Michel Bouquet

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Oft als schmieriger Typ zu sehen: Michel Bouquet
Fotoquelle: cinemafestival/shutterstock.com
Michel Bouquet
Geboren: 06.11.1925 in Paris, Frankreich
Sternzeichen: Skorpion

Der junge Michel Bouquet will Medizin studieren, doch dafür reicht das Geld im Elternhaus nicht. So beginnt er als Bäckergehilfe, bringt es später zum Bankangestellten, bis er mit 16 Jahren bei Maurice Escande am Pariser Konservatorium Schauspielunterricht nehmen kann. An den Pariser Bühnen ist er schon früh ein vielgefragter Darsteller. Er spielt in den Uraufführungen von Jean Anouilhs Stücken, und der Autor zählt ihn bald zu seinen wichtigsten Schauspielern. Bouquet spielt weiterhin Stücke von Albert Camus, John Osborne, Harold Pinter und anderen. Auch seit er im Kino Erfolg hat, bleibt er ein Bühnenschauspieler, nimmt sich immer wieder Zeit für das Theater. Ende der Siebzigerjahre ist er mit einer Tournee des Pariser Akademietheaters in München zu sehen: in Denis Diderots "Le Neveu de Rameau".

Als Maurice Cloche 1947 mit Pierre Fresnais in der Titelrolle den "Monsieur Vincent" dreht, schreibt Drehbuchautor Jean Anouilh für ihn eine eigene Episodenrolle. Es ist sein erster Kinofilm. In kleinen Rollen sieht man ihn weiter in Henri-Georges Clouzots "Manon" (1948), Jean Grémillons "Tödliche Leidenschaft" (1949), und er spricht den Kommentar für Alain Resnais düsteren KZ-Dokumentarfilm "Nacht und Nebel" (1955). Erst Ende der Sechzigerahre beginnt Bouquets eigentliche Kinokarriere: Da gibt ihm Claude Chabrol eine erste Hauptrolle in "Die untreue Frau" (1968). Hier spielt er an der Seite von Stéphane Audran und Maurice Ronet den Star-Anwalt mit der zehn Jahre jüngeren Ehefrau, die sich bald aus Langeweile einen Liebhaber zulegt. Der ehrgeizige Ehemann kann das nicht verwinden, er bringt gewaltsam Ordnung in das Leben. Doch das hat seltsame Folgen: Mann und Frau werden sich einig, ihre Bande festigen sich. Der Film ist von einer fast penetranten Unauffälligkeit. Audran und Bouquet brauchen keine Worte, sie sprechen zueinander mit Blicken, seine Schuld und ihr Einverständnis, das ist ganz große Schauspielkunst.

Noch einmal in anderer Konstellation stehen Bouquet und Audran bei Chabrol vor der Kamera: als bourgeoises Ehepaar in "Vor Einbruch der Nacht" (1971). Diesmal tötet der Mann seine Geliebte, die Frau des Freundes, um das Familienleben zu retten. Auf ihn fällt kein Verdacht, doch er hält die Qual der Schuld nicht aus. Am Ende rettet die verständnisvolle Frau die Situation auf radikale Weise. In François Truffauts "Das Geheimnis der falschen Braut" (1969) ist Bouquet der schmierige Privatdetektiv, der im Auftrag von Jean-Paul Belmondo die von Catherine Deneuve gespielte Ehefrau verfolgt und später für beide zur Klette wird. Belmondo ist der einsame Fabrikant aus Paris, der auf der Insel Reunion arbeitet und lebt und per Annonce eine Frau zu sich bestellt hat. Sie kommt, man heiratet, flirtet, das Leben lacht, die Sonne scheint. Dann ziehen Gewitterwolken auf, verdunkeln das Glück: Die Frau verschwindet mit dem ganzen Vermögen, der Mann lässt sie verfolgen, findet sie selbst wieder, vergisst aus Liebe, was geschehen ist und - begeht einen Mord. Verschworene sind sie nun beide, fliehen gemeinsam, doch sie will sich dennoch seiner entledigen. Ein faszinierendes Melodram.

Die Rolle des schmierigen Detektivs oder Kommissars bleibt an Bouquet haften. Nach und nach entwickelt er sich in diesen Rollen zu einem hintergründigen Charaktertyp, der vielschichtige Emotionen mit scheinbar vollständiger Passivität ausdrückt. In Yves Boissets "Ein Bulle sieht rot" (1970) ist er der zynische Kriminalbeamte, der im Herausgehen aus dem 'Verhörraum' zu seinem Opfer sagt: "Bei uns gibt es keine Gestapo-Methoden", und den Mann dann weiter seinem brutalen Untergebenen überlässt, der ein Geständnis herauspresst. In "Endstation Schafott" (1973) von Jose Giovanni mit Jean Gabin spielt er gegenüber dem freundlichen Kommissar Gabin den zynischen Polizeifunktionär. "Ich wollte mit meinem Film zeigen, dass einer, der im Gefängnis war, nie wirklich seine Vergangenheit los wird", sagt Giovanni, der aus eigener Knast-Vergangenheit spricht. Gino (Alain Delon) wird vorzeitig aus dem Gefängnis entlassen. Das verdankt er seiner Frau und dem ehemaligen Polizisten Germain. Doch draußen hat er keine Chance, und schließlich bringt ihn der Polizeifunktionär Bouquet wieder zu Fall.

"Hühnchen in Essig" (1984) von Claude Chabrol mit Jean Poiret und Stéphane Audran ist fast ein Western-Thema, in die Großstadt verlegt. Nicht der Grundbesitzer und seine Clique wollen die armen Farmer ringsherum zum Verkauf ihres Anwesens zwingen, sondern die sprichwörtlich gutsituierten Bürger in der Provinz: Der Arzt, der Notar und der Fleischer zwingen mit brutalen Methoden eine missliebige Familie, aufzugeben. Die Mutter sitzt im Rollstuhl, der Sohn ist ein braver Postbeamter. Doch die kleinen Rechtlosen geben nicht auf, treiben ihrerseits ihr böses Spiel. Bouquet spielt wieder die Rolle des wohlhabenden Zynikers.

In Jaco van Dormaels aberwitziger Komödie um ein verpasstes Leben, "Toto der Held" (1991), spielt er den alten Mann, der auf sein vertanes Leben zurückblickt. Zum vielseitigen Rollenrepertoire des französischen Charakterdarstellers gehören seine Beiträge in François Truffauts "Die Braut trug schwarz" (1967), Jacques Derays "Borsalino" (1969), Roger Pigaults "Der Boss" (1970) und "Die Milliarden ohne Lift" (1972), Jean-Louis Bertucellis "Pauline 1880" (1971), Harry Kümels "Malpertuis" (1971), Yves Boissets "Das Attentat" (1972), Henri Verneuils "Die Schlange" (1972), Robert Hosseins "Die Legion der Verdammten" (1982), Nelly Kaplans "Raffinierte Rache" (1987) und Jean Beckers "Elisa" (1994). Außerdem tritt er in Claude Chabrols Dokumentarfilm "Das Auge von Vichy" (1992) auf.

Weitere Filme mit Michel Bouquet: "Katja, die ungekrönte Kaiserin" (1959), "Die Straße von Korinth" (1967), "Borsalino" (1969),"Der Riss" (1970), "Kein Rauch ohne Feuer" (1973), "Die Verdächtigen", "Vier Tage in der Hölle" (beide 1974), "Staatsraison" (1978), "Die siebente Saite" (1991), "L'arbe de la discorde" (1992), "Vater töten" (2001), "Letzte Tage im Elysée" (2003), "Das kleine Zimmer" (2010), "Renoir" (2012).


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