Ettore Scola

Ettore Scola
Geboren: 10.05.1931 in Trevico, Italien
Sternzeichen: Stier

Als Arztsohn wächst Ettore Scola in Rom in einem Haus auf, wie er es später in seinem Film "Die Familie" (1987) porträtiert. Nach der Schule absolviert er ein Jurastudium, denkt aber nicht ernsthaft daran, den Beruf auszuüben. Sein Interesse, humoristische Geschichten zu schreiben, beginnt schon sehr früh, mit 21 veröffentlicht er Witze, Karikaturen und Erzählungen in der Satire-Zeitung "Marco Aurelio", wo er in guter Gesellschaft ist: Federico Fellini, Steno und das Autoren-Duo Age/Scarpelli schreiben hier.

Bald ist er nicht nur als Autor, sondern auch als Zeichner tätig. Seit 1950 arbeitet er auch für den Rundfunk und ist (teilweise ungenannter) Mitarbeiter der Autoren Agenore Incrocci, Ruggero Maccarian, Furio Scarpelli und Rodolfo Sonego bei etwa 50 Komödien für Regisseure wie Antonio Pietrangeli und Dino Risi. In einigen Fällen schreibt er spezielle Gags für Starkomiker wie Alberto Sordi und Totò. Mit dem Episodenfilm "Frivole Spiele", in dem Vittorio Gassman sieben ganz unterschiedliche Schönheiten verführt, debütiert Scola 1964, im gleichen Jahr entsteht die Gaunerkomödie "Auf eine ganz krumme Tour", in der Vittorio Gassman als römischer Patrizierspross und Mitglied der päpstlichen Garde die nichtsahnende Engländerin Joan Collins in einen großangelegten Dollarschmuggel einspannt.

In "Eifersucht auf Italienisch" (1970), mit Marcello Mastroianni, Monica Vitti und dem Lina-Wertmüller-Star Giancarlo Giannini geht es um Blutrache: Ein Neapolitaner tötet seine Geliebte, die einen anderen heiraten will. Das Ganze ist jedoch kein tragisches Drama, sondern eine Satire voller schwarzem Humor.

Scola ist Mitglied der PCI, der kommunistischen Partei Italiens. Seine Filme sind Bestandsaufnahmen, scharfsinnige Beobachtungen, Analysen. Die Trauer, das Böse, das Liebe, die Bewegung, die Starre, das tätige und das untätige Leben. Achtung gegenüber den Menschen, Liebe zu ihnen, das prägt seine Familien-Geschichten. Sie sind nicht kulinarisch, sondern karger, klarer, analytischer als bei Federico Fellini, dennoch fehlt ihnen nicht die Komik. Dabei hat er nichts von einem Professional, jeder seiner Filme ist neu, überraschend, vielfältig und besitzt einen eigenwilligen Stil.

Von Luchino Viscontis "Rocco und seine Brüder" über "Der Leopard" bis hin zu Lina Wertmüllers "Operation gelungen, Patient tot" gibt es im italienischen Kino die unterschiedlichsten Filme, in denen die heilige Familie porträtiert oder glossiert wird, der unvergleichliche Meister des zynischen Familienfilms war Luis Buñuel. Auch Scolas "Die Familie" repräsentiert Gesellschaft, Kirche und Staat, und wenn der Regisseur selbst sagt: "Ich hoffe, dass jeder einzelne in diesem Film seine eigene Familie wiedererkennt", ist das voller hintergründiger Ironie. Die Handlung in einer labyrinthisch verwinkelten Patrizier-Wohnung am Stadtrand von Rom umfasst Geschichte und Geschicke dreier Generationen, erzählt vom jüngsten und am Ende ältesten Glied der Herrschaft.

Die gesamte Familie im fürstlichen Wohnzimmer zum Gruppenbild vereint - so beginnt und endet das Epos, das durch seine ebenso locker flotte wie epische Art erstaunt: Geruhsam werden die verschiedenen Menschen und Räume erfasst und charakterisiert, doch dabei entstehen keine Längen. Selbst wenn Scola sich am Rande eine so vergnüglich karikierte Szene wie die mit Jean-Luc (Philippe Noiret in einer herzhaften Posse) leistet, sprengt das nicht den Rahmen, führt das nicht zur Ausuferung, es bleibt vergnügliches Schmunzeln. Jede ereignisvolle Situation, jede Zäsur im Film wird sehr klar umrissen: Die Kamera führt den langen, düsteren Gang entlang, der das Heim fast zum Gefängnis, die Zimmer zu Zellen macht. So wird das Ganze zu einer geschlossenen, eingeschlossenen Gesellschaft.

In "Wie spät ist es?" (1989) geht es wieder um die Familie als Institution, als Bestand, zum Verfall verdammt? In Civitavecchia, 100 Kilometer von Rom entfernt, treffen sich Vater und Sohn. Michele (Massimo Troisi) ist hier in der Kaserne, der Vater kommt ihn aus Rom besuchen. Der Rechtsanwalt mit der gut gehenden Praxis ist immer bei der Arbeit, er hat sich nie um den Sohn gekümmert, jetzt will er das jovial und gönnerhaft aufwiegen. Das teure Auto, die Reise nach New York, die gute Position - Michele will das alles nicht, zieht sich artig aber spürbar zurück. Ein bekanntes Schema, ein geläufiges Sujet. Aber 'Wie spät ist es?' können sie sich auch zum Abschied fragen, zum Abschied, wenn der Vater schon vorgelaufen war zum Zug nach Rom und der Sohn noch nachkommt. Vielleicht werden sie weiter aneinander vorbeifahren, vielleicht nicht, vielleicht ist "Die Familie" irgendwie ein Stück aneinander vorbeifahren.

"Splendor" (1988) ist Ettore Scolas nostalgische Liebeserklärung an das alte Kino. Das "Splendor" ist verkauft, ein Supermarkt soll da entstehen, wo jahrzehntelang Träume verkauft wurden. Es geht nicht mehr, die Zeiten sind nüchterner geworden, Glanz und Flitter sind vorbei. Und während die Bauarbeiter die ersten Stuhlreihen heraus brechen, sitzen eine Handvoll Menschen im leeren, großen Kinosaal und einer von ihnen erinnert sich ... Scola blendet zurück in die Zeit, als der kleine Jordan und sein Vater mit dem Wanderkino durch die Provinz zogen und auf Straßen und Plätzen Kino machten. Sorgfältig musste man die Leinwand so errichten, dass sie nicht die Mussolini-Parolen verdeckte, denn die Faschisten waren überall präsent.

Die glanzvolle Geschichte von gestern in Schwarzweiß und die düstere Geschichte von Heute in Farbe wechseln ab; die Zeitsprünge dazwischen entsprechen den Methoden der Kinotechnik. Scola erzählt nicht chronologisch, sondern assoziativ, und so sind es immer wieder Versatzstücke aus Filmen von Fellini oder Truffaut, von Fritz Lang oder Frank Capra, die so etwas wie wohlige Geborgenheit vermitteln.

In seiner märchenhaften Schlussapotehose appelliert der Regisseur an die Macht der Phantasie, an die Hoffnung: Am Ende von Jordans Erinnerung fällt das "Splendor", und um das Wunder noch größer zu machen, fallen durchs offene Dach Schneeflocken herein. Jetzt sind sie alle wieder da, die weggeblieben waren, und die Träume gehen zurück in die Vergangenheit, in die Erinnerung, in die Besinnung. Und so begegnet uns der Film hier als etwas, das untrennbar mit dem Kino verbunden ist, mit dem Kino, seinen Menschen, seinem Flair, seiner Atmosphäre.

"Die Reise des Captain Fracassa" (1990), mit Massimo Troisi, Ornella Muti und Emmanuelle Beart ist ein phantasievoll schöner Film aus der Welt der Comedia dell'arte. Ein junger Adliger erlebt auf einer Reise gemeinsam mit einer Schauspieltruppe durch das Südfrankreich des 17. Jahrhunderts einen Erfahrungs- und Reifeprozess.

Scola dreht außerdem Filme wie "Die schönste Soiree meines Lebens" (1972) mit Alberto Sordi, "Wir hatten uns so geliebt" (1974) mit Nino Manfredi, Marcello Mastroianni und Vittorio Gassman, "Die Schmutzigen, die Hässlichen und die Gemeinen" (1975) mit Nino Manfredi, "Ein besonderer Tag" (1977) mit Marcello Mastroianni, den Episodenfilm "Viva Italia" (1977), "Die Terrasse" (1980) mit Jean-Louis Trintignant, Marcello Mastroianni und Vittorio Gassman, "Passion der Liebe" (1981) mit Jean-Louis Trintignant, "Flucht nach Verennes" (1982) mit Marcello Mastroianni, "Le bal - der Tanzpalast" (1983), "Macaroni" (1985) mit Jack Lemmon und Marcello Mastroianni sowie das Stadtporträt "Menschen in Rom" (2004).


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