Deutsche Fußballgeschichte

Die größten WM-Momente der DFB-Elf

08.06.2026, 14.21 Uhr
Kein anderer Sport löst in ganz Deutschland eine größere Faszination aus als der Fußball. Gerade zu besonderen Ereignissen wie der Fußball-Weltmeisterschaft sitzen Millionen von Zuschauern vor den heimischen Fernsehbildschirmen. Dabei erfuhr die deutsche Nationalmannschaft sowohl triumphale Siege als auch bittere Pleite ein. Wir haben einige dieser Momente für euch zusammengestellt.

Das Wunder von Bern: 4. Juli 1954

Das Wunder von Bern. So wird der für viele bis heute überraschende und erste WM-Titel der Nationalmannschaft der Bundesrepublik Deutschland (BRD) genannt. Nur neun Jahre nach dem Ende des Krieges war es ein bedeutender Moment für viele Deutsche. Gegner im Wankdorf-Stadion waren die Ungarn – seit dem 14. Mai 1950 ungeschlagen, seit 1952 amtierender Olympiasieger. Auch bei den Buchmachern waren sie haushoher Favorit, in der Heimat stand der Sieg bereits fest. Eine Niederlage schien ausgeschlossen. Eine Sonderbriefmarke für die kommende Weltmeisterschaft war ebenfalls gedruckt und hinter dem Budapester Nep-Stadion wurden die Sockel für 17 überlebensgroße Denkmäler errichtet. Bis heute befinden sie sich dort- als Mahnmal für ihre sträfliche Leichtsinnigkeit. Doch zunächst schien alles auf einen erneuten Sieg der Ungarn hinauszulaufen.

Nach acht Minuten stand es bereits 0:2. Puskas und Czibor erzielten die Tore nach entscheidenden Abwehrfehlern der deutschen Elf. Nun brauchten die Deutschen wirklich ein Wunder. Mit deutschen Tugenden und einem Wissensvorsprung drehen sie das Spiel: Schraubstollen waren damals eine Spezialität der Deutschen und in der Welt noch nicht bekannt. Diese entpuppen sich als Geheimwaffe. Während die Ungarn bei Regen immer wieder ausrutschen, sorgen Max Morlock und Helmut Rahn für den 2:2 Pausenstand. Letzterer erzielte dann auch das entscheidende Siegtor zum 3:2, als Resultat eines Schusses aus dem Hintergrund. Ein Schuss, der nahezu jedem deutschen Fan bis heute in Erinnerung geblieben ist. Historiker sehen in dem Sieg gegen Ungarn bis heute den eigentlichen Gründungstag der BRD. Im Laufe der Jahre wurden die inzwischen alle verstorbenen Weltmeister zu den „Helden von Bern“ und ihr Triumph zu einem „Wunder von Bern“. Bücher wurden verfasst und 2004 erschien ein Film ins Kino, der auch Menschen berührt, die 1954 noch nicht miterlebt haben. Folgerichtig sind fast allen Spielern in ihren Heimatorten Denkmäler errichtet oder Straßennamen gewidmet worden. Gleiches gilt für den Erfolgstrainer Sepp Herberger, an welchen bis heute die „Sepp-Herberger-Stiftung“ erinnert.

Das Wembley Tor: 30. Juli 1966

Im Londoner Wembley-Stadion stehen sich Gastgeber England und Deutschland im Finale gegenüber und liefern sich einen erbitterten Fight im Kampf um den Pokal. Über einen längeren Zeitraum hinweg steht es unentschieden, 1:1. Doch zwölf Minuten vor dem Ende der regulären Spielzeit geht England in Führung und für die Fans der deutschen Nationalmannschaft die Welt unter. Doch dann geschieht das Wunder: in der 90. Minute gleicht Deutschland aus und es geht in die Verlängerung. In der 101. Minute kommt es dann zu einem Moment, der bis heute umstritten ist: der englische Spieler Geoff Hurst schießt den Ball aus kurzer Entfernung auf das Tor. Der Ball prallt daraufhin an der Unterkante der Latte ab, landet auf dem Rasen und wird letztendlich vom deutschen Abwehrspieler Wolfgang Weber mit einem Kopfstoß aus der brenzligen Situation entschärft. Der Schiedsrichter gibt einen Eckball, während die Engländer jubeln und die Deutschen mit Unsicherheit glänzen. Nach einer kurzen Beratung mit dem Linienrichter wird das Tor offiziell anerkannt und entscheidet das Spiel zugunsten der Engländer: sie werden 1966 Weltmeister im legendären Wembley-Stadion.

Das Endspiel gilt bis heute als eines der umstrittensten Spiele der WM-Geschichte. War der Ball wirklich hinter der Torlinie? Nicht nur auf Seiten der deutschen Mannschaft und ihren Fans wird das angezweifelt und beschert ihnen einen der bittersten WM-Momente überhaupt. Jahrzehntelang versuchen Experten endlich Klarheit in die Situation zu bringen- mit Erfolg: eine Studie der Universität Oxford konnte bereits in den 90ern belegen, dass sich der Ball nicht hinter der Linie befand. 2006, zum vierzigjährigen Jubiläum des Wembley-Tors und zum Start der Weltmeisterschaft in Deutschland konnte eine weitere Untersuchung bestätigen, dass es sich damals nicht um ein Tor gehandelt hat. Doch diese Erkenntnis kann das Ergebnis von damals nicht ungeschehen machen und gehört bis heute zu einer der bittersten Niederlagen in der deutschen Fußballgeschichte.

Deutschland besiegt die Niederlande: 7. Juli 1974

Erstmals findet vom 13. Juni bis 7. Juli 1974 die Fußball-Weltmeisterschaft in Deutschland statt, geprägt vom Dauerregen im Sommer und begleitet von einer „goldenen Generation“. Die deutschen Stars um Franz Beckenbauer, Wolfgang Overath und Gerd Müller entfachen den „Geist von Malente“ und begeistern die Massen. Am Ende holt sich Deutschland den Pokal nach einem 2:1 Sieg gegen die Niederlande. Kein einfacher Weg, denn trotz des hochklassisch besetzten Kaders von Bundestrainer Helmut Schön, gelingt der Sieg nicht nur durch eine Dominanz der Offensive, sondern vielmehr durch taktische Klugheit und defensive Stärke.

Der Mannschaft gelingt es, Spiele richtungsweisend zu lenken, das Spiel des Gegners zu lesen und zu kontrollieren und folgerichtig in den entscheidenden Momenten die Weichen zu stellen. Dies zeigt einmal mehr das Spiel gegen die Niederlande, als die Deutschen nach einem frühen Rückstand über Struktur und Leistungsstreben wieder zurück in die Spur finden. Dabei spielt u.a. Berti Vogts eine bedeutende Rolle: er erhielt von Trainer Schön die Aufgabe, den spielerischen Mittelpunkt der Niederländer, Johan Cruyff zu entschärfen und auszuschalten. Dieses gelang zunächst nicht, im weiteren Verlauf des Spiels aber glänzt er mit exzellenter Manndeckung und schaffte es, durch seine Defensivarbeit den Ausgang des Spiels entscheidend mitzugestalten.

Deutschland besiegt Argentinien: 8. Juli 1990

Am 8. Juli 1990 wird Deutschland in Italien zum dritten Mal Weltmeister. Im Finale in Rom gewann die DFB-Auswahl 1:0 gegen Argentinien. Lange steht es 0:0, bis zur 85. Spielminute, als Andi Brehme zum Elfmeter anläuft und zum Helden wird. Die DFB-Elf rund um Trainer Franz Beckenbauer, für den es die „Kaiser-Krönung“ ist, entscheidet das Spiel für sich. Dabei zog sich Schütze Lothar Matthäus wegen angeblicher Schuhprobleme zurück, woraufhin Andi Brehme selbst ran musste. Er erinnert sich noch kurz vor dem entscheidenden Schuss an die Worte von Teamkollege Rudi Völler: „Rudi Völler ist noch zu mir gekommen und hat gesagt: ´So, den machst du jetzt rein, dann sind wir Weltmeister. ´ Und ich hab geantwortet: ´Na schönen Dank! Ich werd´s mir zu Herzen nehmen“.

Was er auch getan hat. Er schoss den Ball ins linke Eck, während Torhüter Sergio Goycoechea vergeblich versuchte das Schlimmste zu verhindern. Doch das gelingt ihm nicht. Am Ende triumphierte Deutschland mit 1:0 gegen Argentinien. Nach dem Sieg machte Franz Beckenbauer seine legendäre einsame Runde über den Rasen. Damit ist der „Kaiser“ bis heute einer der wenigen Personen weltweit, die den WM-Titel sowohl als Spieler (1974) als auch als Trainer (1990) erringen konnten. Momente, die in der WM-Historie bis heute unvergessen bleiben.

Deutschland besiegt Argentinien erneut: 13. Juli 2014

Zum vierten und letzten Mal wird Deutschland im Jahr 2014 in Brasilien Weltmeister und das Dank Mario Götzes „Tor für die Ewigkeit“ in der 113. Minute, wie es der damalige Bundestrainer Joachim „Jogi“ Löw formuliert. Doch bis dahin ist es ein harter Kampf gegen die Argentinier, unter welchen insbesondere Bastian Schweinsteiger zu leiden hat. Der Mittelfeldantreiber wirft sich in jeden Zweikampf, fightet und muss viel einstecken. Das Foto des blutenden Bayern-Profis geht um die Welt, als er einen Cut unter dem Auge erhält. Doch dieser zeigt sich weiter kämpferisch: statt am Boden zu bleiben steht er immer wieder auf, alles für das große Ziel, wie er einst selbst verrät: „Mir tat körperlich zwar alles weh, aber der Kopf und der Wille waren komplett da. Für mich war es das beste Spiel, das ich je gemacht habe, weil ich einfach unheimlich präsent war“.

Für Christoph Kramer hingegen ist nach 30 Minuten Schluss. Kurzfristig war er für den angeschlagenen Sami Khedira ins Aufgebot gerückt, wird vom Argentinier Ezequiel Garay aber heftig mit der Schulter am Kopf getroffen, sodass er sogar kurzzeitig das Bewusstsein verliert und ausgewechselt werden muss. Für Kramer kommt Andre Schürrle ins Spiel, der Götzes Messi-Moment in der 113. Minute möglich macht. Doch zuvor muss dieser Götze vom Bundestrainer überhaupt erst einmal eingewechselt werden. Bevor dieser das Spielfeld betritt, gibt Löw ihm noch einige Worte mit auf den Weg: „Jetzt hast du vielleicht die Chance der Welt zu zeigen, dass du besser bist als Messi, indem du etwas Entscheidendes für uns machst und wir das Spiel gewinnen“. Und Götze zeigt, was er draufhat. Toni Kroos schickt Schürrle mit einem einfachen, aber taktisch überlegten Pass auf den linken Flügel, Götze zieht gekonnt nach innen und macht die Seite frei, in die Schürrle dann hineinstößt. Alles andere ist Geschichte: Schürrles punktuelle Halbfeldflanke und Götzes Brustannahme mit direktem Abschluss ins lange Eck mit links. „Besser als Messi“, findet Löw.

Doch was sagt der Torschütze selbst zu seinem genialen Schachzug? „Das sind diese Momente im Fußball, da muss so viel zusammenlaufen und das Glück auf deiner Seite sein“. Ein Moment, den auch die deutschen Fußballfans im Stadion und auch vor den Fernsehbildschirmen weltweit nie mehr vergessen werden.

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