Jean-Jacques Annaud

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Regisseur Jean-Jacques Annaud
Fotoquelle: cinemafestival/shutterstock.com
Jean-Jacques Annaud
Geboren: 01.10.1943 in Draveil, Frankreich

Jean-Jacques Annaud, der Abenteurer unter Europas Filmregisseuren, hat für alle seine Filme weite Reisen unternommen. Für seinen vielleicht schönsten Film, "Sehnsucht nach Afrika" (1976), hat er den Auslands-Oscar erhalten. Das war der Debütfilm des ehemaligen Werbefilmers, der mit der Verfilmung von Umberto Eccos Bestseller "Der Name der Rose" 1985 ein Millionenpublikum erreichte.

Der Originaltitel "Noirs et blancs en couleur" charakterisiert den kolonisatorischen Widerspruch: schwarz ist nicht gleich schwarz, "Neger" nicht gleich "Neger", der Erste Weltkrieg macht aus deutschen "Negern" britische "Neger". Die Satire auf den Kolonialkrieg, auf den deutschen, britischen und französischen Nationalismus hat den Amerikanern so sehr gefallen, dass sie sich nach der Oscar-Verleihung Annauds Namen gemerkt haben.

Annaud macht sich lustig über Herren- und Untermenschen, dabei nimmt aber die Lust an der Kalauerei Oberhand und die Kritik am Nationalsozialimus verschont weitgehend die Franzosen. Was zündet, ist der Irrwitz in der Sprache, in den Auffassungen von Werten. Das ist originelles Kino, das Gegenteil von "Der Liebhaber" von 1991 nach Marguerite Duras.

Auf einer Fähre über den Mekong begegnen sich das junge weiße Mädchen von 15 und der gutaussehende Chinese, Mitte 30. Leicht wippend steht sie an der Reling, unschuldig, doch verführerisch in ihrem schlichten Kleid und dem großen Männerhut. Knapper Wortwechsel, die Einladung, mit ihm zu fahren, die zitternde Hand des Mannes, der umgeknickte Fuß der Kleinen, erste Annäherungen im Fond des Wagens, Funken fliegen über, bebende Nasenflügel, Augen, die sich schließen, Neugierde und ein tiefer Blick zum Abschied, mehr geschieht nicht beim ersten Mal. Doch dann begegnen sie sich wieder, ihn schreckt ihre Zerbrechlichkeit, sie ermutigt ihn, mit ihr zu tun, was er mit anderen Frauen auch tut. Und jetzt geht es so richtig los: Robert Fraisse saugt mit der Kamera die nackten Körper auf wie weiland David Hamilton in seinen gestylten Porno-Filmen.

Die Geschichte spielt im Französisch-Indochina der 20er Jahre, sie entstammt dem knappen, autobiografischen Roman der Marguerite Duras (1984 in Frankreich, 1985 bei Suhrkamp in Deutschland erschienen). Gerard Brach und Jean-Jacques Annaud haben das Drehbuch geschrieben, mit dem Marguerite Duras natürlich nicht zufrieden war, sie hat vielmehr nach Beginn von Annauds Arbeit ihre Drehbuchversion "L'amant de la Chine du Nord" (1991) veröffentlicht, vielleicht einmal für einen anderen Film.

Penetrant ist, wie in üblicher Weise Armut und Reichtum in pittoreskem Outfit gegeneinander abgesetzt sind. Annaud versucht zwar, die Ruhe und Gelassenheit des Milieus und Klimas von Indochina zu belassen, glaubt aber immer wieder die Exotik der Landschaft, das uns Westeuropäern Fremdartige besonders betonen zu müssen.

Anders als Lelouch, der dem Kitsch treu bleibt, versucht Annaud immer wieder Ambition mit Kommerz zu verbinden, das erschwert einem die Lust an seinen Filmen. Dabei hat der Absolvent der bekannten Vaugirard Schule am Pariser IDHEC und Literatur an der Sorbonne studiert, bevor er als Werbefilmer zahllose Preise erhielt.

Nach dem erfolgreichen Debüt und dem Oscar dreht er die wunderbare Komödie "Damit ist die Sache für mich erledigt" (1979) mit dem viel zu früh verstorbenen französischen Charakterdarsteller Patrick Dewaere. Zwei Césars bringt ihm die Rückkehr zu den Quellen der Menschheit in "Am Anfang war das Feuer" (1981), die Umberto-Eco-Verfilmung "Der Name der Rose" sorgt dafür, dass der Erfolg nicht abreißt: Ein gelehrter Franziskaner besucht gemeinsam mit einem Novizen eine Benediktinerabtei in Oberitalien und wird dort in minutiöser Kleinarbeit vier Morde aufklären. Umberto Ecos vielschichtiger Roman verkommt hier ein wenig zum klerikalen Krimi, ist aber auch in dieser Version sehenswert.

Süß und lieblich, aber dennoch optisch eindrucksvoll ist der Kampf des Titelhelden von "Der Bär" (1988) gegen den Jäger. Dann hat Annaud - dem Trend der Zeit folgend - "Sieben Jahre in Tibet" (1997) gedreht. "Ich will die Stille nicht mit Unsinn füllen. Ich will alles auf das Notwendigste reduzieren, auch als Schauspieler. Sparsame Bewegungen, reduzierte Sprache, klares Denken". Der amerikanische Schauspieler Brad Pitt fühlt sich durch die Rolle als österreichischer Bergsteiger, der dem Dalai Lama in Tibet begegnet, beeindruckt, ja verwandelt.

Im Jahr 2000 drehte Annaud hauptsächlich in und um Babelsberg die aufwändige 180-Millionen-Dollar-Produktion "Duell - Enemy at the Gates". Hier dient die Schlacht um Stalingrad, die die entscheidede Wende im Zweiten Weltkrieg brachte, als Hintergrund für das Duell zweier Scharfschützen. Außerdem war er als Drehbuchautor für den Film "Luckys große Abenteuer" tätig, bevor er 2004 mit "Zwei Brüder" erneut ein großes Tierabenteuer in die Kinos brachte.


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