Lilli Palmer

Weltstar aus Deutschland: Lilli Palmer Vergrößern
Weltstar aus Deutschland: Lilli Palmer
Lillie Marie Peiser
Geboren: 24.05.1914 in Posen, Preußen, seinerzeit Deutschland, heute Polen
Gestorben: 27.01.1986 in Los Angeles, Kalifornien, USA

Sie war kultiviert, voller Humor, eine Ausnahmeerscheinung unter Deutschlands Schauspielerinnen, die auch in großen internationalen Filmen die grande dame gab und oft in einem Atemzug mit der Dietrich oder der Knef genannt wird: Lilli Palmer. Die im heutigen Polen geborene Charakterdarstellerin absolvierte nach dem Gymnasium ihre Schauspielausbildung bei Ilka Grüning und Lucie Höflich, bevor sie als 18-jährige am Berliner Rose-Theater in "Die heilige Johanna" debütierte. Danach zog es sie an das Hessische Staatstheater in Darmstadt, wo sie mit dem Stück "Glückliche Reise" bekannt wurde. Kurz nach der Machtergreifung der Nationalsozialisten verließ die Jüdin Deutschland und ging zunächst nach Paris.

Dort tingelte sie durch die Nachtklubs, bis sie schließlich der britische Filmagent Alexander Korda nach Großbritannien verpflichtete, wo sie in verschiedenen kleinen Rollen zu sehen war, bevor sie Alfred Hitchcock in seiner Spionagekomödie "Geheimagent" (1936) an der Seite von John Gielgud und Peter Lorre besetzte. Darauf folgten interessante Film- und Theaterrollen, so etwa in dem Drama "Sunset in Vienna" (1937), in dem Abenteuer "The Great Barrier" (1937), aber auch bis Anfang der Vierzigerjahre zahlreiche kleinere TV-Rollen im britischen Fernsehen.

1943 heiratete Lilli Palmer den Schauspieler Rex Harrison, mit dem sie kurz nach Kriegsende in dem Liebesfilm "So lebte Mr. Kenway Jr." zusammenspielte und mit dem sie 1945 nach Hollywood ging. Sehr schnell erhielt die nicht auf den Mund gefallene, auffallend intelligente Darstellerin zahlreiche Rollenangebote. Zunächst spielte sie unter der Regie des großen Fritz Lang in dem Spionagefilm "Im Geheimdienst" zusammen mit Gary Cooper, dann besetzte sie Robert Rossen in seinem Boxerfilm "Jagd nach Millionen" (1947) mit John Garfield und Lewis Milestone war der Regisseur der Liebeskomödie "Ein Mann zuviel" (1948).

Wieder mit ihrem Mann sah man die Palmer 1952 in der Tragikomödie "Das Himmelbett" (Auszeichnung als beste Darstellerin bei den Filmfestspielen von Venedig), eine ihrer letzten gemeinsamen Filmarbeiten, denn die beiden ließen sich 1957 scheiden, nachdem Lilli Palmer schon 1954 nach Europa und Deutschland zurückgekehrt war. Dort stand sie auch sofort wieder vor der Kamera: Kurt Hoffmann stellte sie der jungen Romy Schneider in seiner Komödie "Feuerwerk" an die Seite und der Psychothriller "Teufel in Seide" (Bundesfilmpreis für Lilli Palmer) zeigte sie erstmals zusammen mit Curd Jürgens, mit dem sie in den Folgejahren nach oft zusammenspielen sollte. Erneut mit Romy Schneider stand sie danach in Géza von Radványis Melodram "Mädchen in Uniform" (1958) vor der Kamera, bevor sie 1959 endlich wieder einen Ruf nach Hollywood bekam, um mit Clark Gable und Carroll Baker in Walter Langs Komödie "Bei mir nicht" zu spielen.

In der Zwischenzeit hatte Lilli Palmer auch wieder geheiratet, denn 1957 gab sie dem argentinischen Schriftsteller und Schauspieler Carlos Thompson ("Das Wirtshaus im Spessart") das Jawort. Wieder ein Spionagefilm stand 1960 auf dem Drehplan, als sie George Seaton für "Verrat auf Befehl" verpflichtete, in dem William Holden die männliche Titelrolle übernahm. Ebenfalls 1960 entstand Ralph Thomas' Melodram "Verschwörung der Herzen", und 1961 holte sie Alfred Weidenmann für die Liebeskomödie "Julia, Du bist zauberhaft" vor die Kamera. Wieder Seaton war danach der Regisseur der Komödie "In angenehmer Gesellschaft", in der Lilli Palmer an der Seite von Fred Astaire glänzte, "Treffpunkt Tanger" (1962) war ein Kriegsfilm mit James Mason und der im gleichen Jahr enstandene Tierfilm "Die Flucht der weißen Hengste" zeigte sie erneut an der Seite von Curd Jürgens und Robert Taylor. Nach ihrer Rolle in dem Agentenfilm "Geheimaktion Crossbow" (1964) von Michael Anderson spielte Lilli Palmer in der Spionagesatire "Zwei Girls vom Roten Stern" (1965, wieder mit Curd Jürgens), in Terence Youngs Komödie "Die amourösen Abenteuer der Moll Flanders" und in Michael Verhoevens Drama "Paarungen" (1967).

Immer wieder sah man sie allerdings auch in angloamerikanischen Produktionen wie dem Kriminalfilm "Der Haftbefehl" (1968) mit Rod Taylor und Christopher Plummer, in der Agentenkomödie "Der mysteriöse Mr. Sebastian" (1968) mit Dirk Bogarde, an der Seite von James Coburn und Lee Remick in dem Actionfilm "Der Killer und die Dirne" (1968), in dem Erotikfilm "Das ausschweifende Leben des Marquis de Sade" mit Senta Berger sowie in dem Kriminalfilm "Mord in der Rue Morgue" (1971) mit Jason Robards, Herbert Lom und Christine Kaufmann. Einen glänzenden Auftritt hatte sie auch in Egon Günthers Literaturverfilmung "Lotte in Weimar" (1974), denkwürdig war auch ihre Rolle in Franklin J. Schaffners Thriller "The Boys from Brazil" (1978). In den Achtzigerjahren sah man Lilli Palmer nur noch vereinzelt in Filmen, die bedeutensten waren "Der 4 1/2 Billionen Dollar Vertrag" (1985, Regie: John Frankenheimer) mit Michael Caine und die US-TV-Großproduktion "Peter der Große" (1986) mit Maximillian Schell und Jan Niklas.

Die auch als Malerin und Schriftstellerin erfolgreiche Lilli Palmer starb am 27. Januar 1986 an den Folgen einer Krebserkrankung in Los Angeles, ihr Mann, mit dem sie bis zu diesem Zeitpunkt verheiratet war, nahm sie vier Jahre später das Leben.

Weitere Filme mit Lilli Palmer: "Ungeduld des Herzens" (1945), "Wie ein Sturmwind", "Anastasia - Die letzte Zarentochter" (beide 1956), "Eine Frau, die weiß, was sie will" (1957), "Der Kongress amüsiert sich" (1965), "Der Diamantenprinz" (1967), "Der Mann mit der Torpedohaut" (1970), "Der Zeuge hinter der Wand" (1972).


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