drei Filme in drei Jahren, die ihn als liebeskranken Normalo etablierten.
Cusack: Filmemachen ist "brutal, geschäftsmäßig, oberflächlich und dumm"
Was folgte, war ein langsamer Niedergang. Romantische Komödien wie "Frau mit Hund sucht ... Mann mit Herz" (2005), der Klamauk "Hot Tub Time Machine" (2010) – und dann ein Jahrzehnt mittelmäßiger Thriller, in denen sein Name das Plakat zierte. Dazwischen blitzten gute Nebenrollen auf: als unheimlicher Therapeut in David Cronenbergs "Maps to the Stars" (2014), als Musiker Brian Wilson in "Love & Mercy" (2014).
Rückblickend zeigte sich Cusack selbstkritisch. In den vergangenen Jahren sei es ihm nicht gelungen, größere Projekte finanziert zu bekommen, erklärte er dem "Guardian". Vielleicht liege es am Alter, vielleicht daran, dass er für die Branche nicht mehr interessant genug sei. Viele seiner Filme verschwanden direkt im Heimkino- oder Streamingmarkt. Gleichzeitig beklagte er die Mechanismen des Geschäfts. Von zehn Filmen werde nur einer tatsächlich so, wie er ursprünglich geplant gewesen sei. Filmemachen sei oft "brutal, geschäftsmäßig, oberflächlich und dumm". Nur einer von zehn Filmen werde so, wie man es sich vorgestellt habe.
In Hollywood im Abseits
Was Cusacks Bild in der Öffentlichkeit zuletzt mehr prägte als seine Filmografie, sind seine Social-Media-Beiträge. Er bezeichnet sich selbst als "apokalyptischen Unruhestifter" – und meint das ernst. Er reiste nach Moskau, um Edward Snowden zu treffen, unterstützte Bernie Sanders, stimmte 2020 widerwillig für Biden: "Man stimmt für eine Fortsetzung der neoliberalen Ordnung. Aber die Alternative ist Faschismus." Zuletzt nahm er zwei der mächtigsten Männer der Welt ins Visier: Bei einer Online-Demonstration im März 2025 protestierte er gegen Musks damalige Rolle in der Trump-Regierung, und sagte: "Genau wie Trump ist Musk ein pathologischer Lügner. Er ist ein Krimineller. Er ist ein Soziopath und ein Unmensch."
Dass er sich laut und meinungsstark – etwa auch als Unterstützer Palästinas – äußert, mag dazu beigetragen haben, dass in den letzten Jahren die Rollen für Cusack in Hollywood ausblieben. Zuletzt spielte er in im Historienfilm "Detective Chinatown 1900" (2025) eine Hauptrolle, der Zweite-Weltkriegs-Thriller "Fog of War" (2025), in dem er eine Nebenrolle hatte, kam hierzulande nicht ins Kino. Inzwischen nimmt er die Dinge selbst in die Hand: In einem Interview mit dem irischen TV-Sender RTE erzählte er jüngst, er hoffe, im Sommer ein großes Filmprojekt in Irland umsetzen zu können.
Quelle: teleschau – der mediendienst GmbH