Jean Poiret

Jean Poiret in seiner wohl populärsten Rolle als Inspektor Lavardin Vergrößern
Jean Poiret in seiner wohl populärsten Rolle als Inspektor Lavardin
Jean Gustave Poiré
Geboren: 17.08.1926 in Paris, Frankreich
Gestorben: 14.03.1992 in Paris, Frankreich

"Männer sind doch bessere Frauen" heißt das Bühnenstück zuerst. Doch der Transvestitenulk um die beiden Freunde Renato und Albin, die seit 20 Jahren zusammenleben, wird in der Kinofassung als "Ein Käfig voller Narren" ein Welterfolg: Renato ist der Besitzer des Nachtclubs "La cage aux folles", in dem Albin als der große Za Za Napoli auftritt. Doch dann muss man für die sittenstrenge Familie der Schwiegereltern eine bürgerliche Fassade herstellen.

Das Bühnenstück stammt aus der Feder von Jean Poiret, der auch am Drehuch von Edourd Molinaros Film mitschrieb. Ugo Tognazzi und sein Freund Michel Serrault spielen die Hauptrollen, auch in den beiden Fortsetzungen. Die Folge: Drei französische Filme und ein Hollywood-Remake ("Birdcage - Ein Paradies für schrille Vögel" mit Robin Williams, 1996) machen den wunderbaren Komödianten und Charakterdarsteller Poiret zum Erfolgsautor.

Es begann in der Nachkriegszeit. Zwischen 1945 und 1952 war der junge Schauspieler bei Robert Dhéry am Théatre des Deux-Anes engagiert. 1953 traf er Michel Serrault, schon bald gehen die beiden Akteure mit selbstgeschriebenen Sketches und Boulevardstücken gemeinsam auf Tournee.

Erste Filmauftritte ließen nicht lange auf sich warten. 1955 drehte Michel Boisrond den Film "Pariser Luft". Michel Serrault und Jean Poiret spielten an der Seite von niemand geringerem als Brigitte Bardot. Danach sah man Poiret in Sacha Guitrys "Assassins et voluers", Jean Boyers "Der Damenschreck" (beide 1956) und Raoul Andrés "Verlorenes Spiel" (1957). Christian-Jaques "Die Französin und die Liebe" (1960) und Michel Boisronds "Pariserinnen" (1961) folgten.

Poiret wurde neben Fernandel und Bourvil zum Lieblingsschauspieler des Nouvelle Vague-Mitbegründers und Außenseiters Jean-Pierre Mocky. Unter seiner Regie spielte er in "Den Seinen gibt's der Herr" (1963) und "Angst in der Stadt" (1964). Immer wieder drehte er mit den Regisseuren Raoul André, Michel Drach und Michael Boisrond.

Dann war er der Mitautor von François Truffauts Faschismus-Drama "Die letzte Metro" (1981), worin er auch die Rolle eines Regisseurs spielt. Schließlich gab ihm Claude Chabrol 1984 als Inspektor Lavardin in dem Film "Hühnchen in Essig" (1984/85) ein neues Image. Mit Erfolg: Fünf weitere "Lavardin"-Filme von Chabrol und Christian de Chalonge folgten. Der zynische Polizeibeamte mit seiner kaltschnäuzig taktlosen Art hatte eigentlich nichts Liebenswertes mehr an sich, doch genau das macht den Reiz der Reihe aus. Seine Attacken treffen eben die Richtigen.

Zum letzten Mal stand er für Christoph Bölls grottenschlechten "Sisi und der Kaiserkuß" (1991) und in "Wer ist jetzt der Boss" (1992) vor der Kamera. Poiret starb 1992 kurz vor der Uraufführung seines ersten selbst inszenierten Films, "Das Zebra", in dem auch seine zweite Frau Caroline Cellier mitspielte.


Zur Filmografie von Jean Gustave Poiré
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