Cecil B. DeMille

Cecil Blount de Mille
Geboren: 12.08.1881 in Ashfield, Massachusetts, USA
Sternzeichen: Löwe
Gestorben: 21.01.1959 in Hollywood, Kalifornien, USA

Er war sozusagen der Erfinder der Kolossalfilme und einer der erfolgreichsten und fantasiebegabtesten Produzenten Hollywoods: Cecil B. DeMille. Mit seinem Tod verlor die Filmindustrie etwas Entscheidendes: den Rausch des Phänomenalen, Kolossalen, Monumentalen, den weder die 70-mm-Bildtechnik samt Dolby-Stereo noch Produzenten wie Lucas & Spielberg mit Krieg der Sterne und "Jäger des verlorenen Schatzes"-Sagas ersetzen konnten.

Cecil Blount DeMille kam als Laufbursche nach Hollywood. Sein Vater war Geistlicher der Episkopalkirche, lehrte an der Columbia-Universität und schrieb Stücke. Seine Mutter verdiente den Lebensunterhalt für die Familie: Sie eröffnete eine Mädchenschule und später mit großem Erfolg eine Theatercompany. Beide Eltern waren niederländischer Abstammung. DeMille studierte am Pennsylvania Military College in Chester. Als es in Mexiko Krieg gab, verließ er das College und versuchte sich zu melden, doch man ließ ihn nicht einziehen. Er war noch zu jung. Er ging nach New York an die Academy of Dramatic Art und erhielt im Alter von 19 Jahren sein erstes Engagement als Schauspieler.

Bald schrieb er - gemeinsam mit seinem älteren Bruder William C. - Stücke, komisches, tragisches und fantastisches Theater. DeMille war schon damals vielseitig beschäftigt, er stand auf der Schauspielbühne, sang in der Oper und fand dann ganz plötzlich im Film den Weg nach oben. Dies geschah, als er den Handschuhhändler Samuel Goldfish, dessen Schwager, ein Varieté-Manager namens Jesse Lasky, und einen Winkeladvokaten namens Arthur Friend kennen lernte. Mit ihnen gemeinsam gründete er die berühmte Jesse Lasky Feature Play Company, aus der später die "Paramount" hervorging und deren Generaldirektor er wurde. Goldfish, der quasi per Zufall zum Kino kam, ging übrigens später als Samuel Goldwyn in die Filmgeschichte ein. DeMille stand ihm an Ruhm jedoch in nichts nach.

Dies alles geschah 1913, DeMille war schon 32 Jahre alt. Jetzt wurde es auch Zeit, zu künstlerischem Ruhm zu kommen. Der Durchbruch gelang ihm gleich mit dem ersten Film. Er inszenierte aus einer Notsituation heraus, denn David Wark Griffith, den man engagieren wollte, forderte 200000 Dollar als Einstand. Das lag jedoch weit über dem Startkapital der Firma und dafür konnte man Dutzende von Filme finanzieren. So inszenierte DeMille - als einziger der Firma, der etwas vom Fach verstand - seinen ersten Film, den Western "The Squaw Man" (1914). "Der Mann der Indianerin" wurde auf Anhieb ein Erfolg, vor allem die Massenszenen gefielen dem Publikum. Dabei war es gar nicht DeMille selbst, der die Massen mobilisierte, sondern der deutschstämmige Second Unit Director Oscar Apfel. Apfel war ein Mann hinter den Kulissen. Niemand kannte ihn, niemand wusste um seine Existenz, er war einfach da, hatte geniale Einfälle, konnte zehn Indianer wie hundert, ein Dutzend Pferde wie ein ganzes Kavallerie-Regiment aussehen lassen. Dabei kam er eigentlich von der Bühne, war überhaupt kein Filmmensch, sondern einer, der dem Theater neue Impulse verschaffte. Kurzum ein Genie an Einfällen, ein fantasischer Lehrmeister.

DeMille dagegen war ein Arbeiter, einer, der alles ganz schnell begriff. Von Oscar Apfel lernte er noch ein zweites Mal. In "Brewster's Millions" half er Cecil B. beim Inszenieren, schon bald konnte der alles selbst. Beim dritten Film "The Call of the North" hatte DeMille seinen Massen-Experten nicht mehr nötig. Von da ab galt er als der Meister des aufwendigen Kostümfilms: Cecil B. DeMille war die Nummer Eins. 45 Jahre lang hatte er in Hollywood gearbeitet, war immer sein eigener Produzent, seit 1921 Präsident seiner eigenen Gesellschaft, später, 1932, schloss er sich mit seiner Firma der "Paramount" an und hatte dort eine Direktorenfunktion. Ob William Wylers "Ben Hur" oder Mervyn LeRoys "Quo Vadis" - sie alle beruhten auf der Tradition der DeMilleschen Monumentalfilme, seiner individuellen Form von Kostüm- und Ausstattungskino, wie sie später von Italienern wie Mario Bava oder Vittorio Cottafavi parodiert oder ad absurdum geführt wurden.

DeMille war Regisseur, vor allem aber Produzent und Arrangeur. Dass er später in seinem Remake von "König der Freibeuter" dem Kinostar Anthony Quinn die Regie überließ, obwohl der überhaupt keine Erfahrung hatte, war völlig unbedeutend. Die Geschichte funktionierte, das Ganze war geprägt vom Ausstattungs- und Schaugepränge, von der richtigen Starbesetzung, den Requisiten und den gigantischen Kulissen, die er zeitweilig selbst mitentworfen hatte. Die Endgestaltung der Filme war reine Routine, sie verlief nach einem sorgfältig ausgearbeiteten Plan, der von perfekten Technikern ausgeführt wurde.

Cecil B. DeMille drehte und drehte unermüdlich Western, Abenteuergeschichten, Liebesdramen. 1915 machte er Furore mit einer Kinoversion von Prosper Merimees "Carmen". Sicher hatte das Ganze mit der Entdeckung des Metropolitan-Opera-Stars Geraldine Farrar begonnen. DeMille war von der Frau begeistert, das Studio nahm sie unter Vertrag und nach einem Drehbuch seines Bruders inszenierte er zuerst ein anderes spanisches Liebesdrama "Maria Rosa", weil DeMille der Ansicht war, die Sängerin sei für eine so schwierige Filmrolle wie die Carmen noch zu unerfahren. Doch er hatte sie unterschätzt: Geraldine war ein schauspielerisches Talent.

Kurz nach "Maria Rosa" (1916) entstand im gleichen Jahr "Carmen". Cecil B. war immer schon von Musik begeistert, sie fehlte ihm mehr beim Kino als die Dialoge und als er "Carmen" inszenierte - so berichten Chronisten - habe es ständig Musikbegleitung im Studio gegeben. Mit "Carmen" stellte das Studio seinen neuen Star dem Publikum vor. "Maria Rosa" kam erst danach in die Kinos. Die Sopranistin Geraldine stellte sich sehr schnell aufs Kino ein und DeMille drehte mehrere Filme mit ihr. Schon zwei Wochen nach Schluss der Dreharbeiten von "Carmen" entstand der dritte Film "Temptation", danach DeMilles erster großer Historienfilm "Joan, the Woman" (1916). Geraldine Farrar war nach Maria Gasperini in Mario Caserinis Film von 1909 die zweite Heilige Johanna der Filmgeschichte - allerdings die erste, die man teilweise schon in Farbe bewundern konnte.

Denn DeMille experimentierte nicht nur mit Tönen, sondern auch mit Bildern - und da entdeckte er die Rembrandtsche Lichttechnik fürs Kino. Allerdings nutzte DeMille künstlerische Ausdrucksformen nie als Selbstzweck, sondern stets in dem Bestreben, Geschichten möglichst zeitgemäß und realistisch darzustellen. So entschied er sich beispielsweise für das Rembrandtsche Hell-Dunkel, als er an Mustern feststellte, dass Mund und Augen seiner Hauptdarstellerin unvorteilhaft wirkten. Das Licht war zu grell. Zwischentöne gab es nicht, so orientierte er sich an der Kunst und stellte sie in den Dienst seines Kino-Realismus. Als sein Kameramann, davon begeistert, diese Methode allzu oft und ohne Notwendigkeit anzuwenden versuchte, lehnte DeMille das ab.

Er suchte nicht nach neuem Stil, sondern nach möglichst wirkungsvoller, natürlicher Gestaltung. Aus dem gleichen Grund beschäftigte er sich gemeinsam mit Kameramann Alvin Wyckoff mit der eben für den Film entdeckten Farbe. "Joan, the Woman" entstand so teilweise in Color. Natürlich machte das Studio auch damit gezielte Werbung, man schrieb in den Ankündigungen stolz: "nach dem DeMille-Wyckoff-Farbverfahren". Damals drehte DeMille in einem Jahr ungewöhnlich viele Filme, allein 1916 entstanden 13 lange Spielfilme. Als er 1923 mit dem aufwändigen Bibel-Film "Die zehn Gebote" einen der größten Kinoerfolge der Zwanzigerjahre schuf, hatte er bereits 50 Spielfilme inszeniert. 2500 Mitwirkende, 3000 Tiere hieß es im Vorspann, in dem erstmals der Name Mitchell Leisen (später einer der wichtigsten Komödienregisseure Hollywoods) - hier noch als Dekorateur - erschien.

Als Regisseur von Kostüm- und Monumentalfilmen wurde Cecil B. DeMille bekannt, doch zu seinen schönsten Arbeiten zählte eine ganze Reihe von Ehekomödien, die mit kleinem Budget äußerst originell inszeniert wurden. Meist ging es um gescheiterte Ehen, Seitensprünge, Variationen der Carmen-Tragödie mit stattlichen Männern und zerstörerischen Frauen. Sie trugen kostbare Modellkleider und echten Schmuck. Gloria Swanson war eine der beliebtesten Darstellerinnen solcher zwielichtiger Damen, und ihr zu Ehren trat er 1950 selbst kurz vor die Kamera: als Cecil B. DeMille in Billy Wilders "Boulevard der Dämmerung". Doch DeMille, dessen erfolgreiche kleine Komödien zeitgenössische Filmkritiker mit Ernst Lubitsch verglichen, interessierte sich mehr für das Monumentale.

Der Tonfilm hatte neue Dimensionen geschaffen und DeMille selbst war bei der Gestaltung wieder ganz vorne. Er, der zum ersten Mal über Megaphon Regie führte, der bereits in den zwanziger Jahren über Mikrophon die Massen dirigierte, verblüffte durch seinen technischen Einfallsreichtum. Der Tonfilm kam und verschlang unglaublich viel Geld, aber DeMille holte alles wieder heraus. Die Bibel war dabei sein bevorzugter Stofflieferant. Warum? DeMille sagte dazu pfiffig: "Es gibt keine Lizenzprobleme, nie war ein Bibelfilm erfolglos und schließlich stehen darin die spannendsten, besten und wahrsten Geschichten". Es gab kein Abenteuer-Genre, das DeMille nicht hervorragend bediente: "Der Held der Prärie" (1936), "Union Pacific" (1939) und "Die Unbesiegten" (1947) gehören zu den schönsten Wildwest-Epen, "Der Freibeuter von Louisiana" (1938), "Piraten im Karibischen Meer" (1942) und das Remake, "König der Freibeuter" (1958) waren schöne, aufwändige Seeabenteuer.

Mit den drei frühen Epen "Im Zeichen des Kreuzes" (1932), "Cleopatra" (1934) und "Kreuzritter - Richard Löwenherz" (1935) hatte DeMille versucht, sich ebenso unterhaltsam wie ernsthaft mit dem Christentum auseinanderzusetzen. Mit "Die größte Schau der Welt" (1952) setzte der damals 70-Jährige sich ein Denkmal. Vom Zirkus ist sein Kino stets geprägt gewesen, im Zirkus kommen alle Abenteuerformen, alle sportlichen Wettbewerbe und Attraktionen zur Geltung: Menschen, Tiere, Sensationen, Leidenschaften in der Manege, in der Zirkuskuppel, hinter den Masken und in den Wohnwagen. Für DeMille war das Kino nie etwas anderes als Unterhaltung. Es war Abenteuer, Leidenschaft und Phantasie, und das alles birgt auch der Zirkus - sowie die Magie des ewigen Fantasten. Cecil B. DeMille war Mister Hollywood, war die Jahrmarktsattraktion Kino aus vollem Herzen bis zu seinem Tod.

Weitere Filme von Cecil B. DeMille als Regisseur: "Madame Satan" (1930), "Die scharlachroten Reiter" (1940), "Samson und Delilah" (1949) und "Die Zehn Gebote" (1956).


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