"Die amerikanische Revolution: Geburtsstunde der USA (1/6)": Der Doku-Tag auf ARTE
Dass ARTE innerhalb seines Programmschwerpunkts "250 Jahre amerikanische Unabhängigkeit" elf Stunden lang, am 27. und 28. Juni, Tag und Nacht übergreifend, über die amerikanische Revolution als "Geburtsstunde der USA" berichtet, ist sicher ein Kuriosum. Wer sich (auch im Streaming) die voluminöse Geschichtspackung ansehen will, erfährt jedoch viel Neues. Und die Bezugspunkte zur Gegenwart sind erstaunlich. Der Bezug zur Gegenwart wurde bei ARTE ja bereits am 23. Juni mit dem Zweiteiler "America, who are you?" hergestellt. – Was ist von der 1776 verfassten Unabhängigkeitserklärung geblieben? Nicht viel, wie zwei weitere Dokumentationen über Amerika zu Zeiten Trumps am selben Abend (22.00 und 22.55 Uhr) belegen. Politik als Versprechen, Bedrohung Enttäuschung – und von den Idealen der Gründerväter, von Menschenwürde und Gewaltenteilung ganz weit weg. In der Erstsendung "Die amerikanische Revolution" wird nun ein Geschichtsszenario aufgeblättert, an dem eine ganze Kompanie von Erzählern (darunter Hollywoodstars wie Kenneth Branagh, Josh Brolin, Tom Hanks und Ethan Hawke) beteiligt waren. Zudem wurden allerlei Archivare und Historiker herbeigezogen.
Nach den zahlreichen Gemälden und Stichen aus der Bürgerkriegszeit zu schließen, die im sechsteiligen Film zu sehen sind (alle von erstaunlicher Qualität), dürften die amerikanischen Museen und Privatsammlungen gut abgegrast worden sein. Lobend erwähnt sei auch die stets unaufdringliche Musikbegleitung, die eine Nachdenklichkeit evoziert, wie sie sonst in der grassierenden Informationsfülle fast verhindert wird.
Bis zur Unabhängigkeitserklärung von 1776 ist es in der Doku zunächst noch ein Stück hin, sie kommt erst im zweiten Teil ("Land der Ideale") dran. Der erste Teil, "Im Namen der Freiheit", ist vor allem der Loslösung vom Mutterland, mithin dem Unabhängigkeitskrieg gewidmet. Wer wusste schon, dass der Verbund der 13 Erststaaten dem Vorbild einer indigenen, Jahrhunderte alten Völkergemeinschaft ("Irokesenföderation") hätte folgen sollen, dass sich die Kolonien aber auf den Vorschlag Benjamin Franklins zunächst nicht einigen konnten. Auch die Landnahme gen Westen ist von üblichen Westernklischees weit entfernt. Ohnehin hatte eine von den Briten beschlossene Grenzziehung zwischen Indigenen und Kolonialisten nur einer übersichtlicheren Regulierung in Atlantiknähe gegolten.
Viel Geschichte, erstaunliche Perspektiven
Viele der hier erzählten Geschichten und einige der teils höchst erstaunlichen Perspektiven hätten Spielfilmpotenzial, würden sie jede für sich genommen. Alleine die berühmte Boston-Tea Party von 1773 würde samt ihrer kriegstreiberischen Aspekte (die britischen Zölle und andere Drangsalierungen könnten von Donald Trump erfunden sein) für eine kleine Serie reichen. Die Action wäre da mit der Teerung und Federung eines feindlichen Zollbeamten gleich inbegriffen. Für Szenen wie diese bräuchte man eigentlich keine Historikerin. Was das für Schmerzen mit sich bringt, lässt sich auch ohne Kommentar nachvollziehen.
Dass die Briten in einer solchen dokumentarischen Aufarbeitung der US-Historie nicht gut wegkommen, leuchtet jedem ein. Auch sei infrage gestellt, ob der erste Schuss bei allen Scharmützeln (Unschuldsbeteuerung?) gar so entscheidend war. Andererseits ist das weihevolle Pathos verständlich, das sich immer wieder einstellt bei dieser 250-Jahrfeier der Urkunde von Philadelphia. Der Unabhängigkeitskrieg forderte das Leben tausender Menschen. "Unser einziger Trost liegt in der Gerechtigkeit unserer Sache", sagte die First Lady Abigail Adams dazu. Dass auf amerikanischer Seite überwiegend Milizionäre fochten, die innerhalb von Minuten Heim und Handwerk verließen, um für ihre Freiheit zu kämpfen, macht die Nation aber heute noch stolz.
Die amerikanische Revolution: Geburtsstunde der USA (1/6) – Sa. 27.06. – ARTE: 20.15 Uhr
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Quelle: teleschau – der mediendienst GmbH