Anspruchsvoller Krimi zwischen Elite-Schule und Ost-West-Seilschaften
Die Welt eines abgelegenen Elite-Internats, politische Ränkespiele alter Ost-West-Seilschaften, westdeutsche Altlinke und ihre gewalttätige Vergangenheit und natürlich einige Eltern-Kind-Geschichten. Der von der Journalistin Frauke Hunfeld geschriebene Zweiteiler "Tod im Internat" von 2017 erzählt viele Geschichten, wirkt dabei aber ein wenig überfrachtet.
Man muss sich konzentrieren, um in diesem 210 Minuten langen deutschen Politthriller nicht den Faden zu verlieren. Nadja Uhl spielt eine "undercover" als Lehrerin in ein Internat eingeschleuste LKA-Ermittlerin, die das Verschwinden der Tochter ihres zukünftigen Chefs (Joachim Król) aufklären soll. 3sat wiederholt die beiden Teile am diesem und am Freitag,, 26. Juni, im Rahmen des 3satKrimisommers.
Verschwundene Schülerin löst Ermittlungen im Elite-Internat aus
Sophie (Emma Drogunova), die Tochter des designierten LKA-Präsidenten (Król), verschwindet aus dem Elite-Internat "Erlengrund" in der Nähe Frankfurts. Polizistin Isabell Mosbach (Uhl), die selbst früher das Internat besuchte, wird als neue Sportlehrerin in der Lehranstalt etabliert. Über ihren Kollegen Julian Sellinger (Hanno Koffler) hält sie Kontakt zur ermittelnden Behörde.
Eigentlich war die alleinstehende LKA-Ermittlerin gerade mit der Nachlassverwaltung ihrer Mutter beschäftigt. Der Trip in die eigene Vergangenheit löst in Isabell Gefühle und Erinnerungsbilder aus, die sie zeitweise verstören. Vor allem, als sie bemerkt, dass in "Erlengrund" auch heute wieder junge Leute mit ihrem Leben kämpfen. Bald gibt es einen Todesfall an der Schule, der die Ermittlungen noch komplizierter macht ...
Ein deutscher Krimi mit vielen großen Gesellschaftsthemen
Nein, um Missbrauch von Schülern geht es nicht in diesem Film – dafür aber um ein halbes Dutzend andere große Gesellschaftsthemen, mit denen im anspruchsvoll anmutenden deutschen Kriminalfilm gerne gespielt wird. Auf einer zweiten Ebene hinter diesen Handlungssträngen geht es um die Last der unausgesprochenen Vergangenheit, die auf künftige Generationen übertragen wird und auf ihnen lastet. Und es gibt gleich mehrere kriminalistische Rätsel zu lösen, die Isabell Mosbach und Julian Sellinger ins Schwitzen bringen.
Das alles wird den Menschen vor den Bildschirmen solide und von vielen guten Schauspielern nahegebracht, darunter Joachim Król, Martin Feifel, Oliver Stokowski und Max Hopp. Dennoch könnte man beim Zuschauen auf die Idee kommen, hier habe jemand sehr lange Karteikarten mit Handlungssträngen hin und hergeschoben, um sehr viele Ideen und Themen irgendwann halbwegs rund zu bekommen.
Drehbuchautorin Frauke Hunfeld, die seit den 90er-Jahren hauptberuflich als Korrespondentin in Leipzig, New York und Berlin unter anderem für den "Stern" arbeitete, hat sich mit ihrem Thriller-Rundumschlag bisweilen ein bisschen zu viel vorgenommen. Der mit 210 Minuten lang wirkende Thriller fordert indes aber fraglos die kriminalistische Intelligenz des Zuschauers und regt zum Mitdenken an.
Tod im Internat (1) – Fr. 19.06. – ZDF: 20.15 Uhr
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Quelle: teleschau – der mediendienst GmbH