Bei "Maischberger"

Nach Bidens TV-Desaster: US-Politologin glaubt nicht an seinen Rückzug

04.07.2024, 09.26 Uhr
von Marko Schlichting

Vier Monate vor den Präsidentschaftswahlen in den USA: In der ARD-Talkshow "Maischberger" trafen zwei US-Amerikanerinnen aufeinander, um über Joe Bidens Chancen nach seinem TV-Duell mit Donald Trump zu diskutieren.

Weltanschauungen prallen aufeinander

Wer den Auftritt von US-Präsident Joe Biden beim Fernsehduell mit seinem Herausforderer Donald Trump in der Nacht zum vergangenen Freitag gesehen hat, konnte fast Mitleid bekommen mit dem Präsidenten. Da sah man einen sichtbar gealterten Politiker, der immer wieder heiser vor sich hin nuschelte und des Öfteren den Faden verlor. Ein Desaster, da waren sich die meisten Journalisten in Deutschland einig. In den USA sieht man das ähnlich. Den Eindruck jedenfalls hatte man, wenn man den beiden Gästen zuhörte, die Sandra Maischberger am Mittwochabend in ihre Talkshow im Ersten eingeladen hatte.

Die deutsch-amerikanische Politologin Cathryn Clüver Ashbrook ist immer mal wieder in deutschen Talkshows zu Gast ist und verteidigt die Demokraten gerne. Nadja Atwal ist laut des ARD-Talks Moderatorin beim konservativen US-Sender Fox. Doch das stimmt nicht ganz. Sie ist eher für anderes bekannt. 2013 wurde sie vom Viva Glam Magazine zur "sexiesten Powerfrau aller Zeiten" gekürt. Das Ex-Model, dessen Kleiderkreationen von Schauspielerinnen wie Alexandra Kamps oder Supermodel Joanna Krupa getragen werden, sollte bei Maischberger nicht die toughe Unternehmerin raushängen lassen.

Auch tiefgreifende Politanalysen wurden von der Wahlamerikanerin nicht erwartet. Sie sollte einfach nur berichten, was sie fühlt. Und da kommt ihre Arbeit bei Fox besser an als die für RTL (Promis suchen ein Zuhause). Obwohl die ARD die Ex-Schleswig-Holsteinerin als Moderatorin verkauft, tritt die PR-Expertin eher in einigen US-TV-Shows als Stilberaterin auf, unter anderem bei Fox.

Fox-Moderatorin über Bidens TV-Desaster: "Nun hat es die ganze Welt gesehen"

Dass Joe Biden als US-Präsident wiedergewählt wird, glaubte Nadja Atwal jedenfalls nicht. Schon gar nicht nach dessen vergeigtem Fernsehauftritt. "Wenn das ein Boxkampf gewesen wäre, hätte ihn der Richter wahrscheinlich schon in der ersten Runde abgebrochen", urteilte sie. Für Anhänger der "demokratischen Medien", also CNN oder New York Times, sei der Auftritt Bidens eine Überraschung gewesen. Denen sei immer suggeriert worden, der Präsident sei gesund, in Topform und super smart. "Nun hat es die ganze Welt gesehen", sagte Atwal. Und nun befürchten ihrer Ansicht nach die Demokraten, dass sie die Wahlen verlieren.

Der Grund dafür sei aber nicht nur das Fernsehduell. Die Menschen in den USA würden sich unter der Biden-Administration nicht wohl fühlen, befand Nadja Atwal. Da seien unter anderem die Probleme durch die illegalen Einwanderer. "Das Gefühl von Sicherheit ist nicht da. Und die Leute haben auch das Bedürfnis nach stärkerer wirtschaftlicher Sicherheit. Man kann den Leuten nicht sagen, alles sei in Ordnung, wenn sie am Ende des Monats jeden Pfennig zweimal umdrehen müssen." Deshalb sei es "sehr schwer für Joe Biden, die Mehrheit zu bekommen. Ich sehe das nicht."

Dabei sei die Inflation unter Biden deutlich gesunken, warf Politologin Cathryn Clüver Ashbrook ein. Ja, aber sie sei immer noch zu hoch, erwiderte Nadja Atwal.

Politologin vor US-Wahl: "Es ist noch nicht aller Tage Abend"

Dass jedoch Joe Biden jetzt noch hinschmeißt, konnte sich Ashbrook nicht vorstellen. Immerhin sei er als Präsidentschaftskandidat von den Mitgliedern der Demokraten gewählt worden. Biden müsse entweder von sich aus als Kandidat zurücktreten, oder ein Parteitag müsse ihn abwählen, zum Beispiel aus gesundheitlichen Gründen. Aber das sei unwahrscheinlich.

Die Politologin hatte sich sogar noch ein wenig Optimismus bewahrt. Nachdem der Supreme Court im Falle von Donald Trump die Immunität eines ehemaligen Präsidenten gestärkt und den Abbau bestimmter Institutionen erlaubt habe, könnten sich einige Nichtwähler unter den Demokraten entschließen, doch ihre Stimme abzugeben. "Und vier Monate Wahlkampf sind noch lang. Es ist noch nicht aller Tage Abend."


Quelle: teleschau – der mediendienst GmbH

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