Ugo Tognazzi

Ugo Tognazzi
Geboren: 23.03.1922 in Cremona, Italien
Sternzeichen: Widder
Gestorben: 27.10.1990 in Rom, Italien

Tognazzi war neben Vittorio Gassman, Alberto Sordi, Aldo Fabrizzi und Totò einer der großen Komödianten des italienischen Theaters und des europäischen Kinos. Seit er bei Mario Mattoli in "I Cadetti di Guascogne" (1950) erstmals vor der Kamera steht, liebt ihn das italienische Publikum. In den folgenden Jahren dreht er zahllose Unterhaltungsfilme. Oft spielt er darin Rollen, die er schon auf der Bühne verkörpert hat. Dann hat er seinen großen Durchbruch als Anarchist in René Clements "Halt mal die Bombe, Liebling" (1960). Diese Rolle macht ihn international bekannt, - nicht nur wegen der Auszeichnung, die der Film 1961 in Cannes erhielt.

War Tognazzi bislang nur in volkstümlichen Filmen und Rollen zu sehen, so ändert sich das entscheidend mit der Faschismus-Parodie "Zwei in einem Stiefel" (1961) und "Lockende Unschuld" (1962, beide von Luciano Salces). 1963 beginnt die lebenslange Freundschaft mit Regisseur Marco Ferreri, bei dem Tognazzi einige seiner besten Rollen spielt. Im Gegensatz zum selbstzufriedenen Kleinbürger, wie ihn Komikerkollege Alberto Sordi verkörpert, prägt Tognatti unter Ferreri vielerlei groteske Charaktere, so in"Die Bienenkönigin" mit Annie Girardot (1963), "Controsesso" (1964), "La donna scimmia" (1963), "Marcia nuziale" (1965),"Break Up" (1965), "Die Audienz" (1971) und "Berühre nicht die weiße Frau" (1973).

Tognazzis bekannteste Rolle bei Ferreri ist sein alter ego Ugo neben den großen Kollegen Marcello Mastroianni, Michel Piccoli und Philippe Noiret in der filmischen Fressorgie "Das große Fressen" (1973). Mit Piccoli sah man ihn im Jahr darauf auch in Peter Fleischmanns gelungenen Mix aus Polit- und Psychothriller "Der dritte Grad". Großen Erfolg hat er auch als Käsefabrikant in Bernardo Bertoluccis "Tragödie eines lächerlichen Mannes" (1981) und natürlich als Transvestit in den drei Klamotten "Ein Käfig voller Narren" (Ein Käfig voller Narren, Noch ein Käfig voller Narren und 1985).

Seit den Sechzigerjahren ist Tognazzi Hauptdarsteller zahlreicher fantasievoller Komödien von Routiniers wie Dino Risi - "I mostri" (1963), "Unsere Ehemänner" (1966), "I nuovi mostri", "Das rote Zimmer" (beide 1977) -, Mario Monicelli - "Ehen zu dritt" (1963), "Vogliamo il colonnelli" (1972) -, Antonio Pietrangeli - "Ich habe sie gut gekannt" (1965) - und Alberto Lattuada - "Schwestern teilen alles" (1970). Eine der besten Komödien jener Zeitspanne ist "Unmoralisch lebt man besser" (1967) von Pietro Germi mit Stefania Sandrelli: Nur scheinbar symphatisiert Pietro Germi mit seinem Helden, der gleich in mehreren Familien als Familienvater fungiert: Drei Ehefrauen und insgesamt fünf Kinder bringen den charmanten Geiger und Kabarettsänger Sergio Masini ganz schön ins Schwitzen. Um die drei Familien zu unterhalten, ist er rund um die Uhr am Malochen. Eine wahrhaft böse Komödie. Einen Film von Dino Risi aus dem Jahre 1977 hat er selbst besonders geliebt: "Das rote Zimmer" mit Ornella Muti und Patrick Dewaere, eine unterkühlte Komödie aus der Zeit nach dem Faschismus, mit kaputten Typen in einer noblen Umgebung. Der Film pendelt zwischen Satire aufs Großbürgertum und Charakterstudie des Faschisten, der von seinen militärischen Großtaten quatscht und hinter jedem Rock her ist (vor allem dem von Ornella Muti).

Tognazzi, von dem man sagen kann, dass er eigentlich immer neben seinen Rollen stand und sie nie zu seiner eigenen Figur gemacht hat, hat in über 120 Filmen gespielt. Darüber hinaus war er schon früh im Fernsehen populär, wo er mit seinem Partner Raimondo Vianello mit dem Programm "Uno, due, tre" besonders erfolgreich war. Und als es mit den Kinorollen bergab ging, hat er sich wieder dem Fernsehen zugewandt. 1961 versucht er sich zum ersten Mal als Regisseur: In "Der ungewöhnliche Zuhälter" gerät ein tölpelhafter Biedermann in den Verdacht, ein Lude zu sein. Seine anderen drei Regie-Arbeiten fanden nicht den Weg in die deutschen Kinos: "Il fischio al naso" (1967), "Cattivi pensieri" (1976) und "Los viajeros de atardecer" (1979).

Außerdem aber hat er zwei in Italien sehr beliebte Kochbücher geschrieben. Weitere Filme von und mit Ugo Tognazzi: "Luxusweibchen" (1960), "Seine Exzellenz bleibt zum Essen", "Der ungewöhnliche Zuhälter" (Regie und Darsteller, beide 1961), "Fallen für Fra Diavolo" (1962), "Barbarella" (1967), "Einsame Herzen" (1969), "La Bambolona - Die große Puppe", "La Califfa" (beide 1970), "Telefoni Bianchi - Karriere im Bett und vor der Kamera..." (1976), "Der Kater lässt das Mausen nicht", "Strandgeflüster" (beide 1977), "I nuovi mostri" (1978), "Die Terrasse", "Vier Asse hauen auf die Pauke", "Arrivano i bersaglieri" (alle 1980), "Scusa se è poco" (1982), "In letzter Minute" (1987).


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