Vom Kinderstar zur Schauspielerin: Salka Weber blickt auf ihren ungewöhnlichen Weg
Von der Frage, wie es sich anfühlt, wenn die ersten künstlerischen Gehversuche auch Jahre später noch online zu finden sind, kann die Schauspielerin Salka Weber im wahrsten Sinne des Wortes ein Lied singen: Mit dem Song "Erfinder-Kinder" stand die 1989 geborene Wienerin im Finale vom "Kiddy Contest 2001". Das Musikvideo ist heute noch bei YouTube zu finden. Die Musik spielte auch danach eine große Rolle für Weber: Nach ihrem Schulabschluss absolvierte sie ein Tanz-, Gesangs- und Schauspielstudium an der Musik und Kunst Privatuniversität der Stadt Wien. Noch während der Ausbildung stand sie unter anderem im Musical "Hairspray" im Deutschen Theater in München auf der Bühne, ehe sie sich mehr und mehr in Richtung Film und Fernsehen orientierte. In dem im Auftrag vom BR produzierten Fernsehfilm "Damen" (Mittwoch, 18. Februar, 20.15 Uhr, das Erste) spielt Salka Weber nun eine Münchnerin Mitte 30, die sich um ihre psychisch labile Mutter kümmert.
prisma: Der BR-Film "Damen" spielt in München. Wie gut kannten Sie die Stadt zuvor?
Salka Weber: Ich hatte mein erstes offizielles Engagement während meines Studiums am Deutschen Theater in München. Die Aufführungen gingen damals, glaub ich, einen Monat lang. Insofern kannte ich mich in der Stadt schon aus.
prisma: Wie gefällt Ihnen die Stadt?
Weber: Sehr gut! Ich bin ein München-Fan und habe es so genossen. Ich hatte auch eine ganz tolle Wohnung am Englischen Garten und war jeden Tag nach den Dreharbeiten noch für eine Stunde dort spazieren. Das war ein absoluter Traum! Der Nordteil vom Englischen Garten ist toll!
prisma: Wie unterscheidet sich das Leben hier von dem in Ihrer Heimatstadt Wien?
Weber: Ich war überrascht, dass freitags und samstags so viele Menschen ausgehen, sei es ins Restaurant oder zum Party machen. Ich hatte das Gefühl, im Sommer war die ganze Stadt auf den Beinen.
"Ich bin ein Fan davon, die eigene Vergangenheit ein Stück weit zu vergessen"
prisma: "Damen" erzählt aus dem Alltag einer jungen Frau, spricht nebenbei aber auch gesellschaftlich relevante Themen an. Welcher inhaltliche Aspekt hat Sie am meisten berührt?
Weber: Als ich das Drehbuch zum ersten Mal gelesen habe, mochte ich, dass es so ein leiser, schwebender und leichter Film ist. Man hält inne und fragt sich: Hm, worauf läuft das wohl hinaus? Es passiert gefühlt nichts Spektakuläres, und trotzdem werden, wie Sie sagen, so viele Themen verarbeitet. Wie im echten Leben: Man lebt sein Leben mit all den alltäglichen Fragen und Schwierigkeiten, aber auch mit der Geschichte der eigenen Vorfahren, die ein Stück weit auf den eigenen Schultern lastet. Dass der Film trotzdem so leichtfüßig daherkommt und so fein erzählt ist, hat mir sehr gefallen. Was mich am meisten angesprochen hat, ist, dass sich jeder seine eigenen Themen herauspicken kann. Mich zum Beispiel hat am meisten die Szene ganz am Ende angesprochen, wenn es um die ungewisse Vergangenheit von Mayas Großvater geht und sie zu ihrer Mutter sagt: "Zumindest wäre es eine Geschichte!"
prisma: Was genau spricht Sie an dieser Szene an?
Weber: Die Vorstellung, dass man es selbst in der Hand hat, sein Leben zu formen. Das finde ich einen sehr klugen Gedanken.
prisma: Sind Sie ein Mensch, der sich allgemein für die eigene Familiengeschichte interessiert, oder blicken Sie lieber in die eigene Zukunft?
Weber: Ich denke, es ist eine Mischung aus beidem. Ich glaube schon, dass die Erlebnisse der Vorfahren das eigene Leben auf gewisse Weise prägen. Daher ist es schon gut, die Vergangenheit zu erkunden und sich dafür zu interessieren, woher man kommt. Andererseits bin ich aber auch ein Fan davon, die eigene Vergangenheit und vor allem das, was mir darüber erzählt wurde, ein Stück weit zu vergessen, wenn man gerade dabei ist seine eigene Zukunft zu gestalten. Das bringt Leichtigkeit und Kreativität und hat etwas befreiendes.
"In meiner Generation gibt es zum Teil noch total festgefahrene Männlichkeitsmodelle"
prisma: Die Filmautorin Stefanie Kremser schreibt in einem Statement zum Film: "Damen' entstand aus meiner Notwendigkeit, endlich ein Drehbuch fast ausschließlich über Frauen zu schreiben." Wie nehmen Sie die Position von Frauen in der Filmbranche wahr?
Weber: Ich muss gestehen: Ich bin bei Fernsehfilmen nicht immer up to date, weil ich privat eher ins Kino gehe. Meine Erfahrung ist aber, dass ich schon in vielen Projekten mitspielen durfte, in denen es um Frauen und Frauenthemen ging. Auch wenn diese nicht immer von Frauen geschrieben wurden. Dass Geschichten über Frauen noch immer oft von Männern geschrieben werden, ist sicher ein Thema, über das man diskutieren muss. Die Serie "Deadlines" handelt von Frauen, wurde unter anderem von einer Co-Autorin verfasst und hat uns Darstellerinnen auch den improvisatorischen Raum gelassen, mitzugestalten und Ideen einzubringen. Für mich war dies ein großer Schritt, weil die Serie zeigt: Ja, vier Frauen können genauso witzig sein wie vier Männer! Also es tut sich etwas. Heute dürfen Frauen in Serien auch scheitern und dürfen am Ende trotzdem auch die Heldinnen sein.
prisma: Hin und wieder thematisiert der Film auch dumme Sprüche, mit denen junge Frauen im Alltag konfrontiert werden. Inwiefern kennen Sie solche Situationen auch aus Ihrem Alltag?
Weber: Das ist für mich auch eine Generationsfrage: Ich merke schon, dass Männer, die Anfang 20 sind, einen ganz anderen Umgang mit dem Thema Männlichkeit und Frauen haben. Das Bewusstsein verändert sich. Aber in meiner Generation gibt es zum Teil noch total festgefahrene Männlichkeitsmodelle. Da werden mitunter Aussagen getroffen über den großen Unterschied zwischen Männern und Frauen, dass ich mir manchmal denke: "Wow! Das ist so veraltet!" Natürlich lebe ich in einer Bubble, und die Kunst- und Theaterwelt ist in gewissen Bereichen sicher sensibilisierter als andere Branchen, gerade wenn es, wie in "Damen", auch um Fragen zur Herkunft einer Person geht.
prisma: Haben Sie Hoffnung, dass es diese engstirnigen Ansichten irgendwann nicht mehr geben wird?
Weber: (überlegt) Ich fürchte nicht.
"Ich wollte schon immer gerne in die Filmbranche"
prisma: Ihre Karriere begann beim "Kiddy Contest". Der Auftritt ist nach wie vor online zu finden. Wie oft werden Sie noch darauf angesprochen?
Weber: (lacht) Tatsächlich wurde eine Sequenz aus dem Video auch für "Deadlines" verwendet, weil die Autorinnen der Serie das Video gefunden haben. Meine Figur in der Serie ist eine gescheiterte Sängerin, die sich ihr eigenes Video immer wieder anguckt. Auch sonst werde ich schon oft darauf angesprochen, aber ich nehme das mit Humor. Es ist natürlich auch absurd, aber die Rückmeldungen sind so positiv, und für mich war der Auftritt damals sowieso das Aufregendste ... Von daher bin ich nach wie vor stolz darauf.
prisma: Wie kam der Wechsel von der Musik oder dem Musical zum Fernsehen?
Weber: Ich wollte schon immer gerne in die Filmbranche: Filme selber schreiben, Regie führen, selber spielen. Mich hat das immer angezogen. Warum, weiß ich gar nicht. Während meiner Musical-Karriere habe ich eine Kollegin kennengelernt. Zusammen haben wir ein eigenes Theaterstück auf die Beine gestellt, weil wir beide schon immer Sprechtheater machen wollten. Das Stück wurde dann für einen großen österreichischen Theaterpreis nominiert, was uns natürlich total motiviert hat, weiter in diese Richtung zu gehen. Ich war dann eine Zeit lang Ensemblemitglied am Theater in der Josefstadt in Wien und habe dort viel Sprechtheater gemacht. Dann habe ich meinen ersten eigenen Film "Fisch lernt fliegen" gemacht. Der lief auf der Berlinale. Von da an ging es bergauf.
prisma: Wollen Sie in der Filmbranche bleiben, oder zieht es Sie in Zukunft doch wieder mehr in Richtung Musical?
Weber: Ich mag beides. Doch ich muss zugeben: mir gefällt das Drehen schon sehr gut!
"Das ist also echt ein Do-It-Yourself-Projekt"
prisma: Sie kommen gerade von Dreharbeiten ...
Weber: Ja, genau. Ich habe Anfang Februar meinen zweiten eigenen Film abgedreht. Das war sehr aufregend, anstrengend und schön zugleich (lacht).
prisma: Also führten Sie dabei auch selbst Regie?
Weber: Ja. Ich habe das Drehbuch zusammen mit meinem Partner Leo Friedrich selbst geschrieben, und wir haben auch zusammen Regie geführt. Die Hauptrolle habe auch ich selbst übernommen. Das ist also echt ein Do-It-Yourself-Projekt.
prisma: Um was für ein Projekt handelt es sich dabei genau?
Weber: Das ist ein Festival-Kurzfilm. Für mich ist das ein Schritt in eine neue Richtung. Ich war richtig in meinem Element und könnte mir vorstellen, mehr in diese Richtung zu machen.
prisma: Steht schon fest, wann und wo man den sehen kann?
Weber: Mit solchen Kurzfilmen ist das immer so eine Sache: Das Wichtigste ist, das man eine sogenannte Festival-Auswertung bekommt. Das heißt, während man sich noch in der Postproduktion befindet, reicht man den Film auf unterschiedlichen Festivals ein. Das ist ein bisschen ein Glücksspiel, weil man auf den großen Festivals wie der Berlinale oder in Cannes einen Weltpremieren-Status vorweisen muss: Der Film darf vorher noch nirgends gezeigt worden sein. Deshalb muss man gut überlegen, wo man den Film wirklich zeigen möchte, wenn man die erste Zusage hat.
"Deshalb heißt es jetzt für mich: 'Jeden Tag Badewanne!"
prisma: Was wollen Sie in Ihrer Karriere noch erreichen?
Weber: Ich würde gerne mehr eigene Projekte entwickeln. Es liegen viele Ideen in der Schublade! Als Schauspielerin und Filmemacherin würde ich auch gerne international drehen. Ansonsten interessieren mich auch Autorenfilme, weil ich merke, dass es schon einen Unterschied macht, wenn Regisseurinnen und Regisseure auch selbst die Drehbücher zu ihren Filmen schreiben. Es ist meist ein tieferes, seelisches arbeiten möglich, da die Vision vom Geschriebenen bis zur Umsetzung ein und dieselbe Handschrift hat.
prisma: Die RTL-Krimireihe "Alpentod" mit Veronica Ferres und Tim Oliver Schultz soll auch fortgesetzt werden: Worauf freuen Sie sich dieses Jahr am meisten?
Weber: Gute Frage! Es gibt ganz viele Sachen, die noch nicht in Stein gemeißelt sind, sich aber schon am Horizont abbilden. Jedes Projekt ist für mich eine andere Herausforderung, und ich liebe es, zu arbeiten. Aber jetzt gerade freue ich mich am meisten darauf, kurz mal durchzuatmen. Ich habe zehn Monate durchgearbeitet. Deshalb heißt es jetzt für mich: "Jeden Tag Badewanne!"
Quelle: teleschau – der mediendienst GmbH