"LOL: Last One Laughing"

Schöneberger: "Ich habe noch niemals so etwas Tolles gemacht!"

von Maximilian Haase

In der neuen Show "LOL: Last One Laughing" ist Lachen tabu. Klingt nach einer Qual. Doch obwohl Barbara Schöneberger zugibt, für das Amazon-Format "völlig falsch" zu sein, würde sie sofort wieder mitmachen.

Dass Barbara Schöneberger gerne, laut und viel lacht, ist allgemein bekannt. Manch einer würde wohl gar behaupten, die beliebte Entertainerin und Moderatorin besäße das einprägsamste Lachen im deutschen Fernsehen. Unvorstellbar also, ihr genau dieses Markenzeichen zu untersagen? Nicht ganz: In der neuen Amazon-Eigenproduktion "LOL: Last One Laughing" (seit 1. April hier im Stream zu sehen), die zehn hiesige Comedians unter striktem Lach-Tabu stundenlang in einem Raum zusammensperrt, geschieht genau das. "Für die Show war ich völlig falsch", urteilt Schöneberger folgerichtig über ihre Teilnahme an der sechsteiligen Sendung unter Leitung von Bully Herbig. Jede Menge Spaß hatte die umtriebige Münchnerin – ihres Zeichens Gastgeberin der NDR-Talkshow und diverser weiterer Formate, zudem Schauspielerin und Sängerin samt eigener Radiosendung und Zeitschrift – augenscheinlich dennoch. Was den Reiz der Show ausmachte, warum es mit Frauen witziger ist und wie sie auf die Debatte um politisch korrekten Humor blickt, verrät die 47-Jährige im Interview.

prisma: Gemeinsam mit neun Kolleginnen und Kollegen in einen Raum gesperrt über Stunden nicht lachen zu dürfen – klingt eher nach einer Qual. Hat es dennoch Spaß gemacht?

Barbara Schöneberger: Jede Sekunde in diesem Raum hat sich gelohnt. Ich habe noch niemals so etwas Tolles gemacht! Als ich zu Hause war, sagte ich direkt zu meiner Managerin: Wenn die noch einmal irgendwas für diese Show anfragen – ich mache alles! Ich will da noch einmal hin.

prisma: Was war das Besondere daran?

Schöneberger: Dieser Druck, lachen zu wollen, es aber nicht zu dürfen, besitzt eine völlig neue Humorqualität. Ich habe dabei gelernt, dass Vorfreude die schönste Freude ist. Zu wissen, dass ich gleich lachen muss, genoss ich fast mehr als das tatsächliche Lachen.

prisma: Sozusagen kurz vor dem Höhepunkt?

Schöneberger: Ja, als käme gleich der Orgasmus. Ein prä-orgastisches Gefühl – wie in die Sonne zu schauen und gleich niesen zu müssen, dieses Kitzeln in der Nase. Das Kurz-Davor ist besser als das Lachen selbst. Deshalb wollte man sich die ganze Zeit in dieser Position halten. Und lustigerweise ist das auch nicht zu faken.

prisma: Machte das die Show besonders authentisch, wie man so schön sagt?

Schöneberger: Man konnte nicht einfach sagen: Wir tun jetzt mal alle so, als dürften wir nicht lachen. So wie man das manchmal macht, um die Kinder beim Abendessen ruhig zu kriegen – und dann sagt das erste Kind schon nach drei Sekunden etwas, weil es ja keine Konsequenzen gibt. Im Gegensatz dazu diese wirkliche ernste Situation: Wenn du lachst, fliegst du raus! Diese Haltung braucht es.

prisma: Nun kennt man Barbara Schöneberger als eine Person, die gerne viel und herzlich lacht. Für das Format waren Sie eigentlich ein gefundenes Fressen, oder?

Schöneberger: Für die Show war ich völlig falsch! Aber das sah nicht nur ich so – auch alle anderen fanden, dass ich dafür nicht die Richtige war (lacht). Was mich am meisten schockte: Anfangs sollten alle benennen, wen sie für den Schwächsten halten und vor wem sie am meisten Angst haben. Fast alle nannten Teddy Teclebrhan und Mirko Nontschew als Angstgegner – und alle glaubten, dass ich als erstes rausfliege! Das war ein bisschen gemein, muss ich ehrlich sagen.

prisma: Aber ist nicht an dem Klischee etwas dran, dass Sie durch fast alles zum Lachen gebracht werden können?

Schöneberger: Klar, und bisher war das ja auch meine Qualität. Ich bin jemand, der aus purer Empathie und Harmoniesucht mit anderen lacht – sogar dann, wenn es noch nicht mal lustig ist! Weil ich einfach möchte, dass die Leute sich wohlfühlen. Wie oft habe ich Gäste in meinen Sendungen sitzen, die sich um Kopf und Kragen reden, und ich bin dann diejenige, die während der ganzen Show lacht. Weil ich denke: Jetzt ist der extra gekommen, und man will ihn ja auch nicht so alleine lassen. Ich gelte als angenehme Gesprächspartnerin, bin keine, die den anderen schlecht aussehen lässt. Also lache ich auch schon bei einem viel geringeren Reiz, die Schwelle ist niedrig.

prisma: Mit anderen Worten: schlechte Voraussetzungen für ein Format wie "LOL". Machten die anderen Teilnehmer Ihnen das Leben absichtlich besonders schwer?

Schöneberger: Ich rechnete nicht damit, dass es so auf Angriff gebürstet sein würde. Ich dachte, wir wurschteln uns da am Anfang durch, und ich schneide dabei ein paar Zwiebeln und Tomaten. Als Teddy dann versuchte, schon nach ein paar Minuten seine erste Nummer abzufahren, glaubte ich, ich seh nicht richtig! Ich dachte: Das war's! Es stieg in mir auf, und ich hatte dem nichts entgegenzusetzen. Ich glaube, man hat mich auch ausgewählt, weil man jemanden brauchte, der nicht nur lustige Sachen macht, sondern auch darauf reagiert. Ich war das klassische Opfer.

prisma: Welche Art von Humor kriegt Sie am schnellsten – Stichwort: Angstgegner?

Schöneberger: Es gibt Leute, die ich lustig finde, ohne das erklären zu können. Natürlich lache ich auch über intellektuellen Wortwitz. Aber wenn der Teddy mit angeklebtem Schnauzbart und im schwäbischen Akzent etwas sagt, muss ich leider augenblicklich lachen. Es ist eine Mischung aus seiner Stimme, Bewegung und Physiognomie. Auch hat er so eine Ruhe und genießt es auf einer Bühne zu stehen. Das haben nur ganz wenig Leute.

prisma: War es für Sie auch eine Herausforderung als Moderatorin und Entertainerin mit vielen klassischen Comedians zu konkurrieren?

Schöneberger: Ich bin kein Wettbewerbsmensch, Wettbewerbe machen mir Angst. Aber ich konnte das auch genießen. Schließlich war es ein sehr freundliches Umfeld, es ging überaus sympathisch und sehr kollegial zu. Das machte es wiederum aufregend, in so einem Wettbewerb zu stehen. Und zu merken: Die machen Sachen besser als ich. Vieles von dem, was die anderen tun, kann ich nicht. Ob abrupte Aktionen wie von Mirko Nontschew oder Stand-up-Comedy wie von Anke Engelke – so etwas habe ich nicht drauf.

prisma: Mit Ihren Fähigkeiten konnten Sie nur wenig punkten?

Schöneberger: In dieser Sendung konnte nichts von dem greifen, was ich sonst benutze. Der Druck war wahnsinnig groß. Erstmals war ich wieder in einer Situation, in der ich nicht wusste, wie ich das handeln soll. Wenn du all deiner Sicherheit beraubt wirst, geht es an die Substanz.

prisma: Hat das Format Ihnen also auch zugesetzt?

Schöneberger: Ich nehme die Dinge ja wirklich leicht und bin niemand, der sich unnötig über etwas Gedanken macht. Aber ich verstehe, wenn man das Format mit gemischten Gefühlen verlässt: Erst war es die lustigste Show der Welt, dann ein hartes Psychoexperiment. Ein Gefühl, als würde man durch den Fleischwolf gedreht.

prisma: Hatten Sie sich selbst eine Strategie zugelegt?

Schöneberger: Ich bin kein Mensch für Strategien. Bei mir funktioniert es ohnehin nur, wenn ich spontan bin. Wenn ich einen Gag an einer bestimmten Stelle machen müsste, blockiere ich. In keiner meiner Sendungen ist etwas geskriptet. Das kann ich nicht und das will auch keiner.

prisma: Spüren Sie überhaupt noch Druck in Ihren Sendungen?

Schöneberger: Dafür bin ich schon zu lange dabei. Im Gegenteil, mittlerweile stehe ich manchmal kurz vor der Sendung mit Gottschalk und Jauch hinter der Tür, und dann erzählt einer noch ein paar Sekunden vor Beginn einen Schwank vom Weinberg.

prisma: Brachten Sie diese Lockerheit schon mit – oder mussten Sie das im Laufe der Jahre lernen?

Schöneberger: Irgendwann verstehst du, dass es gewisse Dinge braucht, um einen Abend zu gestalten. Früher wurde ich von Unternehmen gebucht, bin auf die Bühne und hatte mir nur so halbherzig etwas überlegt. Da dachte ich immer: Hoffentlich sind die Leute gut drauf! Im Laufe der Zeit merkte ich dann: Am Publikum liegt es nicht, wenn es nicht funktioniert. Ich muss es machen – und dafür muss ich bestimmte Voraussetzungen mitbringen.

prisma: Welche zum Beispiel?

Schöneberger: Zum einen viel Erfahrung, zum anderen eine völlige Abgebrühtheit. Aber es gehören auch Dinge dazu, von denen man weiß, dass sie funktionieren: Diesen Spruch machen, ins Publikum gehen – dann hast du die Leute.

prisma: Kürzlich sagten Sie in einem Interview, man könne heute nicht mehr "einfach mal" lachen. Hat dieser Eindruck in den letzten Jahren Ihren Humor beeinflusst?

Schöneberger: Ich glaube, verändert hat es ihn nicht. Ich lache noch immer am liebsten über politisch Unkorrektes – wie die meisten Leute wahrscheinlich. Dabei setze ich die Intelligenz der Menschen voraus: Zu erkennen, dass jemand über etwas Witze macht, ohne dass es seine Meinung spiegeln muss. Diese kontextbasierte Einordnung von Gags fällt heute weg. Der Gag wird rausgenommen, hingestellt – und dann heißt es: "Jetzt hat sie das gesagt". Es wird nicht mehr beurteilt, warum sie das gesagt hat oder was sie bisher in ihrem Leben gesagt hat.

prisma: Kann die Political Correctness den Humor nicht auch von so mancher Altlast befreien?

Schöneberger: In manchen Punkten ist das sicher gut. Es ist richtig, über Dinge nachzudenken und sie zu bearbeiten. Wir lachen zum Glück über vieles nicht mehr, worüber wir früher lachten.

prisma: Aber?

Schöneberger: Political Correctness wird von vielen gepredigt – aber kaum eingehalten. Oft ist es ja so: Wer das Dogma am höchsten hält, verstößt am meisten gegen die Regeln. Deshalb bin ich gegen solche Dogmen – sondern dafür, weiterhin über alles viel zu lachen. Denn Lachen ist etwas Demokratisches. Wenn wir alle viel lachen, vor allem über uns selbst, sind wir auf einem guten Weg.

prisma: Sie sagten einmal, mit Frauen sei es lustiger. Sind Frauen den Männern humortechnisch voraus?

Schöneberger: Das merke ich vor allem bei Veranstaltungen mit Publikum. Wenn das überwiegend weiblich ist, ist es tausendmal lustiger als mit Männern. Ich trete am liebsten vor Frauen auf. Frauen lachen über meine Art von Humor. Ich würde sagen: Ich habe einen typischen Frauenhumor. Wenn ich über mich und mein Leben erzähle, über meine Figur und die Veränderungen meines Körpers, können Frauen darüber lachen. Männer hingegen möchten sich nicht vorstellen, wie sich mein Körper verändert hat. Deshalb bin ich für ein möglichst großes Frauenpublikum immer dankbar. Da gibt es auch morgens 9 Uhr schon beste Stimmung.

prisma: Ist das bei Ihnen auch im Privaten so?

Schöneberger: Zunehmend! Ich muss zugeben: Mit den Jahren werde ich immer feministischer – auch in meinen persönlichen Ansichten. Inzwischen bin ich fest davon überzeugt, dass Frauen anders sind als Männer. Das hätte ich vor zehn Jahren noch nicht so unterschrieben! Trotzdem: Ich bleibe ein Männerfreund!

prisma: Dennoch: Braucht es Ihrer Ansicht nach mehr weibliche Stimmen im Entertainment und in der Comedy?

Schöneberger: Nicht im Sinne von 50 – 50. Wir brauchen möglichst viele lustige Leute. Leute, die aber auch wissen, wo die Grenzen sind. Das finde ich wichtig: anständig sein, bestimmte Grenzen nicht überschreiten. Es geht nicht darum, tabulos zu sein. Wir brauchen Menschen, die neue Wege beschreiten. Ob die nun männlich oder weiblich sind, ist mir wurscht.


Quelle: teleschau – der mediendienst GmbH
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