Caroline Link

Oscar-Preisträgerin Caroline Link Vergrößern
Oscar-Preisträgerin Caroline Link
Caroline Link
Geboren: 02.06.1964 in Bad Nauheim, Deutschland
Sternzeichen: Zwillinge

Als am 23. März 2003 im fernen Los Angeles der Oscar für den besten nicht englischsprachigen Film verliehen wurde, müssen in München die Sektkorken geknallt haben: keine Geringere als die deutsche Regisseurin Caroline Link wurde für ihre Stefanie-Zweig-Verfilmung "Nirgendwo in Afrika" (2001) mit dem begehrten Preis ausgezeichnet. An der Verleihung konnte sie allerdings nicht teilnehmen, da zu dieser Zeit ihre im Juli 2002 geborene Tochter Pauline, die sie mit ihrem Lebenspartner Dominik Graf hat, erkrankt war. Nach Marleen Gorris, die ebendiese Auszeichnung 1995 für ihre Familiensaga "Antonias Welt" überreicht bekommen hatte, war Link erst die zweite Frau, die mit dem Auslandsoscar prämiert wurde. 23 Jahre Jahre lang hatte man in Deutschland auf diese Auszeichnung gewartet, die davor zuletzt Volker Schlöndorff mit seiner Grass-Verfilmung "Die Blechtrommel" nach Deutschland geholt hatte.

Schon früh kündigte sich an, dass Link den Weg ins Filmgeschäft einschlagen würde. Nach dem Abitur und einem Jahr Auslandsaufenthalt in den USA jobbte sie zunächst als Praktikantin bei den Bavaria Film Studios. Und schon bald war sie als Script- und Regieassistentin bei diversen Fernseh- und Spielfilmprojekten tätig. 1986 schrieb sich Link an der Hochschule für Film und Fernsehen (HFF) in München ein und begann ihr Studium im Fachbereich Dokumentarfilm und Fernsehpublizistik. Bereits ihr Abschlussfilm "Sommertage" mit Birge Schade und Ulrike Kriener wurde 1990 auf den Hofer Filmtagen mit dem Kodak-Förderpreis ausgezeichnet. Nebenbei arbeitete sie weiterhin als Regieassistentin und Drehbuchautorin (u.a. für die Krimiserie "Der Fahnder").

1992 schließlich gab Caroline Link mit dem Kinderfilm "Kalle der Träumer" ihr TV-Regiedebüt und begann mit den Vorbereitungen für ihren ersten Kinofilm, das Familiendrama "Jenseits der Stille" (1996). Mit der Geschichte eines gehörlosen Elternpaares und seiner musisch begabten Tochter gelang Caroline Link zweifellos ein deutscher Ausnahmefilm, der ohne Übertreibungen eine lebensnahe Geschichte erzählt. Bei den unzähligen deutschen Beziehungskomödien und dem seelenlosen Action-Kino aus Hollywood war das Werk seinerzeit trotz geringer Mängel eine wohltuende Abwechslung. Der Film wurde zu Recht für einen Oscar als bester nichtenglischsprachiger Film nominiert und machte die Regisseurin und Drehbuchautorin auch international bekannt. Darüber hinaus gab es den Bayerischen Filmpreis, den Bundesfilmpreis in Silber, den Gildefilmpreis in Gold sowie im Ausland Preise als bester Film der Festivals von Tokio, Chicago, Vancouver und Kalkutta.

1998 versuchte sich Link dann an einem weiteren, ambitionierten Projekt: die Neuverfilmung des Erich-Kästner-Klassikers "Pünktchen und Anton". Allerdings inszenierte sie eine Pünktchen und Anton, der leider der Flair und der Charme von Thomas Engels Pünktchen und Anton von 1953 völlig fehlt. Auch wenn die Kinderdarsteller ihr Bestes geben, wirkt das Ganze leider viel zu süß und kitschig. Trotzdem wurde sie mit zahlreichen nationalen und internationalen Preisen geehrt, u.a. erneut mit dem Bayerischen Filmpreis. Drei Jahre später schaffte Link dann das, was ihr mit "Jenseits der Stille" nicht gelungen war: der Oscar für "Nirgendwo in Afrika". Die Geschichte jüdischer Exilanten, die in Kenia Zuflucht vor den Nazis fanden, wurde mit vier Deutschen Filmpreisen ausgezeichnet und war wie die vorangegangenen Werke auch kommerziell ein großer Erfolg: Alle drei Kinofilme von Caroline Link lockten jeweils zwischen 1,7 und 1,9 Millionen Zuschauer ins Kino.

Caroline Links Regiearbeit "Im Winter ein Jahr" kam schließlich im November 2008 in die Kinos. Trauer über allem. In dem gut besetzten Drama zeigt sie unterschiedliche Menschen und deren spezielle Verarbeitung von Trauer und entwirft dabei gleichzeitig das Bild einer gestörten Familienbeziehung. Das Ganze ist zwar ordentlich gespielt, wenn auch der Ausdruck der Trauer im nervig-asynchronen Tanz von Karoline Herfurth kaum bzw. reichlich überzogen wirkt, doch die eigentliche Geschichte schleppt sich langatmig dahin. Hier wurde Einfühlungsvermögen mit träger Langeweile verwechselt. Trotzdem gab es von der Deutschen Filmakademie 2009 den Deutschen Filmpreis in Silber. Weitere Filme von Caroline Link: "Exit Marrakech" (2013).

Foto: BR/Sessner


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