Jean-Pierre Bacri

Lesermeinung
Geboren
24.05.1951 in Bou Ismail, Algerien
Gestorben
18.01.2021 in Paris
Sternzeichen
Biografie

In seinem Heimatland Frankreich war er ein erfolgreicher Schauspieler und Autor, der wie selbstverständlich zwischen Theater, Kino und Fernsehen hin und her wechselte. Oft war er in Rollen zu sehen, in denen er als Zyniker ewig schlecht gelaunt durch die Gegend trottete - doch dies ist nur eine Seite des Jean-Pierre Bacri, der ein bereits vielfach ausgezeichneter Drehbuchautor war.

In Algerien als Sohn eines Briefträgers geboren, kam Bacri schon sehr früh mit dem Medium Film in Kontakt, denn der Vater jobbte am Wochenende als Kinokassierer, so dass der kleine Jean-Pierre wohl das eine ums andere Mal in den Saal geschlüpft sein dürfte. Allerdings musste die Familie mit Ausbruch des Algerienkrieges ihr Heimatland verlassen und fand im mondänen Cannes Unterschlupf.

Dort ging der junge Bacri zur Schule, machte Abitur und wollte danach unbedingt Lehrer werden. Doch nach seinem Umzug nach Paris 1976 wechselte er auch den Berufswunsch und interessierte sich fortan für einen Job in der hippen Werbebranche, für die er erste Texte verfasste. Nebenbei nahm er Schauspielunterricht am Cours Simon und schrieb mit "Tout simplement" sein erstes Theaterstück. 1979 war es dann endlich so weit: In Pierre Granier-Deferre Kriegsfilm "Waffe des Teufels" ist Bacri in einer kleinen Rolle als Anästhesist neben dem großen Alain Delon zu sehen. Nach zahlreichen kleineren TV-Auftritten folgte 1983 Diane Kurys' gefeiertes Melodram "Entre Nous" die Rolle des Costa an der Seite von Miou Miou und Isabelle Huppert. Regisseurin Kurys besetzte Bacri sieben Jahre später auch in ihrer nostalgischen Tragikomödie "Ein Sommer an der See". Zunächst jedoch sah man Bacri in Claude Pinoteaus hartem Kriminalfilm "Tödliche Angst" (1984) als Inspektor an der Seite von Kinolegende Lino Ventura, der von Unbekannten bedroht wird. Ebenfalls 1984 besetzte ihn Jean-Charles Tacchella in seinem Drama "Die Kunst, verliebt zu sein", bevor Bacri für seine Rolle des Inspektor Batman (!) in Luc Bessons Thriller "Subway" (1985) erstmals für den französischen Filmpreis César nominiert war.

Einen Barmann gab er danach in Jacques Derays Psychothriller "Mörderischer Engel" (1985) mit Michel Serrault und Charlotte Rampling, dagegen war "Mord an einem regnerischen Sonntag" (1986) ein Horrorthriller mit Nicole Garcia, während er in Jean-Pierre Mockys Spaß "Ein turbulentes Wochenende" (1987) einmal mehr sein komödiantisches Talent unter Beweis stellen konnte. 1987 schließlich begegnete Bacri der Frau, mit der er seitdem nicht nur zusammen ist, sondern die seine weitere Karriere als Schauspieler und Autor stark beeinflussen sollte: die Autorin, Schauspielerin und Regisseurin Agnès Jaoui. Nach gemeinsamen Theaterarbeiten sah man die beiden erstmals in Philippe Muyls Komödie "Cuisines et dépendances" (1993), die auf ihrem eigenen erfolgreichen Theaterstück beruht. Mit Jaoui verfasste Bacri noch im gleichen Jahr das Drehbuch zu Alain Resnais Doppelkomödie "Smoking"/"No Smoking", für das Bacri ebenso wie seine Partnerin erstmals mit dem César ausgezeichnet wurde.

Und auch ihre nächste gemeinsame Drehbucharbeit für Cédric Klapischs Erfolgskomödie "Typisch Familie!", in der die beiden auch Hauptrollen übernahmen, wurde erneut mit dem César prämiert. Direkt zwei Césars folgten 1997 für Alain Resnais' Gesellschaftskomödie "Das Leben ist ein Chanson". Erneut wurde das Drehbuchduo Bacri/Jaoui ausgezeichnet, eine weitere der begehrten Trophäen gab es für Jaoui als beste Nebendarstellerin in der Rolle der Camille Lalande. Darüber hinaus spielte Bacri an der Seite von Catherine Deneuve" in Nicole Garcias Kriminalfilm "Place Vendôme" ((1998) und brillierte in der Hauptrolle von Sam Karmanns Tragikomödie "Kennedy und ich" (1999). Einen weiteren großen Erfolg feierte Bacri schließlich 2000 mit "Lust auf Anderes" (2000), das Regiedebüt seiner Lebenspartnerin Jaoui, für das er wieder am Drehbuch mitarbeitete und die Rolle des neureichen, aber ungebildeten Unternehmers Castella übernahm. Und erneut heimsten die beiden Autoren den César für diese französische Variante von "American Beauty" ein.

Ebenso erfolgreich war auch Jaouis zweite Regiearbeit, "Schau mich an!" (2004), ein aus dem Leben gegriffenen bunten Reigen, der mal wortwitzig und mal dramatisch daherkommt. Wieder war Dauerpartner Bacri mit von der Partie, der sowohl am Drehbuch mitwirkte und wie Jaoui in einer der Hauptrollen zu sehen ist. Die Regisseurin wurde für die gelungene Tragikomödie für die Goldene Palme der Filmfestspiele von Cannes nominiert, sie erhielt diese dann zusammen mit Bacri für das beste Drehbuch. 2008 schließlich stellte das Künstlerpaar Jaoui/Bacri mit der Komödie "Erzähl mir was vom Regen" seine bislang letzte Arbeit vor. Einmal mehr werden die alltäglichen Unbillen des Lebens beobachtet, natürlich wie immer mit einer deftigen Prise Selbstironie versetzt, so dass die kleinen Schwächen der Menschen entblättert werden.

Und das Jean-Pierre Bacri auch noch auf der Theaterbühne überzeugen kann, zeigte er im Mai 2005 im Pariser Théâtre de Nanterre-Amandiers, als er in die Rolle einer der populärsten Figuren der europäischen Literatur schlüpfte: Als "Schweyk" in der Adaption von Bertolt Brecht ließ er unter der Regie von Jean-Louis Martinelli das Spiel von Jean Bouise, der naiven und burlesken Volkshelden 1961 verkörpert hatte, glatt vergessen. Die Vorstellungen entwickelten sich zu einem Triumphzug für den gefeierten Darsteller.

Weitere Filme mit Jean-Pierre Bacri: "Le goût étrange de Juliette" (1978), "L'éblouissement" (1979), "Le fourbe de Séville", "La Vénus d'Ille", La femme intégrale" (alle 1980), "Le cocu magnifique", "Henri IV" (beide 1981) , "Le grand pardon" (1982), "Edith and Marcel", "Le grand carnaval" (beide 1983), "Chère canaille", "The King's Cake", "The Way Out", "L'été en pente douce" (alle 1986), "Bonjour l'angoisse", "Mes meilleurs copains" (beide 1988), "Dark Line" (1990), "La tribu", "Le bal des casse-pieds" (beide 1991), "L'homme de ma vie", "Ein Affenzirkus" (beide 1992), "Bazooka", "Perle rare" (beide 1994), "La méthode", "Mein Hund, der Fußballstar", "On connaît la chanson" (alle 1997), "Peut-être" (1999), "Une femme de ménage" (2002), "Gefühlsverwirrungen" (2003), "Selon Charlie" (2005), "Goodbye Gary" (2009).

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