Mit Hugh Jackman und Jodie Comer

Filmkritik zu „The Death of Robin Hood“: Tod einer Volkslegende

26.06.2026, 13.57 Uhr
Schon seit dem Mittelalter ist die fiktive Figur des Robin Hood legendär. Auch unzählige Filme haben es bereits auf die große Leinwand geschafft, doch: So wie hier hat man Robin Hood vermutlich noch nie gesehen.
Faith Delaney, Bill Skarsgard, Michael Sarnoski, Hugh Jackman, Jodie Comer und Murray Bartlett
Faith Delaney, Bill Skarsgard, Michael Sarnoski, Hugh Jackman, Jodie Comer und Murray Bartlett (v.l.n.r.) begeistern bei der Weltpremiere des Kinofilms "The Death of Robin Hood" im AMC Lincoln Square 13 in New York.  Fotoquelle: picture alliance / Geisler-Fotopress | Barbara Hine

Er stiehlt von den Reichen und gibt es den Armen: Der fiktive englische Volksheld hat schon zahllose Filme inspiriert. Als besonders populär gilt etwa „Robin Hood – König der Diebe“ (1991) mit Kevin Costner als unerschrockener Geächteter und Alan Rickman in der Rolle des beinahe ebenso legendären Sheriffs von Nottingham. Besonderer Beliebtheit erfreut sich beispielsweise auch nach wie vor der Disney-Zeichentrickfilm „Robin Hood“ (1973), in dem Robin und seine Maid Marian Füchse und auch die übrigen Charaktere Tiere sind.

Einerlei welche Adaption man zu seinen Lieblingen zählt – den meisten dürfte Robin Hood als intelligenter Meisterschütze bekannt sein, dessen Gerechtigkeitssinn keine Grenzen zu kennen scheint. In „The Death of Robin Hood“ wählt Regisseur und Drehbuchautor Michael Sarnoski einen völlig anderen Ansatz. Robin ist hier nicht der strahlende Held im besten Mannesalter, sondern ein gewaltbereiter Gesetzesloser, der schon vielen Menschen das Leben genommen hat.

Hugh Jackman als vom Leben gezeichneter Robin Hood auf der Suche nach Erlösung

Es gibt wohl kaum jemand Besseren für einen gealterten, mit sich selbst im Unreinen seienden Kämpfer als Hugh Jackman. Seine Darstellung eines innerlich wie äußerlich von Narben gezeichneten Robin Hoods erinnert bisweilen stark an den Titelhelden in „Logan – The Wolverine“ (2017) von James Mangold. Angesichts seiner grausamen Taten hadert Robin nicht bloß mit sich selbst, er ist depressiv und suizidal – ein gebrochener Mann, der am liebsten alsbald den Tod in der Schlacht finden würde.

Aus diesem Grund lässt sich der Meisterschütze auf ein Abenteuer mit Little John (Bill Skarsgård) ein. Oder zumindest bezeichnet dieser es als Abenteuer… Über Umwege gelangt ein schwer verwundeter Robin schließlich in die Obhut von Brigid (Jodie Comer), die Oberin eines abgelegenen Klosters ist. Während sie sich anschickt, ihn gesund zu pflegen und ihm eine neue Perspektive zu bieten, muss sich Robin seiner Vergangenheit stellen. Doch auch Brigids Vorgeschichte ist von Tragik geprägt – und dann gibt es auch noch das kleine Mädchen Margaret (Faith Delaney), für die sich Robin verantwortlich fühlt.

„The Death of Robin Hood“: Die Entzauberung eines Mythos

Viel mehr an Story-Vorwissen sollte man gar nicht mitbringen, ehe man einen oder mehrere Kinosessel bucht. Wobei die Stärke von „The Death of Robin Hood“ nicht primär in einer großangelegten Geschichte liegt, sondern in der Aufarbeitung von Robins Vergangenheit. Es ist eine Entzauberung dieser sagenumwobenen Figur, deren literarischen Anfänge bis ins 13. Jahrhundert zurückreichen, in welchem auch „The Death of Robin Hood“ angesiedelt ist. Der Film spielt mit diesem Mythos und all den Geschichten von Heldentaten, die sich um Robin und seine Bande ranken. Nur jedoch, dass diese kaum heldenhaft sind und sich auch in der Fiktion selten tatsächlich zugetragen haben, wie etwa in Gesprächen zwischen Robin und Little John deutlich wird.

Nach einem brutalen und fiebertraumartigen Einstieg, der mit nahezu sämtlichen Vorstellungen über Robin Hood kurzen Prozess macht, schlägt der Film ruhigere, nachdenklichere Töne an. „The Death of Robin Hood“ gibt sich schnell als ein düsteres, trauriges Drama zu erkennen, ohne jedoch die Stimmung zu sehr zu drücken. In all der Niedergeschlagenheit bewahrt sich der Film den Blick für die Schönheit, die im Alltäglichen liegt. Etwa, wenn Robin – noch nicht wieder ganz genesen – nach langer Zeit im Klosterzimmer erste Schritte im Freien vergönnt sind und er die wärmende Sonne auf seiner geschundenen Haut spürt. Das setzt einen schönen, lebensbejahenden Gegenpunkt zu der bislang Ton angebenden grausamen Rohheit.

Bildgewaltig und gefühlvoll: „The Death of Robin Hood“

Für seine Geschichte sowie seine Titelfigur und dessen Beziehung zu anderen Charakteren nimmt sich „The Death of Robin Hood“ viel Zeit. Er legt ein eher gemächliches Erzähltempo an den Tag und kann sich deshalb auch etwas länger anfühlen als seine rund zwei Stunden Laufzeit. Lässt man sich darauf jedoch ein, zieht einen dieses ebenso bildgewaltige wie gefühlvolle Drama voll und ganz in seinen Bann. Im Kern erzählt „The Death of Robin Hood“ von der Gewaltspirale aus Mord und Rache und wieder Mord. Diese scheint nie zu einem Ende zu finden und einzig und allein Leid zu verursachen. So manche Szenen rühren dabei schnell zu Tränen.

Neben insbesondere Hugh Jackmans und Jodie Comers überragendem Spiel trumpft vor allem die Kameraarbeit von Patrick „Pat“ Scola groß auf. Mit Regisseur Sarnoski hatte er zuvor bereits für „Pig“ (2021) mit Nicolas Cage sowie für „A Quiet Place: Tag Eins“ (2024) zusammengearbeitet. Scola begeistert mit seinen überwältigenden Landschaftspanoramen, die häufig in langen Einstellungen präsentiert werden. Bei den Kämpfen im so blutigen, fiebertraumhaften Einstieg bewegt er die Kameras dynamisch mit, bleibt nah dran und trägt damit zu dieser gewissen Härte und Bestialität bei, die für die Botschaft des Films so wichtig ist: An Kämpfen ist nichts heldenhaft – auch nicht bei Robin Hood.

Folk-Musik und zentrale Motive in „The Death of Robin Hood“

Nicht ohne Erwähnung bleiben darf die Filmmusik des britischen Musikers und Komponisten Jim Ghedi. Sein Score zeichnet sich durch traditionelle, akustische Folk-Elemente aus und setzt primär auf Streichinstrumente. Damit verleiht die Musik „The Death of Robin Hood“ eine zusätzliche Schwere und trägt wesentlich zur düsteren respektive nachdenklichen Stimmung bei.

„The Death of Robin Hood“ ist eine nahezu uneingeschränkte Empfehlung für alle Fans von emotionalen Filmdramen, denen ihre Charaktere tatsächlich am Herzen liegen. Wer sich nicht von dem überaus blutrünstigen Prolog abschrecken lässt, wird mit einer hochemotionalen Geschichte und spektakulären Bildern belohnt. Die zentralen Motive Schuld und Vergebung sind so universell, dass sie ein offenes Publikum noch weit über den Film hinaus beschäftigen.

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