"Spiel mir das Lied vom Tod": Der Abgrund offenbart sich am Ende
Am Ende drücken Franks Augen seine ganze Verwunderung über den Unbekannten aus, der beim entscheidenden Duell den entscheidenden, tödlichen Tick schneller war. Erst als ihm der Schütze die Mundharmonika zwischen die Zähne schiebt und sagt: "Spiel mir das Lied vom Tod", kann Frank ihn zuordnen. Dann stirbt er. Der Film aus dem Jahre 1968, den der rbb am Samstag, 27. Juni, um 22.40 Uhr zeigt, gilt als Höhepunkt des Italo-Westerns. Das Meisterwerk beeindruckt durch wortkarge Helden in Großaufnahme, einen weltberühmten Soundtrack und eine Story, die erst zum Schluss ihre ganzen Abgründe offenbart.
Geschrieben und inszeniert hat den Überwestern Sergio Leone. Die ersten eigenen Filme des ehemaligen Regieassistenten waren "Der Koloss von Rhodos" (1961), eine dieser typischen italienischen Kostüm- und Sandalenschlachten jener Zeit, und ein B-Western, der ganz beiläufig das Genre umkrempelte und Clint Eastwood berühmt machte: "Für eine Handvoll Dollar" (1964). Ursprünglich sollte Eastwood auch das Lied vom Tod anstimmen. Damit Leone seinen Favoriten Charles Bronson, der damals nur einen geringen Markwert hatte, durchsetzen konnte, musste er vom Hollywood-Studio United Artists zu Paramount wechseln.
Anfang einer blutigen Amerika-Trilogie
Der Farmer McBain und seine drei Kinder werden von dem Killer Frank (Henry Fonda) hinterrücks ermordet, denn er war im Besitz von Land, durch das der Eisenbahnunternehmer Morton (Gabriele Ferzetti) seine Strecke bauen wollte. Die Witwe Jill McBain (Claudia Cardinale) tritt trotzig sein Erbe an und wird von einem Fremden (Charles Bronson) unterstützt, der sich ebenfalls an Frank rächen will und seine mörderische Absicht mit der Mundharmonika ankündigt.
Bewusst setzte der Regisseur den glatt rasierten Saubermann Henry Fonda als skrupellosen Killer ein. Auch dem Soundtrack wies er eine ungewöhnliche Rolle zu: Zuerst ließ er die Filmmusik von Ennio Morricone fertigstellen, während der Dreharbeiten spielte er sie immer wieder ein. So konnten die Schauspieler ihre Bewegungen dem Rhythmus anpassen.
Mit "Spiel mir das Lied vom Tod" begann Leone eine Trilogie, zu der "Todesmelodie" (1971) und "Es war einmal in Amerika" gehören, und in der er die blutige Geschichte Amerikas erzählte. Mit seiner Interpretation distanzierte er sich vom Western-Vorbild John Ford: "Ford ist ein Optimist. Wenn bei ihm jemand aus dem Fenster hinaussieht, blickt er in eine strahlende Zukunft. Wenn bei mir jemand das Fenster aufmacht, wird er sofort erschossen."
Quelle: teleschau – der mediendienst GmbH