Thriller-Meisterwerk

"Wild Things": Ein wilder Ritt durch die 90er

28.06.2024, 06.44 Uhr
von Jasmin Herzog

"Wild Things" von John McNaughton entpuppt sich als meisterhafte Mischung aus Teenie-Soap, Gerichtsdrama und Thriller. Denise Richards brilliert als gerissene Betrügerin

3sat
Wild Things
Thriller • 28.06.2024 • 22:01 Uhr

Die Stille, die über den vor schwüler Hitze dampfenden Everglades liegt, ist trügerisch. Zum treibenden Rhythmus der Musik von George Clinton fährt die Kamera aus der Vogelperspektive die Schauplätze des Geschehens ab. Von den dunklen Sümpfen geht es über die Skyline Miamis bis hin zur Blue Bay High School in einem noblen Villenviertel vor den Toren der Millionenmetropole. Schnörkelloser als in John McNaughtons Thriller "Wild Things" (1998), den 3sat nun zu später Stunde wiederholt, kann eine Exposition nicht sein. Doch was dann folgt, ist eine furiose filmische Achterbahnfahrt, bei der dem Zuschauer Hören und Sehen vergeht.

Regisseur McNaughton bürstet in "Wild Things" gleich mehrere Filmgenres gegen den Strich. Das Ganze beginnt wie eine typische Teenie-Soap im Stile von "Beverly Hills 90210". Die ironischen Untertöne sind dabei allerdings nicht zu übersehen. Das fängt schon beim Cast an. Bond-Girl Denise Richards schlüpft in die Rolle des verwöhnten Campus-Luders Kelly Van Ryan, das es auf den Vertrauenslehrer Sam Lombardo (Matt Dillon) abgesehen hat. Vollkommen gegen ihr Image als girl next door wurde "Scream"-Schönheit Neve Campbell ("The Company – Das Ensemble") besetzt.

Ein facettenreicher Film

Nachdem Kellys Annäherungsversuche bei ihrem Lieblingslehrer keinen zählbaren Erfolg gebracht haben, greift die frühreife Göre zu drastischeren Mitteln. Sie beschuldigt Lombardo, sie vergewaltigt zu haben, woraufhin auch Suzie den gleichen Vorwurf gegen den Pädagogen erhebt. Lombardo wendet sich an den zwielichtigen Anwalt Ken Bowden (Bill Murray, "Lost in Translation"), der ihm im anstehenden Prozess aus der Patsche helfen soll. Aus der Teenie-Soap wird kurzzeitig ein Gerichtsdrama. Als sich die angeblichen Vergewaltigungsopfer in Widersprüche verstricken, wird Lombardo freigesprochen. Zusätzlich erhält er eine Entschädigung in Höhe von mehreren Millionen Dollar.

Nun nimmt der Film aber erst richtig Fahrt auf. Eine überraschende Wendung jagt die nächste. Zwei der Betrüger werden selbst zu Betrogenen, denn wie sich zeigt, gibt es ein Mastermind, das die ganze Zeit über die Strippen gezogen hat. Doch auf die endgültige Lösung des verwickelten Plots muss der Zuschauer bis zum Abspann warten. Erst dann bekommt er die Szenen nachgeliefert, die das vorher Gesehene lückenlos erklären. Ein Film, so kreativ und wild wie die späten 90er-Jahren nun mal waren.

Wild Things – Fr. 28.06. – 3sat: 22.00 Uhr


Quelle: teleschau – der mediendienst GmbH

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